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Stadt Wolfsburg Parkplatz-Mord: SMS nach Verbrechen
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Parkplatz-Mord: SMS nach Verbrechen
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22:09 07.09.2011
Mord-Prozess: Verbrechen von langer Hand geplant?
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Im Prozess vor dem Landgericht Braunschweig berichtete gestern ein Polizist, der das Mobiltelefon des Angeklagten untersuchte, dass der 36-Jährige am Tattag kurz nach 6 Uhr die SMS verschickt hatte. Seiner Schwester schrieb er, dass er ihr Auto, mit dem er zum Tatort gefahren war, auf einem Geschäftsparkplatz gegenüber dem alten VfL-Stadion am Berliner Ring abgestellt habe. Zudem bat er die 21-Jährige: „Lass mir bitte meine Sachen zukommen. Kuss...“

Seit Prozess-Auftakt bemühen sich der Elektroniker und seine Verteidiger, das Verbrechen an der Frau als Affekt-Tat erscheinen zu lassen. Die SMS deutet allerdings auf alles andere als ein Geschehen hin, das – so der Angeklagte – „aus dem Ruder“ gelaufen sei.

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Und auch seine Angaben vor dem Haftrichter, über die eine Oberstaatsanwältin Auskunft gab, sprechen eher dafür, dass die Tötung der 37-Jährigen von langer Hand geplant gewesen sein könnte.


Einen weiteren tüchtigen Dämpfer bekamen der 36-Jährige und seine Verteidiger in ihrem Vorhaben, das Geschehen als Affekt-Tat erscheinen zu lassen:

Grund dafür ist die Aussage der Oberstaatsanwältin, die bei der Vorführung beim Haftrichter einen Tag nach dem Verbrechen dabei war. Sie berichtete, dass in der gepackten Tasche, mit der der Wolfsburger sich der Polizei stellte, eine große Menge Tabak gewesen sei. Erklärung des Angeklagten: „Ich wusste, dass ich aus dem Knast nicht mehr rauskomme.“

Die Tötung der 37-Jährigen habe er mit den Worten kommentiert: „Es musste sein.“ Alle Welt habe gewusst, dass er auf sie „wütend“ gewesen sei. Auslöser dafür sei die Verurteilung 2005 gewesen. Da hatte er vier Jahre für die Vergewaltigung der Frau bekommen – zu Unrecht, wie der Angeklagte meint. Angeblich habe es das Sex-Verbrechen nie gegeben.

Beim Haftrichter habe der 36-Jährige, der laut Oberstaatsanwältin „ruhig, gefasst und sachlich“ gewesen sei, beantragt, beschlagnahmte Fotos zurück zu bekommen. Die Bilder zeigten seinen Sohn, ihn mit dem Opfer – und Nacktaufnahmen von der Frau unter der Dusche, die er einen Tag zuvor umgebracht hatte.


Die Aussage der Oberstaatsanwältin im Prozess um den Mord auf dem VW-Parkplatz gestern war ein Tiefschlag für den Angeklagten. Seine Verteidiger reagierten prompt und beantragten, den Richter, sämtliche Polizisten und sogar die Protokollführerin, die bei der Vorführung im Amtsgericht Braunschweig dabei waren, als Zeugen zu hören. Das könnte bereits am Montag passieren.

Für Unmut sorgten die Anwälte mit dem Beweisantrag, auch den Sohn (9), den der Angeklagte gemeinsam mit dem Opfer hat, als Zeugen vor Gericht zu zitieren. Hintergrund ist ein angebliches Treffen des 36-Jährigen, seiner Ex-Verlobten und des Kindes im Spätsommer 2010 in einer Gifhorner Eisdiele. Die Kammer stellte klar, sie gehe davon aus, dass es diese Zusammenkunft gegeben habe. Damit ersparte das Gericht dem traumatisierten Neunjährigen die Aussage.

Mehr als fraglich ist, ob dieses Treffen für die Gesamtbewertung des Verbrechens relevant ist.

bm