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Stadt Wolfsburg „Er hat die Liebe aus meinem Körper geprügelt“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg „Er hat die Liebe aus meinem Körper geprügelt“
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06:35 20.11.2018
Landgericht: Wegen versuchter Tötung ist ein 63-jähriger Vorsfelder angeklagt. In Handschellen wird er in den Gerichtssaal geführt. Quelle: Andrea Müller-Kudelka
Braunschweig/Vorsfelde

Polizeikräften, die am 29. Juni gegen 23 Uhr in der Meinstraße eintrafen, bot sich ein fürchterliches Bild: Auf dem Flur der Vorsfelder Wohnung lag eine Frau, blutend, mit gebrochenen Rippen, Nase, Kiefer, Augenhöhlen und Jochbein. Um sie herum Scherben, zerstörte Möbel, umgeworfene Pflanzen. Ihr Ehemann hatte die Tür geöffnet. Er war alkoholisiert, aber sich offenbar keiner Schuld bewusst. Gegen seine Verhaftung wehrte er sich. Am Montag begann die Verhandlung gegen den 63-Jährigen vor dem Landgericht in Braunschweig.

63-Jähriger erinnert sich nur lückenhaft

Die Anklage lautet auf Körperverletzung und versuchten Totschlag. Was genau passiert ist, daran kann sich der 63-Jährige nicht erinnern. Was seine Frau aussagte, werde wohl stimmen, sagt er, den Blick auf die leere Tischplatte vor sich gerichtet.

Opfer schildert den Tathergang

Die 64-Jährige schildert den Ablauf des verhängnisvollen Tages. Sie arbeitet ehrenamtlich beim DRK in Wolfsburg, ist bei einer Besprechung für das Stadtfest und hat ihrem Mann per Handy mitgeteilt, dass sie mit ihm zum Konzert von Sweety Glitter gehen wolle. „Ich sagte ihm, dann müsse er fit sein.“

Schon seit Tagen hatte er das Bett wegen starker Depressionen nur selten verlassen. Ganz anders sah seine Stimmung aus, als sie nach Hause kam. „Er lief mir fröhlich entgegen“, erzählte sie. Auch sie freute sich – bis sie eine Alkoholfahne roch und drei leere Weinflaschen sah.

Streit um Autoschlüssel

Sie sei sauer gewesen, wie auch sonst, wenn er trank, Aber: „Ich habe mich immer sehr zurückgenommen.“ Also saß das Paar einträchtig vor dem Fernseher. Bis er beschloss, mit dem DRK-Bulli loszufahren – wahrscheinlich um mehr Wein zu besorgen. Er fand jedoch den Autoschlüssel nicht und warf wütend den Schuhschrank um. Sie sah den Schlüssel, versteckte ihn im Schlafzimmer, um einen Unfall zu verhüten, und wählte den Notruf der Polizei. Daraufhin rastete der sonst eher in sich gekehrte Mensch komplett aus.

„Er hat meine Liebe aus meinem Körper geprügelt“, sagt seine Frau jetzt. Mit Fäusten und Fußtritten. Und dann habe er gedroht, ihr das Genick zu brechen. Sie hat im Oktober die Scheidung eingereicht. Und ja; er müsse bestraft werden, antwortet sie auf die Frage einer beisitzenden Richterin, „aber genauso muss ihm geholfen werden.“

Tickende Zeitbombe

Nicht nur Alkohol konsumierte er, manchmal auch Marihuana. 2016 hatte der von Zeugen als „sonst liebevoll“ beschriebene Mensch das erste Mal die Wohnung verwüstet – nachdem er von einem Psychiater verschriebene Tabletten ad hoc abgesetzt hatte. „Er war eine tickende Zeitbombe“, sagt der jüngere der zwei Söhne des Opfers aus erster Ehe. Der ältere ist wie weitere Bekannte – und auch der Täter selbst – noch immer fassungslos. Ein Gutachter verfolgt den Prozess. Er wird sich am nächsten Verhandlungstag, dem 27. November, äußern.

„Aber wir lieben uns doch, habe ich gesagt“         

Der 63-Jährige, der wegen versuchten Totschlags in Braunschweig vor Gericht steht, kann sich an die Tat kaum erinnern. Dafür berichtete der gebürtige Wolfsburger von seinem Leben bis dahin.

„Aber wir lieben uns doch, habe ich gesagt“, erzählt die 64-jährige Ehefrau vom schlimmsten Moment in ihrem Leben. Da lag sie blutend ihm Flur und hinter ihr kniete ihr Mann, hatte den Arm um ihren Hals gelegt, die Hand an ihrem Kinn und sagte ihr, dass es wehtun würde, wenn er ihr jetzt das Genick umdrehe. „Ja, wir lieben uns“, meinte er und beließ es dabei, sie mit dem Arm zu würgen, bis sie das Bewusstsein verlor. Seine Frau hat er zwar nicht getötet, ihre Liebe aber schon. Und sich damit selbst das Happy End eines ruhelosen Lebens zerstört.

Schläge in der Kindheit

Von der Tat weiß der 63-Jährige selbst nur noch wenig, über sein Leben bis dahin berichtete vor Gericht. Als Ältester von sechs Geschwistern war er in Wolfsburg aufgewachsen. Sein Vater habe ihn geschlagen, in der Schule konnte er nicht still sitzen und bei der Bundeswehr durfte er sich später nicht verpflichten, weil der Psychologe das ablehnte, erzählte er.

Fremdenlegion und Alpträume

Stationen bei der Fremdenlegion in Frankreich und Spanien folgten, eine Rückkehr nach Wolfsburg scheiterte: Zu viele Vorwürfe der Familie, zu viel Langeweile im Volkswagenwerk. In Spanien lebte er 15 Jahre lang mit einer „sehr dominanten“ Frau zusammen, die Depressionen hatte – wie er selbst. Schließlich fand ihn seine Jugendliebe aus Wolfsburg per Facebook wieder. Mit der Hochzeit 2015 endeten seine Alpträume. Doch dann wurde er für diese Frau selbst zum Alptraum.

Von Andrea Müller-Kudelka

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