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Stadt Wolfsburg So erhalten Menschen in tragischen Situationen schnellen Beistand
Wolfsburg Stadt Wolfsburg So erhalten Menschen in tragischen Situationen schnellen Beistand
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07:00 26.09.2019
Griff zum Einsatzhandy: Gifhorns Superintendentin Sylvia Pfannschmidt koordiniert die Arbeit des Notfallseelsorge-Teams und hilft selbst mit. Quelle: Cagla Canidar
Wolfsburg/Gifhorn/Peine

Der Anblick war grauenhaft: Überall Verletzte oder Tote, ein unfassbares Durcheinander von Stahl, Trümmern, Körpern. Und mittendrin die Retter, die verzweifelt versuchten, Eingeklemmte zu befreien, Verletzten zu helfen, Verzweifelte zu beruhigen. Das verheerende Zugunglück von Eschede im Jahr 1998 hat Helfer und Überlebende schwer traumatisiert.

In einer solchen Situation ist die Arbeit von Notfallseelsorgern immens wichtig: Die speziell ausgebildeten Frauen und Männer können dabei helfen, so entsetzliche Erlebnisse wie das von Eschede besser zu verarbeiten und die seelische Qual zu lindern. Nach dem Zugunglück führte die Landeskirche die Notfallseelsorge flächendeckend ein. Im Kirchenkreis Gifhorn sind 39 Pastoren, Diakone, Sozialpädagogen und Predigern im Einsatz – ehrenamtlich. Mit dabei ist auch Superintendentin Sylvia Pfannschmidt (60).

Arbeit im Zweier-Team

Die Notfallseelsorger: Sie helfen Unfallopfern, leisten Beistand, wenn eine Todesnachricht kommt, und sind immer erreichbar. Quelle: dpa

„Als ich vor fünf Jahren Superintendentin geworden bin, waren nur fünf bis sechs Ehrenamtliche für die Notfallseelsorge im Einsatz und damit überfordert“, sagt Pfannschmidt. Inzwischen sei das System breiter aufgestellt – eine Umstellung, die eine spürbare Entlastung für die Seelsorger gebracht habe.

Vielfältige Aufgaben

Wenn Pfannschmidt für eine Woche den Dienst der Notfallseelsorgerin übernimmt, sind das Notfallhandy und die lilafarbene Einsatzjacke immer griffbereit. Einsätze bei und nach einem Verkehrsunfall, die Unterstützung der Polizei beim Überbringen einer Todesnachricht, der plötzliche Tod eines Kindes, Suizid oder auch Großschadenslagen: Die Aufgaben, die die 39 Ehrenamtlichen übernehmen, sind vielfältig und nicht einfach.

Professionelle Hilfe

„Wir helfen professionell“, betont die 60-Jährige. Im Kirchenkreis sei abgesprochen, dass sich alle Hauptamtlichen am Notfallseelsorgedienst beteiligen. Alle, die mitmachen, müssen zusätzlich zu ihrer vorhandenen Ausbildung einen Grundkursus in der Notfallseelsorge absolvieren. Geholfen werde jedoch nicht nur betroffenen Angehörigen – übrigens ganz gleich welcher Konfession. „Wir sind auch da, wenn jemand von Polizei, Feuerwehr oder Rettungsdienst sich das Erlebte von der Seele reden will“, sagt Pfannschmidt. Ihre Arbeit will die Notfallseelsorge Anfang 2020 auf der Kreisversammlung der Feuerwehr präsentieren. Ziel ist es, dass mehr Helferinnen und Helfer das Angebot nutzen – dafür müssen sie aber zunächst verstehen, dass es für sie hilfreich und wichtig ist.

Besondere Herausforderung

Insbesondere nach dem plötzlichen Tod eines Kindes sind nach Pfannschmidts Erfahrung Notfallseelsorger besonders gefordert. Die Superintendentin verweist auf den Einsatz ihres Wolfsburger Kollegen Johannes Thormeier. Er sei Ansprechpartner für Schüler und Lehrer gewesen, nachdem bei einer Klassenfahrt einer Wolfsburger Schulklasse ein Kind tödlich verletzt worden war. Die Klassenkameraden mussten mit ansehen, wie der Junge von einer Bergbaulore überrollt wurde – ein Erlebnis, das sie ohne Hilfe eines erfahrenen Seelsorgers kaum hätten verarbeiten können.

Oft dauere die Betreuung von Menschen, die die Nachricht vom Tod eines Angehörigen erhalten hätten, mehrere Stunden. „Wenn die Polizei geht, kommen wir“, beschreibt die Superintendentin die intensive Arbeit des Teams.

Hilfe für die Helfer

Solche Einsätze gehen den Helfern unter die Haut, darum brauchen auch sie ab und an Hilfe. „Selbstnachsorge für die eigene Seele ist auch für unsere Arbeit wichtig“, sagt die Superintendentin. Dreimal im Jahr gibt es sogenannte Supervisionstermine, bei denen Fachleute wiederum das Team der Notfallseelsorge coachen. „Auch wir müssen das Erlebte verarbeiten, denn die Aufgabenstellung ist nicht immer einfach und unterscheidet sich deutlich von der normalen Seelsorge“, erklärt Pfannschmidt.

“An der richtigen Stelle“

Trotz aller Belastung leistet sie den Notfallseelsorge-Dienst aber gerne: „Es ist eine erfüllende Aufgabe, denn nach dem Gespräch mit den Betroffenen weiß man, dass man an der richtigen Stelle war, um zu helfen.“ Die Kraft für die ehrenamtliche Aufgabe schöpft Pfannschmidt aus ihrem Glauben: „Vor jedem Gespräch bete ich – und weiß dann Gott an meiner Seite.“

Die meisten Einsätze spielen im Privaten

Die Notfallseelsorge, deren Einsätze von Disponenten der Rettungsleistelle auf den Weg gebracht werden, hat sich längst etabliert. 1649 Einsätze wurden im Jahr 2018 im Sprengel der hannoverschen Landeskirche registriert, 1689 Einsätze waren es im Vorjahr.

Dabei spielten sich 81 Prozent der Notfallseelsorge-Einsätze 2018 im „innerhäuslichen Bereich“ ab, bei den restlichen 19 Prozent handelt es sich um Hilfe durch Notfallseelsorger im öffentlichen Raum – Anforderungen nach Verkehrsunfällen oder anderen Unglücken.

Das Notfallseelsorge-Team von Gifhorns Superintendentin Sylvia Pfannschmidt war 2016 genau 32 Mal gefordert, 37 Einsätze gab’s 2017, 20 Einsätze waren es 2018. „Auch bei uns überwiegt die Hilfe bei innerhäuslichen Einsätzen“, bilanziert die 60-Jährige. 22 dieser Einsätze gab es 2016, 29 waren es 2017, 14 im Jahr 2018.

Zu den innerhäuslichen Einsätzen wird laut Landeskirche unter anderem die Alarmierung nach einer vergeblichen Wiederbelebung gerechnet, außerdem geht es um Suizide oder das Überbringen einer Todesnachricht gemeinsam mit der Polizei.

Die Notfallseelsorge können Betroffene auch in Gifhorn, Wolfsburg und Peine nicht selbst anfordern. Die Alarmierung erfolgt immer über die Leitstellen von Feuerwehr oder Rettungsdiensten. Sie kommt immer dann zum Einsatz, wenn es Angehörige wünschen oder die Einsatzleitung vor Ort es für notwendig hält. 2018 wurden die Notfallseelsorger im Kirchenkreis Gifhorn neun Mal vom Rettungsdienst um Unterstützung gebeten, acht Mal benötigte die Polizei Hilfe, drei Einsätze fallen in die Kategorie „Sonstige“.

Ständige Fort- und Weiterbildung ist für die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in der Notfallseelsorge unerlässlich. So gibt es im Kirchenkreis Gifhorn am 13. Mai 2020 einen Schulungstermin mit dem Notfallseelsorge-Beauftragten der Landeskirche.

Von Uwe Stadtlich

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