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Stadt Wolfsburg Nach Beißattacke: Hundehalter fühlt sich im Stich gelassen
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Nach Beißattacke: Hundehalter fühlt sich im Stich gelassen
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08:00 23.10.2019
Bernd Gröber und sein Ben: Der belgische Schäferhund wurde am Salzteich von einem Kampfhund angefallen und schwer verletzt. Quelle: Roland Hermstein
Wolfsburg

Ben ist bekannt am Salzteich: Immer wieder wird er freundlich gegrüßt, rufen Kinder am benachbarten Spielplatz, streicheln und spielen mit ihm. „Er ist ganz lieb und unaufgeregt“, sagt Bernd Gröber deshalb zurecht über seinen vierbeinigen Weggefährten. Doch wenn Gröber jetzt mit seinem belgischen Schäferhund am Wohltberg, ihrem Zuhause, spazieren geht, schwingt immer auch ein bisschen die Angst mit. Denn Ben wurde schon im August Opfer einer heftigen Beißattacke. Ein ebenfalls ganz in der Nähe des Salzteichs beheimateter Kampfhund hatte ihn angefallen und ihm üble Wunden zugefügt.

Reißzahn dringt in Augenhöhle ein

Nur knapp kam Ben ohne bleibende körperliche Schäden davon. Fotos aus der Tierklinik zeigen heftige Verletzungen im Bereich der Kehle und des Kopfes. Ein Reißzahn des Angreifers drang in die Augenhöhle ein und verfehlte das Auge nur um Haaresbreite. Und auch wenn Ben heute weiter fröhlich auf der Wiese am Salzteich herumtollt, psychisch hat der Vorfall bei Halter und Hund Narben hinterlassen. „Seitdem ist Ben schon etwas verändert, er ist ängstlicher, nervöser“, berichtet Hundefreund Gröber.

41 Unterschriften unterstützen Gröber

Auch der Kampfhund ist am Salzteich bekannt – nur leider in einer anderen Form. „Der ist schon öfter aufgefallen“, berichtet Gröber. Den Halter, der noch einen weiteren Kampfhund gleicher Rasse besitzt, interessiere das aggressive Verhalten seiner Hunde nicht. Auch nach der Bissattacke habe er keine Spur von Einsicht gezeigt. Noch immer liefen die Hunde ohne Maulkorb herum. Gröber setzte deshalb auf Hilfe von der Stadt. Mit Fotos der schweren Verletzungen seines Hundes und 41 Unterschriften von Anwohnern, die sich ebenfalls vor den Kampfhunden fürchten, ging er jetzt im Oktober zum Ordnungsamt – doch wurde enttäuscht.

Polizei nicht zuständig

„Mir wurde gesagt, dass ich den Vorfall innerhalb von drei Tagen hätte melden müssen. Jetzt könne man mir nicht helfen“, berichtet Gröber verärgert. „Woher soll ich sowas wissen?“, fragt er. Er habe am besagten Tag die Polizei gerufen, die auch erschienen war. Doch diese habe ihm gesagt, dass sie nicht zuständig sei. Das ist rechtlich auch zutreffend. „Wenn ein Hund einen anderen beißt, handelt es sich um eine privatrechtliche Auseinandersetzung“, erklärt Polizeisprecher Sven-Marco Clauß die Rechtslage. „Es ist richtig und wichtig, mit solchen Vorfällen zum Ordnungsamt zu gehen, dort laufen die Informationen dann zusammen. Vielleicht gab es ja bereits Vorfälle mit diesem Hund“, empfiehlt Clauß.

Genau diesen Eindruck hatte Gröber beim Gespräch im Ordnungsamt. „Sie konnten mir aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht sagen, ob schon Vorfälle bekannt sind, aber ich hatte den Eindruck, der Halter ist bekannt“, schildert er. Auch nach WAZ-Anfrage verweist die Stadt auf den Datenschutz. Aber erklärt die grundsätzliche Vorgehensweise.

Ordnungsamt kann Verfahren gegen Halter einleiten

„Das Ordnungsamt wird in solchen Fällen immer dann tätig, wenn eine entsprechende Anzeige über einen vollendeten Übergriff eines Hundes hier eingeht – schriftlich, elektronisch oder persönlich zur Niederschrift“, so Stadtprecherin Elke Wichmann. Voraussetzung dafür sei, dass der Angriff außerhalb eines artgerechten Abwehrverhaltens erfolgt und dass die Schädigung nicht nur geringfügig sei. Liegt eine entsprechende Anzeige vor, werde ein Verfahren eingeleitet. „Zunächst wird dem Halter ein Leinen- und Maulkorbzwang als Sofortmaßnahme der Gefahrenabwehr auferlegt. Gleichzeitig erfolgt die Anhörung des Halters zur Einstufung des Tieres als ’gefährlicher Hund’“, erklärt Wichmann.

Halter von „gefährlichen Hunde“ müssen Auflagen erfüllen

Wird der Hund als gefährlich eingestuft, muss der Halter einen Antrag zur Haltung stellen und dafür Nachweise erbringen – darunter zum Beispiel eine Sachkundeprüfung, im Volksmund auch „Hundeführerschein“ genannt, oder ein Wesenstest des Hundes. Erst wenn alle nachweise erbracht sind, dürfe der Hund –gegebenenfalls auch unter Auflagen wie Maulkorb- und Leinenzwang –weiter gehalten werden.

Gröber fordert Maulkorb und Wesenstest

Genau diese Forderungen stellen Gröber und die 41 Unterzeichner seiner Unterschriftensammlung. Allein getan hat sich bisher anscheinend nichts, weil man sich im Ordnungsamt laut Gröber weigerte, sein Anliegen aufzunehmen. Gröber hat dafür kein Verständnis. „Wahrscheinlich muss erst ein Kind angefallen werden“, macht er seiner Enttäuschung Luft.

Von Steffen Schmidt

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