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Stadt Wolfsburg Der Missbrauchsfall im Kreis Harburg
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Möglicher Missbrauch in Wolfsburger Kirche: Der Fall im Kreis Harburg

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17:55 06.07.2020
Missbrauchsfall: Die Landeskirche Hannover informierte am Montag bei einer Pressekonferenz über die Vorwürfe gegen Jörg D. Quelle: Daniel Reinhardt/dpa
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Harburg

In einer Kirchengemeinde im Landkreis Harburg hat Pastor Jörg D. nach Angaben der Landeskirche Hannover über zehn Jahre lang eine ehemalige Konfirmandin sexuell missbraucht. Am Montag haben die Betroffene und Kirchenvertreter den Fall öffentlich gemacht, um eine weitere Aufarbeitung zu ermöglichen. „Der Täter war ein Serientäter“, sagte die Frau, die sich Katarina Sörensen nennt, in Hittfeld im Landkreis Harburg.

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Der 2013 verstorbene D. sei für seine engagierte Jugendarbeit bekannt gewesen, berichtete Sörensen, die unter einem Pseudonym auftritt und deren Stellungnahme per Video eingeblendet wurde. „Im Rahmen dieser Jugendarbeit hat D. Missbrauch an Schutzbefohlenen begangen, und ich bin eine von diesen Personen.“ Der Missbrauch habe 1988 begonnen, als sie 15 Jahre alt war, und habe bis 1997 angedauert. Jörg D. habe zunächst etwa bei Freizeiten Grenzen allmählich überschritten, indem er Mädchen umarmte, massierte und an sich drückte. Bevor sie volljährig wurde, sei es zu schwerem sexuellen Missbrauch gekommen, erklärte Sörensen.

Betroffene: Pastor ging geplant vor

Der deutliche ältere Mann habe das Machtgefälle ausgenutzt und sie manipuliert. Sie habe lange Zeit gar nicht begriffen, dass es Missbrauch war, was sie für eine Liebesbeziehung hielt. Sie sei sich sicher, dass D. von Anfang an geplant habe, sexuelle Übergriffe an Mädchen zu begehen: „Ich bin nicht die Einzige.“

Die Betroffene wandte sich bereits 2015 an die hannoversche Landeskirche, 2017 informierte sie auch die Stephanus-Gemeinde in Wolfsburg über die Vorwürfe gegen Jörg D. Dass die Landeskirche ihre Vorwürfe für stichhaltig hält, zeigt die Einschätzung einer Unabhängigen Kommission. Sie entscheidet bei der Landeskirche über finanzielle Entschädigungen von Opfern sexualisierter Gewalt und besteht aus einem Richter, einem Seelsorger und einem Mitglied der Landessynode.

Das Gremium erklärt: „Für die Unabhängige Kommission bestand kein Zweifel, dass Frau Sörensen über einen Zeitraum von nahezu zehn Jahren Pastor Jörg D. und seinen regelmäßigen massiven sexuellen Übergriffen sowie seiner Manipulation und Willkür ausgesetzt gewesen ist.“ Sörensen erhielt daher eine Entschädigung in Höhe von 35.000 Euro. Nach Angaben der Landeskirche ist es die höchste Summe, die sie bisher in Anerkennung sexuellen Missbrauchs gezahlt hat.

Von der Redaktion/dpa/epd