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Stadt Wolfsburg Meret und ihre Männer verzaubern mit Musik das Hallenbad
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Meret und ihre Männer verzaubern mit Musik das Hallenbad
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14:00 01.06.2019
„Le Grand Ordinaire“: Mit Hilfe von Kostümen, Requisiten, Instrumenten und der Wandlungsfähigkeit des Multi-Talents Meret Becker entführte das Konzert mit den „Tiny Teeth“ die Gäste in fremde Welten. Quelle: Sebastian Bisch
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Stadtmitte

Sie wolle „alt gewordene Kinder lebendig machen“, sagte Meret Becker in einem Interview mit dem Tagesspiegel. Im Hallenbad in Wolfsburg ist ihr das mit „Le Grand Ordinaire“ am Freitagabend gelungen. Natürlich haben auch „The Tiny Teeth“ – die fünf Männer der Begleitband – musikalisch einen großen Anteil an der Traumwelt. Und doch dreht sich letztlich alles um Meret Becker, die Anspruch mit Albernheit sowohl in Texten als auch in Kompositionen fast nahtlos verknüpfen kann.

Lieder voll bitterer Sehnsucht

Es gibt keine Pause im gut eineinhalbstündigen Programm, denn die würde den Zauber zerstören. Der beginnt sofort mit dem ersten Auftreten dieser unglaublich wandelbaren Frau. Im Hochzeitskleid schreitet sie auf die Bühne, nur um sich dort sofort kaum sichtbar niederzukauern und zu sphärischen Tönen zu singen „Was ich habe, will ich nicht verlieren. Aber wo ich bin, will ich nicht bleiben.“ Diese Art der schier unerfüllbaren Sehnsucht zieht sich wie ein roter Faden durch den Abend. Und dieser Abend ist mehr als ein Konzert – ist wie ein Traum vom Zirkus und vom Reisen mit Zug oder Schiff, erzählt vom Anderssein und vom Dazugehören. Meret Becker zeigt so viele Gesichter und Talente: Sie lässt ihre Säge singen, einen Hula-Hoop-Reifen artistisch den Körper hinauf und das Bein hinabwandern, lässt ihre Stimme mal fiepsen, mal röhren, mal säuseln. „Einfach Wahnsinn!“, flüstert Zuhörerin Marie Luise Linnemann im Publikum, selbst übrigens Stimmtherapeutin – und ebenfalls Sängerin.

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Euphonium und Enteninstrumente

Sogar die Vorstellung der Band wird zu einer Performance. Schließlich spielt – bis auf Dirk Peter Kölsch, zählt man nicht alle Trommeln und Becken einzeln – jeder der Herren mindestens drei Instrumente. Pianist Ben Jeger wechselt zum Akkordeon und zur Glasharfe. Buddy Sacher zupft und schlägt alles, was Saiten hat. Uwe Langer bläst in verschiedenste Bleche – darunter ein beeindruckendes Euphonium. Und Peter Wilmanns kann nicht nur mit „Enteninstrumenten“ (Schnabelinstrumente wie Klarinette und Saxophon) umgehen, er greift zwischendurch zum Xylophon oder Brummkreisel. Auch Ratschen, Tröten und eine laubfroschgrüne Kinder-Melodica kommen zum Einsatz. Lernen kann man, dass eine Kontorsionistin eine Schlangenfrau ist. Und dass ein Homophon offenbar ganz anders aussieht, als viele Sprachwissenschaftler bisher dachten.

Es war übrigens das zweite Mal, dass die Zuhörer im Hallenbad in den Genuss eines Konzertabends mit der Ausnahmekünstlerin kamen. Viele hoffen, dass es bis zum nächsten Mal nicht wieder drei Jahre dauer.

Von Andrea Müller-Kudelka

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