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Stadt Wolfsburg Lenz-Prozess: Türsteher verurteilt
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Lenz-Prozess: Türsteher verurteilt
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22:36 26.05.2011
Lenz-Prozess: Der angeklagte Türsteher (l.) und Anwalt Werner Siebers. Quelle: Manfred Hensel

Im Verlauf der Saison-Abschlussfeier der VfL-Spieler war es auf der Tanzfläche der Esplanade zu einer Schlägerei gekommen, bei der Beteiligte mit Gläsern und Flaschen aufeinander losgingen. Opfer war dabei auch der Bruder (26) des Türstehers. Der junge Mann wurde schwer verletzt. Aus Wut darüber griff der 32-Jährige zum Messer und stach Lenz, der die Auseinandersetzung schlichtete, zweimal seitlich in den Oberkörper. Auch dem 25-jährigen Gast fügte der Angeklagte lebensgefährliche Verletzungen zu. Durch Not-Operationen konnten der VfL-Keeper und der Wolfsburger gerettet werden.

Ursprünglich war gegen den Türsteher, der neun Tage in U-Haft saß, wegen versuchten Totschlags ermittelt worden. Die Staatsanwaltschaft klagte ihn jedoch nur wegen gefährlicher Körperverletzung an, weil „es nicht nachzuweisen war, dass er in Tötungsabsicht gehandelt hat“, so die Oberstaatsanwältin Kirsten Stang gestern im Prozess. Das Landgericht Braunschweig teilte diese Auffassung und sorgte dafür, dass der Prozess vor dem Wolfsburger Schöffengericht stattfinden musste.

Uwe Freyschmidt, der Anwalt von Lenz, der im Urlaub ist und nicht an der Verhandlung teilnahm, war darüber nicht gerade glücklich. Er hätte einen Prozess wegen versuchten Totschlags richtig gefunden, in deren Verlauf es möglich gewesen wäre, den Angriff „auf gefährliche Körperverletzung runterzubrechen“. Im Auftrag des VfL-Profis, der als Nebenkläger auftrat, handelte der Jurist einen Vergleich mit dem Angeklagten aus. Darin verpflichtet sich der Türsteher, Lenz 7000 Euro Schmerzensgeld zu zahlen. Voraussetzung ist allerdings, dass der 32-Jährige auch flüssig ist. Ist er aber zurzeit nicht: „Ich hab' kein Geld“, so der Wolfsburger.

Der Polsterer, der Vater zweier Kinder ist, gestand die Messer-Attacken auf Lenz und den Disco-Gast gestern ein und ließ seinen Verteidiger Werner Siebers erklären, dass er damit „übers Ziel hinaus geschossen ist“. Das Urteil von zwei Jahren mit Bewährung nahm der 32-Jährige an.

Neben dem Türsteher saß auch ein Spieler-Berater (34) auf der Anklagebank. Er hatte in dem Tumult auf der Tanzfläche mit einem Cocktail-Glas in die prügelnde Menge geworfen, aber zum Glück niemanden getroffen. Damit habe er „seine Betreuungpflicht für Fußballspieler offenbar etwas zu weit ausgelegt“, so Verteidiger Michael Tornow. Der 34-Jährige war selbst von einem Glas oder einer Flasche im Gesicht getroffen und schwer verletzt worden. Gegen ihn wurde das Verfahren wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung gestern eingestellt. Dafür muss er allerdings 1000 Euro zahlen.

bm