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Stadt Wolfsburg Von wegen altbacken: Landfrauen locken immer mehr jüngere Frauen an
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Von wegen altbacken: Landfrauen locken immer mehr jüngere Frauen an
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08:00 31.08.2019
Die Zahl der Landfrauen in Niedersachsen wächst: Hier sind Teresa-Marie Pelka (r.) und Maria Klöss aus der Nähe von Winsen beim Selfie mit selbst gebundenen Blumenkränzen im Haar zu sehen. Quelle: dpa
Wolfsburg/Gifhorn/Peine

Wie die Zeiten sich ändern: Früher wurden die Landfrauen in der Region oft als altbacken und provinziell belächelt, heute gewinnen sie auch viele junge Frauen für sich. Das liegt nicht nur am grüner werdenden Zeitgeist, sondern auch am unglaublich breit gefächerten Angebot der Landfrauenvereine.

Neue, jüngere Landfrauengruppen gegen die Überalterung

Ein Paradebeispiel für den Wandel der Landfrauen ist der Ortsverein Vorsfelde. Seine frühere Vorsitzende Gerdi Klenner erkannte schon vor 15 Jahren: „Wir müssen jünger werden.“ Unter ihrer Führung gründeten die Landfrauen eine eigene Gruppe für jüngere Frauen mit einem auf sie zugeschnittenen Programm. Sie hörten Vorträge über Drogensucht, den richtigen Umgang mit Handy und Social Media oder gesunde Ernährung. Die jungen Landfrauen treffen sich – bis heute übrigens – abends: „Viele von ihnen sind ja berufstätig und können an Treffen tagsüber nicht teilnehmen“, sagt Hannelore Neblung aus dem aktuellen Vorstand der Vorsfelder Landfrauen.

Andere Landfrauen-Vereine ziehen nach

Andere Ortsvereine zogen nach und gründeten ebenfalls jüngere Landfrauen-Gruppen. „Dieser Trend hält bis heute an“, sagt Cornelia Könnecker, Vorsitzende des Landfrauen-Kreisverbandes Peine. Ganz frisch hätten sich in Wolfenbüttel und Salzgitter junge Landfrauengruppen unter dem Banner der „Pinky Biene“ gegründet: „Die Biene ist das Wappentier der Landfrauen“, erklärt sie. Und „pinky“ stehe für jung und neu.

Neue Wege im Landkreis Peine

Jung und neu ist auch das Angebot für jüngere Landfrauen im Landkreis Peine: „Wir haben beispielsweise ein Motorsägen-Zertifikat oder Schweißlehrgänge angeboten“, berichtet Könnecker. Das Ergebnis: „Unsere Mitgliederzahl ist leicht gestiegen.“

Workshop: 15 Peiner Vorstandsfrauen nahmen teil. Quelle: privat

Und das, obwohl die Landfrauen altersbedingt immer wieder Sterbefälle zu verkraften haben.

Sorgen und Lichtblicke im Landkreis Gifhorn

„Natürlich merken wir den demografischen Wandel“, betont auch Ilsemarie Dralle, Vorsitzende des Landfrauen-Kreisverbands Gifhorn, zu dem auch die Ortsvereine Vorsfelde, Fallersleben und Hasenwinkel gehören.

Gifhorn: Auch dieses Bild zeigt die Vorstellung des Programms für 2019.. Quelle: Torben Niehs

Das Durchschnittsalter vieler Landfrauenvereine liege bei über 60 Jahren. „Das bereitet uns schon Sorgen“, bemerkt Dralle. „Wir müssen uns verjüngen.“ Ohne dabei die älteren Mitglieder zu vernachlässigen, „die uns zum Teil seit Jahrzehnten die Treue halten.“

„Eine spannende Zeit“

Für sie ist deshalb die aktuelle Entwicklung „eine spannende Zeit“. Denn: „Wir haben jüngere und ältere Mitglieder, Rentnerinnen und berufstätige Frauen, alle Berufsgruppen sind vertreten – und alle können voneinander lernen.“ Vorsfelde und Wittingen hätten vorgemacht, wie man jüngere Frauen für die Landfrauen begeistern kann. Und die älteren Mitglieder bei der Stange hält.

„Alles steht und fällt mit einem attraktiven Programm“, sagt Hannelore Neblung. So bieten die Vorsfelder Landfrauen neben Vorträgen auch Urlaubsfahrten, kreative Kurse, Kinonachmittage und Tage der offenen Gärten an.

Vorsfelde: Die Landfrauen hängen in der Osterzeit die Eieruhr am Ütschenpaul auf. Quelle: Britta Schulze

Damit nicht genug: Sie hängen zu Ostern die Eieruhr am Ütschenpaul auf, sorgen für Maikranz und Erntekrone und sogar für Adventskränze. Außerdem nehmen sie an vielen Veranstaltungen in der Eberstadt teil.

„Die Landfrauen beteiligen sich am öffentlichen Leben in Vorsfelde“, sagt Annemarie Neblung. „Ohne die Landfrauen würde etwas fehlen in Vorsfelde.“ Nicht nur in Vorsfelde...

Infos zu den Landfrauen

Die heutigen Landfrauenvereine haben ihren Ursprung in den landwirtschaftlichen Hausfrauenvereinen des späten 19. Jahrhunderts. Sie existierten bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten. 1948 gründete sich der Deutsche Landfrauenverband. Seine Ziele: Interessen vertreten von Bäuerinnen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern.

Aktuell hat der Deutsche Landfrauenverband rund 500 000 Mitglieder. Er gliedert sich in 22 Landesverbände, 430 Kreisverbände und 12 000 Ortsvereine. So hat der Kreisverband Gifhorn rund 4500 Mitglieder, dazu zählt unter anderem der Ortsverein Vorsfelde mit rund 540 Mitgliedern. Der Kreisverband Peine hat rund 2000 Mitglieder.

Von Carsten Bischof

Von wegen alt und tüddelig! Erste Landfrauenvereine haben die Zeichen der Zeit erkannt und werben mit einem angepassten Programm erfolgreich um jüngere Mitgliederinnen. Wäre das auch etwas für Sie? Was ist Ihre Meinung? Wer an unserer WAZ-Umfrage teilnimmt, kann einen 100-Euro-Gutschein der Konzertkasse gewinnen.

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