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Stadt Wolfsburg Multiresistente Bakterien in der Aller in Wolfsburg festgestellt
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Multiresistente Bakterien in der Aller in Wolfsburg festgestellt
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00:18 21.05.2019
Auch Wolfsburg ist betroffen: Im Rahmen der Untersuchung des NLWKN wurde auch die Aller untersucht. Quelle: Britta Schulze
Wolfsburg

Es ist die bundesweite erste große Untersuchung auf diesem Gebiet und die Ergebnisse sind durchaus alarmierend: In vielen Gewässern in Niedersachsen finden sich Rückstände von Antibiotika und multiresistente Keime. Das geht aus dem Abschlussbericht einer vom Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Zusammenarbeit mit dem Uniklinikum Bonn durchgeführten Studie hervor, der kürzlich veröffentlicht wurde. Auch an den fünf Messstellen in Wolfsburg wurden die Wissenschaftler fündig.

Antibiotika in 66 Prozent der Proben

Insgesamt wurden 112 Proben an 80 verschiedenen Orten im ganzen Landesgebiet genommen. In zwei Dritteln der Proben fanden sich Rückstände von Antibiotika. Dies gelangen hauptsächlich über Ausscheidungen von Mensch und Tier in die Umwelt.

Auch multiresistente Keime gefunden

Erschreckender: In über der Hälfte der Proben fanden sich multiresistente Keime. Diese Bakterien sind besonders problematisch, da eine Vielzahl von antibiotischen Medikamenten bei ihnen keine Wirkung zeigen. Fünf Proben wurden zudem positiv auf Bakterien getestet, die sogar gegen das Reserveantibiotikum Colistin resistent sind. Dieses Medikament soll nur in absoluten Notfällen eingesetzt werden, wenn keine anderen Mittel mehr helfen.

Eine große Gesundheitsgefahr: Bakterienstämme, die gegen Antibiotika resistent sind. Quelle: dpa

Die Aller in Wolfsburg ist betroffen

In Wolfsburg wurde die Aller ober- und unterhalb der Kläranlage, sowie Zu- und Ablauf und der Klärschlamm in der Anlage selbst untersucht. Bis auf den Bereich oberhalb der Kläranlage wurden an allen Messstellen multiresistente Keime gefunden. Antibiotikarückstände fanden sich in allen Proben außer dem Klärschlamm. Generell lässt sich der höchste Gehalt an Antibiotika im Wasser im Bereich von Kläranlagen feststellen, was auf den Einflussfaktor Mensch hindeutet. Aber auch in Fließgewässern fern solcher Anlagen wurden Rückstände oder gefährliche Keime gefunden. Beispiel aus der Region dafür sind die Aller bei Grafhorst und die Oker bei Groß Schwülper.

Multiresistente Keime

Als multiresistente Keime bezeichnet man Bakterien, die gegen eine Vielzahl von Antibiotika widerstandsfähig ist. Das bedeutet, dass Infektionen mit diesen Erregern nur sehr schwer behandelt werden können.

In fast 50 Prozent der Fälle wurden bei den Messungen in den niedersächsischen Gewässern, und auch in Wolfsburg, Bakterien vom Typ 3MRGN nachgewiesen. Diese sind gegen drei der vier Antibiotikagruppen resistent. Bakterien, die gegen alle vier Gruppen resistent sind, wurden hingegen nur in zwei der 112 Proben identifiziert werden.

In 23 Prozent der Proben fanden sich dafür sogenannte VRE-Stämme. Das sind Darmbakterien, die unter anderem gegen das Reserveantibiotikum Vancomycin resistent sind. VRE können nicht nur im Darm, sondern auch auf der Haut und den Händen und in der Umgebung des Patienten überleben. Daher werden sie ohne eine gute Basishygiene und zusätzliche Maßnahmen der Übertragungskontrolle in Risikobereichen leicht von Patient-zu-Patient übertragen.

Langzeitfolgen noch nicht erforscht

Die Untersuchung ergebe keine Hinweise auf eine Gesundheitsgefahr für die Allgemeinbevölkerung, sofern die üblichen Hygieneregeln eingehalten werden, heißt es aus dem Niedersächsischen Umweltministerium. Für vorerkrankte oder geschwächte Menschen - auch Ältere und Neugeborene - können die nachgewiesenen Bakterien allerdings durchaus gefährlich sein. Die Ergebnisse seien dennoch kein Anlass zur Besorgnis, betonte Umweltminister Olaf Lies. Aber sie seien auch kein Grund, nicht zu handeln. „Klar ist, dass unsere Umwelt ein Spiegelbild des Antibiotikaeinsatzes in der Human- und Veterinärmedizin ist. Deshalb ist ein sorgsamer Umgang mit Antibiotika erforderlich. Der Einsatz von Reserveantibiotika wie Colistin in der Veterinärmedizin muss massiv reduziert werden“, forderte Lies. Zudem bestehe laut Bericht bundesweit weiterer Forschungsbedarf, was die langfristigen Gefahren für die Umwelt und Gesundheit angeht.

Kläranlagen sind überfordert

Ein verantwortungsvollen Umgang mit Antibiotika, aber auch anderer Mittel, fordert auch der Umweltbeauftragte der Stadt Wolfsburg, Michael Kühn. Medikamente jeder Art sollten fachgerecht entsorgt werden. „Im unserem Wasser findet sich ein Cocktail verschiedenster Substanzen“, so Kühn. Schon heute hätten die Kläranlagen alle Mühe, alle schädlichen Bestandteile herauszufiltern. „Das ist sehr aufwendig und teuer und trifft damit letztlich auch uns Steuerzahler“, mahnt Kühn.

Ein Faktor ist die Massentierhaltung

Insbesondere bei den Antibiotika sieht er die Massentierhaltung in der Pflicht – gerade im Flächenland Niedersachsen. „In der konventionellen Tierhaltung sind zu viele Substanzen erlaubt, die gelangen dann über die Ausscheidungen der Tiere in unsere Gewässer“, kritisiert Kühn. So wird etwa das ebenfalls im Wasser nachgewiesene Reserveantibiotikum Colistin sehr häufig in der Geflügelmast verwendet. Er fordert eine nachhaltigere, ökologische Landwirtschaft und Tierhaltung. „Eine Umstellung der Subventionspolitik auf EU-Ebene hin zu mehr Fördergeldern für die ökologische Landwirtschaft könnte dem entgegenwirken“, rät Kühn.

Von Steffen Schmidt

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