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Stadt Wolfsburg Kritik an Versiegelung: In Wolfsburg gibt es immer weniger Ackerflächen
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Kritik an Versiegelung: In Wolfsburg gibt es immer weniger Ackerflächen
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17:51 19.02.2020
Statt Acker: Im Neubaugebiet Sonnenkamp entstehen rund 3000 neue Wohneinheiten. Quelle: Stadt Wolfsburg
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Wolfsburg

Die überbaute Fläche in Wolfsburg nimmt zu. Das Baugebiet Sonnenkamp in Nordsteimke und Hehlingen mit 3000 neuen Wohnungen soll rund 150 Hektar groß werden. Die Wohnbebauung in den Steimker Gärten umfasst etwa 22 Hektar, das Nettobauland beträgt laut VW Immobilien rund 14 Hektar.

Den steigenden Flächenverbrauch kritisieren das Landvolk und der Naturschutzbund (Nabu) in Wolfsburg.

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Landvolk: Täglich verschwinden sieben Hektar Land

Mit sieben Hektar Landverlust je Tag verschwinde in Niedersachsen alle zehn Tage ein landwirtschaftlicher Durchschnittsbetrieb mit einer Flächenausstattung von gut 70 Hektar, heißt es vom Landvolk Niedersachsen. Statt einer Reduzierung der Flächen auf drei Hektar pro Tag, wie vom Land Niedersachsen vor Jahren avisiert, ist der Flächenverbrauch laut dem Landesamt für Statistik auf 6,8 Hektar angestiegen. Dafür wurde landwirtschaftlich genutzte Fläche oder auch naturbelassene Fläche überbaut.

In Wolfsburg zeigt sich ein ähnliches Bild: „Der Flächenverbrauch wird immer gravierender. Das hat Auswirkungen auf den Naturschutz und die Landwirtschaft“, sagt Michael Kühn, Vorsitzender des Nabu Wolfsburg. Landwirte beklagten zu Recht, dass sie kaum noch Fläche für den Ackerbau zur Verfügung zu haben. Das betreffe vor allem das Baugebiet Sonnenkamp, dort würden viele Ackerflächen für das Bauvorhaben versiegelt.

Naturwald als Ausgleichsfläche in Wolfsburg

Im September des vergangenen Jahres gelang dem Nabu jedoch ein kleiner Durchbruch: „Wir haben bewirkt, dass ein Flächen-Pool eingerichtet wurde. Im Barnbruch wird ein Naturschutzgebiet, das 50 Hektar umfasst, eingerichtet. Als Ausgleichsfläche für eine Bebauung wird also nicht auf Ackerfläche zugegriffen. Es entsteht ein Naturwald“, so Kühn. Dafür war ein Vertrag mit den niedersächsischen Landesforsten notwendig. Und dennoch: der Druck auf die Landwirtschaft werde größer.

Eine ähnliche Einschätzung hat auch das Wolfsburger Landvolk. „Wir fordern natürlich eine Reduzierung des Flächenverbrauchs. Den Landwirten steht deutlich weniger Produktionsfläche in den Stadtgebieten zur Verfügung“, sagt Klaus-Dieter Böse, Geschäftsführer vom Kreisverband des Landvolks Gifhorn-Wolfsburg. Das Landvolk sei derzeit mit der Stadt im Gespräch, um den Flächenverbrauch zu verringern.

Statt am Ortsrand: lieber im Dorf bauen

Aktuell strebt die Bundesregierung eine Neuregelung im Baugesetzbuch an, um den Wohnungsbau in ländlichen Regionen zu erleichtern. „Wir haben volles Verständnis für den Wunsch nach mehr und neuem Wohnraum, aber wir erwarten hier ein Umdenken hin zur Nachnutzung innerhalb bestehender Ortschaften statt des Neubaus am Ortsrand“, regt der Vizepräsident des Landvolkes Niedersachsen, Holger Hennies, zu einer Umorientierung an. Überbaute und versiegelte Flächen gehen der Landwirtschaft ebenso wie dem Natur- und Umweltschutz verloren. Es gebe innerorts viele Gelegenheiten zur Nachnutzung sowohl für Wohnbebauung als auch Kleingewerbe oder Dienstleistungsbetriebe.

So ist Wolfsburg in Flächen aufgeteilt

Im Jahr 2018 gliederte sich die Bodenfläche der Stadt Wolfsburg wie folgt auf (Auszug):

Insgesamt umfasste die Bodenfläche 20 461 Hektar, davon entfielen auf Siedlungsbereiche 4659 Hektar, die Industrie- und Gewerbefläche beanspruchten 1198 Hektar und die Wohnbaufläche 2062 Hektar. Auf die Landwirtschaft entfielen 8258 Hektar. Die Siedlungs- und Verkehrsfläche (unter anderem Wohnbebauung, Erholungsflächen, Grünanlagen und Sportflächen) beanspruchte 6447 Hektar.

Der Flächenverbrauch in Wolfsburg betrug im Jahr 2018 am Tag 8,2 Hektar.

Die Katasterverwaltung der Länder hat im Jahr 2011 die Erhebung der Flächenberechnung umgestellt, seitdem gilt nicht mehr die amtlich festgestellte Flächengröße, sondern die vermessene beziehungsweise am Computer ausgemessene Flächengröße. Diese Umstellung, die vom Landesamt für Statistik ausging, ist mit Neuzuordnungen von Flächen verbunden und erfolgt über einen Zeitraum von mehreren Jahren, sie ist jedoch teilweise noch nicht abgeschlossen und hat Auswirkungen auf die Flächenerhebung der statistischen Ämter. Aus diesem Grund sind Daten zum Flächenverbrauch der vergangenen Jahre nur bedingt vergleichbar.

„Eine ortsinterne Bebauung findet in Wolfsburg statt“, heißt es von der Stadt, beispielsweise in der Lessingstraße oder bei der Nachverdichtung in Wendschott. Innerstädtisch sei noch Potenzial vorhanden, doch die Grundstücke seien mitunter in privaten Händen.

Klimabeirat soll Bauvorhaben und Naturschutz vereinbaren

Große Hoffnung setzt der Wolfsburger Nabu in den neuen Klimabeirat der Stadt. „Wir müssen in Wolfsburg mit den Landwirten, Umweltverbänden, Parteien und der Stadtverwaltung Wege finden, Bauvorhaben umzusetzen und weiterhin eine landwirtschaftliche Produktion genauso wie effektiven Naturschutz mit einer großen Erholfunktion für die Wolfsburger Bevölkerung zu ermöglichen,“ sagt Kühn.

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Von Nina Schacht

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