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Stadt Wolfsburg Diebstahlserie: Täter nutzen vermehrt Sicherheitslücke bei Keyless-Go-Systemen aus
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Diebstahlserie: Täter nutzen vermehrt Sicherheitslücke bei Keyless-Go-Systemen aus
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22:56 10.01.2020
Die komfortable Keyless-Technologie birgt auch Risken. Quelle: Dpa
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Wolfsburg

Ein Audi A5 und ein BMW X3 in Hehlingen und Flechtorf Ende September, ein Audi A6 in der Nacht zu Mittwoch in Neuhaus und jetzt nur eine Nacht später ein VW Multivan in Bahrdorf: In Wolfsburg und Umgebung häufen sich derzeit die Autodiebstähle, bei denen sich die Täter die Keyless-Go-Systeme der Fahrzeuge zu Nutze machten. Auch im jüngsten Fall bei dem unbekannte Täter das Fahrzeug im Wert von 52 000 Euro zwischen 23.30 und 5.30 Uhr von einem Grundstück in der Straße Am Windmühlenberg in Bahrdorf entwendeten, sind sich die Ermittler sicher: Die Diebe nutzten die Funksignale zwischen Fahrzeug und Schlüssel, um den VW Bus zu öffnen und zu starten. Eine Sicherheitslücke, vor der Polizei und auch ADAC schon seit längerer Zeit warnen.

Hochwertige Fahrzeuge im Visier der Diebe

Zwar sei die Zahl der Autodiebstähle insgesamt deutlich zurückgegangen, aber es gebe eine Tendenz hin zu Diebstählen hochwertiger Fahrzeuge, berichtet Wolfsburgs Polizeisprecher Sven-Marco Claus. So seien im letzten Jahr vor allem vermehrt Audi A5 oder die T-Modelle von VW in den Fokus der Diebe gerückt. Ein Ursache für diesen Trend ist eben die besagte Keyless-Go-Technologie, die es den Dieben einfacher macht, an die hochwertigen Modelle zu kommen.

Komfort und Sicherheitslücke zugleich

Denn die Funktionsweise der sogenannten Komfort-Schließsystem basiert auf einer Funk-Kommunikation zwischen Fahrzeug und dem dazugehörigen Schlüssel. So muss der Auto- oder Motorradbesitzer den Schlüssel lediglich bei sich tragen, zum Öffnen ist kein Tastendruck am Schlüssel nötig. Sobald er sich seinem Fahrzeug nähert, erkennt dieses per Funk den Schlüssel. Beim Berühren des Türgriffs oder Drücken eines Tasters am Türgriff öffnet die Zentralverriegelung. Gestartet wird ebenfalls ohne Zündschlüssel durch Druck auf einen Taster im Auto.

Täter nutzen Funkwellen zwischen Auto und Schlüssel

Die Vorgehensweise der Diebe werde genau dadurch massiv vereinfacht, mahnt der ADAC in einer Untersuchung aus diesem Jahr. „Die Täter nutzen einfach die ständige Kommunikation zwischen Auto und Schlüssel aus“, erklärt auch Polizeisprecher Sven-Marco Claus. Die Autodiebe gehen dabei meist zu zweit vor und verwenden einen sogenannten Funkwellen-Verlängerer. Dieser verlängert die Signale, die zwischen dem Fahrzeug und dem Fahrzeugschlüssel ausgetauscht werden.

Kein Aufbruch nötig

Während einer der Täter in der unmittelbaren Nähe des Fahrzeugs steht, befindet sich der andere in der Nähe zur Haustür oder zum Fenster einer Wohnung. Die Diebe machen es sich dabei zunutze, dass viele Autofahrer ihren Fahrzeugschlüssel in der Nähe der Haustür aufbewahren. „Für den Diebstahl ist dabei nicht mal ein gewaltsamer Aufbruch des Autos nötig“, sagt Claus.

Diebesgerät kann selbstgebaut werden

Besonders brisant: Laut ADAC kann das Diebeswerkzeug mit ein paar Geräten aus dem Elektronikmarkt sogar selbst hergestellt werden. Der Kostenpunkt: Um die 100 Euro. In der Untersuchung verwendete der ADAC ein selbstgebautes Gerät. Es wurde an 300 Modellen mit der Keyless-Go-Technik getestet. Das Ergebnis ist ernüchternd: Fast alle getesteten Fahrzeuge konnten innerhalb von Sekunden entsperrt und gestartet werden. Einzig vier Modelle der Hersteller Landrover und Jaguar hielten den Aufbruchversuchen stand.

Ist der Motor erstmal gestartet, können die Diebe durchaus lange Strecken zurücklegen, wie auch die Diebstähle in Neuhaus von vor wenigen Tagen zeigen. So können die Täter etwa mit laufendem Motor tanken. „Wer auf einen solchen Diebeszug geht, ist darauf vorbereitet“, meint auch Claus. Bei den Diebstählen von Neuhaus gelang den Tätern die Flucht nach Polen.

Sicherheitstipp: Funkwellen unterbrechen

Zum Schutz empfiehlt die Polizei deshalb erstens, den Schlüssel nicht in der Nähe von Haustüren oder Fenstern aufzubewahren, und zweitens die Kommunikation zwischen Schlüssel und Fahrzeug zu unterbrechen. „Dafür reicht die Aufbewahrung in einer Blechdose“, weiß Claus. Zudem gebe es spezielle Etuis für unter 20 Euros. Der ADAC sieht daneben die Hersteller in der Pflicht. Diese müssten beispielsweise eine Möglichkeit schaffen, das Keyless-System zu deaktivieren, heißt es in der Studie. Beides jedoch führt den eigentlichen Komfort-Gedanke des Keyless-Systems ad absurdum und wirft die Frage nach dem grundsätzlichen Nutzen auf.

Von Steffen Schmidt

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