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Stadt Wolfsburg „Im TV lässt man mich nicht mehr gut sein“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg „Im TV lässt man mich nicht mehr gut sein“
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12:00 02.01.2019
Im WAZ-Interview spricht der Comedian Kayar Yanar über sein neues Programm „Ausrasten für Anfänger“, seine Kinderplanung und seine Meinung über das deutsche Privatfernsehen.
Im WAZ-Interview spricht der Comedian Kayar Yanar über sein neues Programm „Ausrasten für Anfänger“, seine Kinderplanung und seine Meinung über das deutsche Privatfernsehen. Quelle: Daniel Preprotnik
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Wolfsburg

Tobsuchtsanfälle leicht gemacht! Am 17. Januar steht Kaya Yanar mit seinem Programm „Ausrasten für Anfänger“ im CongressPark auf der Bühne. Mit der WAZ-Journalistin Fredrike Müller sprach er schon jetzt über die Show und seine Kinderplanung, erklärte, warum er lieber einen Hobbit als Neo aus „Matrix“ spielen würde und warum er vom deutschen Privatfernsehen nicht mehr viel hält.

Herr Yanar, Sie sind schon erstaunlich lange im Geschäft – mit „Was guckst du?!“ sind Sie 2001 bekannt geworden …

Ja, damals war ich noch gut.

Sind Sie das heute nicht mehr?

Auf der Bühne schon, sogar besser denn je, aber im TV lässt man mich nicht mehr gut sein…

Wie kommt’s?

Das Fernseh-Business hat sich leider gewandelt. Damals vor 17 Jahren war man froh, wenn man einen talentierten Künstler hatte. Leider hat heute manchmal ein TV-Redakteur ein Ego wie ein Künstler. Da habe ich mich schon mit dem einen oder anderen TV-Sender verkracht. Aber dafür mache ich ja jetzt die Live-Show.

Haben Sie Ihre alten Figuren aus dem Fernsehen denn mitgenommen? Wird man im neuen Programm auch mal wieder auf Ranjid und seine Kuh Benita treffen?

Das geht leider nicht, die Benita kann man nicht auf die Bühne hieven und ich kann mich nicht zwischendurch zum Ranjid schminken. Das Schminken dauert 20 Minuten, das Abschminken 14 – was machen die Leute solange? Aber mitunter schlüpfe ich noch ohne Maske in die alten Rollen.

Was erwartet die Zuschauer noch so?

Das Thema ist „Ausrasten für Anfänger“. Ich rege mich über verschiedene Dinge auf – wie den Flug gerade: Der ging eine halbe Stunde später los, man saß im Flieger fest, das Baby zwei Reihen weiter hat mich nicht schlafen lassen, neben mir saß eine 60-Jährige, die in Parfum gebadet hatte – da konnte man nur noch hoffen, dass jemand mal furzt, damit man wieder atmen kann.

Sowas nehmen Sie dann auch spontan mit ins Programm auf?

Absolut. Muss ja. Das ist ja das, woran das Fernsehen gescheitert ist: Die wollen keine Spontaneität zulassen. TV-Arbeit ist mehr so ein durchtrainiertes Ablesen vom Prompter. Ich improvisiere aber wahnsinnig gern – und das kann ich auf der Bühne.

Ein paar Mal sind Sie auch schon in Wolfsburg aufgetreten. Wie hat Ihnen das Publikum hier gefallen?

Mein Publikum ist generell schwer in Ordnung, weil es eine ganze Menge Mühe auf sich nimmt, um zu mir zu kommen: erstmal wissen, dass ich komme, dann Tickets buchen, Babysitter organisieren, einen Parkplatz suchen, bei freier Sitzplatzwahl anstehen … Das ist auch etwas, das ich in nächster Zeit beheben möchte. Ich hätte lieber feste Sitzplätze, aber leider wollen die Veranstalter alle freie Sitzplatzwahl. Es macht mehr Arbeit, feste Sitzplätze zu vergeben. Und das müssen die Fans ausbaden. Es ist jedenfalls mit viel Aufwand und Logistik verbunden, abends mal ausgehen zu können. Und da bin ich echt gesegnet, dass seit fast 20 Jahren die Leute mir immer noch volle Hütten bescheren. Die Fans bleiben mir treu und folgen mir überallhin. Wahrscheinlich sogar zu Youtube, wenn ich da einen Kanal aufmachen würde.

Haben Sie das vor?

Nein, nicht wirklich. Youtube läuft nach dem Motto „quick and dirty“ – ohne viel Produktionsgeld. Das funktioniert nur für Leute, die aus ihrem Wohnzimmer mal eben ein Spiel streamen oder Schminktipps geben. Wenn man aber einen schönen aufwendigen Sketch drehen will, wie ich es bei „Was guckst du?!“ gemacht habe… – alleine die Kuh von A nach B zu befördern, kostet halt 1000 Euro, dann müsste jeder YouTube-Sketch von mir alle 5 Sekunden Werbung haben…

Anfang 2018 hat man Sie in der neuen Sendung „Guckst du – Kayas große Kinoshow“ gesehen, aber nach ein paar Folgen sah und hörte man davon nichts mehr. Kommt da noch was?

Nein, ich hab von SAT1 nichts gehört. Das ist typisches Fernseh-Gebaren. Die Quoten waren nicht so überragend, dass sie gleich eine zweite Staffel bestellt hätten. Aber abgesetzt haben sie die Sendung auch nicht. Da halten sie sich alle Optionen offen. Aber so baut man keine Sendung auf, so etwas muss man wachsen lassen. Die „Heute-Show“ zum Beispiel hätte in den ersten zwei Jahren auf keinem privaten Sender überlebt. Aber das ZDF hat daran festgehalten – und heute ist es die erfolgreichste Unterhaltungssendung im deutschen Fernsehen.

In der Kino-Show ging es ja um berühmte Filme aus der gesamten Kino-Geschichte. Haben Sie einen Lieblingsfilm?

Da gibt es viele. Im Moment hoffe ich, dass nach der Hobbit-Trilogie das ganze „Silmarillion“ verfilmt wird. Schon als zwölfjähriger Junge habe ich alle Tolkien-Bücher verschlungen. Auch „Matrix“ finde ich super, sogar alle drei Teile. Ich bin generell ein Riesenfan von Kinofilmen, ob das jetzt riesige Trilogien sind oder so kleine Perlen, die keiner so auf dem Schirm hat, wie zum Beispiel der Film „Upgrade“. Ich kann sehr gut in Filmen versinken.

Wo hätten Sie lieber die Hauptrolle gespielt: Im Hobbit oder bei Matrix?

Ich glaube, lieber beim Hobbit. Der Dreh von „Matrix“ muss sehr anstrengend gewesen sein. Ich habe im Bonus-Material der DVD gesehen, was da so alles hinter der Kamera ablief – und die Leute mussten sogar Kung-Fu-Training nehmen und waren ständig an irgendwelchen Seilen gespannt und mussten durch die Gegend fliegen. Da wäre mir der Hobbit lieber. Und wenn ich auf meine Füße schaue, könnte ich schon Hobbits doubeln.

Und wenn Sie eine Frau wären – in welchem Film hätten Sie dann gern die weibliche Hauptrolle gespielt?

Ich glaube, alle Filme mit Hugh Grant – da kommen Frauen ganz gut weg. Ich bin auch selber immer wieder beeindruckt. In Filmen wie „Notting Hill“ oder „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“ kommen die Frauen sehr gut rüber. Und Hugh Grant ist so ein charmanter Schauspieler, dass man sich da als Frau bestimmt wohlfühlt.

Nochmal zurück zum Thema Ethno-Comedy: Sie haben schon indische Rosenverkäufer, italienische Machos und türkische Türsteher gespielt. Würden Sie auf der Bühne auch mal in die Rolle eines syrischen Flüchtlings schlüpfen? Glauben Sie, Deutschland wäre bereit für sowas?

Die Bereitschaft in der TV-Landschaft, das Thema anzugehen, ist sehr gering. Ich wollte mal einen Sketch spielen, in dem ich die Flucht von Syrien nach Deutschland als Videospiel darstelle: Der Protagonist muss zu Tetris-Musik Bomben ausweichen und dann übers Mittelmeer oder die Balkanroute fliehen, wo er dann in Ungarn malträtiert, getreten und misshandelt wird. Irgendwann endet er dann in einem Bus mit der Aufschrift „Reisegenuss“ - und dann versperrt ihm ein Nazi den Weg zur Flüchtlingsunterkunft, so als Endgegner quasi. Aber das war für RTL zu hart. Dabei ist das Gesellschaftskritik: Man macht sich ja nicht über die Flüchtlinge lustig, sondern prangert an, dass diesen Leuten auch noch Häme entgegenschlägt, wenn sie hier nach so einem Horrortrip ankommen.

Empfinden Sie es als Zensur, dass sich RTL bei so etwas querstellt?

Es gibt schon so eine Art Scheuklappen-Comedy, die sagt: „Komm, lasst uns alle Spaß haben!“ Und ich will das gar nicht abwerten. Menschen zu unterhalten, ist per se etwas Gutes. Aber in Deutschland herrscht diese Volksmusik-Comedy vor, die eine heile Welt beschreibt und die Probleme ignoriert. Wenn ich etwas zum Thema Waffenlieferungen machen will oder dazu, was die Supermächte in Syrien veranstalten, beiße ich auf Granit – RTL und SAT1 machen da lieber die x-te Gameshow. Diese Ablenkungs-Comedy ist eine ganze Industrie, Künstler wie ich sind momentan im TV nicht gefragt.

Haben Sie Wünsche an das neue Jahr?

Kinder wünsche ich mir – da arbeiten wir schon dran. Ich weiß, wie es geht. Allerdings sehe ich im Bekannten- und Kollegenkreis, dass es auf dem Weg dahin noch zu einigen Arztbesuchen kommen kann. Ich bin mal gespannt, was für ein Kandidat ich bin – vielleicht habe ich ja in den letzten 20 Jahren auch zu oft das Handy in der Hosentasche getragen.

Und was wünschen Sie den WAZ-Lesern für 2019?

Hey, wir haben 2018 geschafft! Oder es uns? Ich wünsche den Lesern ein gesundes und friedliches 2019. Wenn Sie sich neue Ziele vornehmen für das neue Jahr, dann vergessen Sie nicht, diese zu erneuern, das mache ich auch. Denn meistens scheitere ich schon nach ein paar Tagen… Egal, weiter geht’s!

Von Frederike Müller