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Stadt Wolfsburg Wolfsburgs jüdische Gemeinden stehen jetzt unter Polizeischutz
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Wolfsburgs jüdische Gemeinden stehen jetzt unter Polizeischutz
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15:05 11.10.2019
Polizeischutz vor jüdischen Gebäuden: Auch in Wolfsburg sollen die Gemeinden nun besonders abgesichert werden. Quelle: Gregor Bauernfeind/dpa
Wolfsburg

Ab sofort stehen die jüdischen Gemeinden Wolfsburgs unter Polizeischutz. Nach dem antisemitischen Anschlag in Halle hat setzt die Polizeiinspektion Wolfsburg-Helmstedt nun erste Maßnahmen um, um Nachahmertaten vor Ort zu verhindern.

Die Schutzmaßnahmen orientieren sich laut der Polizei an regelmäßigen Gebetszeiten und Feiertagen. „Zeitnah werden durch den Präventionsbeauftragten der Polizei in Absprache mit den jüdischen Gemeinden technische Sicherungskonzepte an den Gebäuden erörtert und im Hinblick auf eine mögliche Umsetzung geprüft“, erklärt Polizeisprecher Thomas Figge dazu.

Stadt: Alle sollen an friedlichem Miteinander arbeiten

Auch die Stadt Wolfsburg bekundet Mitgefühl. Iris Bothe, als Vertreterin der Verwaltung, sieht die ganze Gesellschaft in der Verantwortung, die demokratischen Grundwerte zu verteidigen: „Ein friedvolles Miteinander funktioniert nur, wenn nicht nur die Polizei gefordert ist, unseren jüdischen Gemeinden Sicherheit zu geben, sondern wenn wir alle dazu beitragen. In der Antifa-Woche vom 9. bis 15. November haben wir alle in Wolfsburg die nächste Gelegenheit, gemeinsam mit der IG Metall ein deutliches Zeichen gegen Faschismus und für das respektvolle Miteinander zu setzen. Ich würde mich freuen, viele Wolfsburger am 9. November um 10 Uhr zur Kranzniederlegung am Sara-Frenkel-Platz zu sehen.“

In Halle: Bei dem Anschlag am Mittwoch waren zwei Menschen erschossen worden. Der Täter hatte eigentlich vor, eine Synagoge zu stürmen. Quelle: epd

Unterdessen stellt sich auch die Wolfsburger SPD klar gegen rechtsextremistische und antisemitische Strömungen: Der Anschlag sei ein „Angriff auf die freiheitlich-demokratische Grundordnung in unserem Land“, erklärt die SPD-Vorsitzende Immacolata Glosemeyer. Bürgermeister Ingolf Viereck ergänzt: „Gerade in einer weltoffenen und internationalen Stadt wie Wolfsburg sind die Menschen aus über 145 verschiedenen Nationalitäten, unterschiedlicher Herkunft und Glaubensrichtung eine Bereicherung.“

„Rechtsterroristische Gewalttat“

„Was in Halle geschah ist kein Amoklauf, sondern eine rechtsterroristische Gewalttat“, betont der SPD-Bundestagsabgeordnete Falko Mohrs. „Für uns ist klar: Fremdenhass, Rassismus und Antisemitismus dürfen keinen Platz in unserer Gesellschaft haben!“

Entsetzt über den Mordanschlag ist auch das Wolfsburger Abrahamforum, dem Zusammenschluss von jüdischen, muslimischen und christlichen Gemeinden: „Unsere Sorge gilt den jüdischen Gemeinden und allen jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern im ganzen Land“, sagt Ulrich Lincoln. „Unsere Zivilgesellschaft muss aufwachen und die Gefahren des Antisemitismus noch viel ernster nehmen als bisher. Auch hier in Wolfsburg gibt es jüdische Gemeinden, sie sind unsere Nachbarn und Glaubensgeschwister. Ihre Sicherheit liegt uns am Herzen. Sicherheit für jüdische und muslimische Gemeinden ist nicht nur eine Frage von Polizei und Justiz, sondern eine Aufgabe für alle Bürgerinnen und Bürger in dieser Stadt.“

„Menschenhasser sind gefährlich für uns alle“: Dimitri Tukuser von der Liberalen Jüdischen Gemeinde verurteilt Angriffe gegen Minderheiten. Quelle: Droese

Dimitri Tukuser, Vorsitzender der Liberalen Jüdischen Gemeinde Wolfsburgs, betrachtet den Anschlag in einem größeren Rahmen und ruft zu mehr Menschenliebe im Allgemeinen auf: „Judenhass gibt es von rechts – wie in dem Fall von Halle –, aber auch von links, von Seite der Moslems, aber auch von Christen, von Gläubigen und Atheisten. Und es gibt sogar Juden-Selbsthass. Ich denke, unsere gesellschaftliche Aufgabe ist es, unseren Kindern, Jugendlichen und Freunden zu erklären – noch besser wäre, ihnen das Gefühl zu vermitteln – dass Hass auf Juden, Moslems oder Flüchtlinge einfach Menschenhass ist. Und Menschenhasser sind gefährlich für uns alle.“

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Von Frederike Müller

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