Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Stadt Wolfsburg „Ausnahmen sind in Ordnung, wenn das Grundgerüst stimmt“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg „Ausnahmen sind in Ordnung, wenn das Grundgerüst stimmt“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:00 27.11.2019
Na, wer ist Schuld am schlechten Benehmen? Martin Rütter erklärt Hundehaltern, was in ihrem Vierbeiner vorgeht – und warum der Fehler nie beim Hund liegt. Quelle: Guido Engels
Wolfsburg

„Freispruch!“ lautet das Programm, mit dem Martin Rütter am Dienstag, 3. Dezember, im Congresspark auftritt. Darin erklärt der studierte Tierpsychologe an Fallbeispielen, warum der geliebte Haushund beim Spazierengehen ständig ausbüxt, am Esstisch beharrlich bettelt oder sich sonst fragwürdig benimmt. Mit Humor und viel Erfahrung lautet das Fazit meist: Schuld ist nie der Vierbeiner ...

Bekannt geworden ist der „Hundeprofi“ seit 2003 vor allem durch die gleichnamige Sendung auf VOX, bei der er Hund und -halter trainierte. Nebenbei leitet er eine Hundeschule und hat mehrere Fachbücher veröffentlicht.

Außerdem ist Rütter ab dem 4. Dezember auf RTL mit der Sendung „Rütter reicht’s!“ zu sehen – dort geht es allerdings nicht um Hunde, sondern um unsinnige Vorschriften und Auswüchse der deutschen Bürokratie.

Im WAZ-Interview spricht der Hundeprofi über seine schwierigsten Fälle, unsinnig lange Leinenpflichtzeiten und darüber, was seine Hündin Emma wohl über ihn sagen würde.

In Ihrem Programm „Freispruch“ geht es um Hunde, die sich nicht so benehmen, wie sie sollten. Aber Sie erklären dann, warum der Hund sich so verhält und wie man das Problem wegtrainiert. Was war denn bisher der schwierigste Fall, der Ihnen untergekommen ist?

Das war gleichzeitig auch der emotionalste: eine Chow-Chow-Hündin namens Akani. Sie wurde vorher in einer Scheune mit 13 anderen Hunden gehalten, ständig zwangsgedeckt und sogar von Menschen sexuell missbraucht. Als sie gerettet wurde, konnte sie es nicht ertragen, mit Menschen in einem Raum zu sein, und konnte deshalb auch nicht gepflegt oder tierärztlich versorgt werden. Wir haben es dann innerhalb von drei Monaten hinbekommen, dass Akani sich zumindest bei ihrem Frauchen entspannen konnte. Das bedeutete ein riesiges Stück Lebensqualität für den Hund! Allgemein sind immer die Fälle am schwierigsten, bei denen es um Angst geht.

Abgesehen von solchen Extremfällen: Gibt es etwas, das Sie jedem Hundehalter ans Herz legen würden?

Ja: Das Kernproblem ist fast immer die Vermenschlichung des Hundes.

Auch „der Rütter“ lässt mal alle Fünfe gerade sein in der Erziehung

Wenn jetzt am 3. Dezember nicht Sie auf der Bühne stünden, sondern Ihre Hündin Emma – und im Publikum säßen die Wolfsburger Hunde, was würde Emma so für Anekdoten über Sie erzählen?

(lacht) Sie würde erzählen, dass der Rütter auch manchmal alle Fünfe gerade sein lässt und eher schmunzelt als schimpft. Aber solche Ausnahmen sind eben in Ordnung, wenn erstmal ein festes Grundgerüst zwischen Mensch und Hund aufgebaut ist. Das Problem ist eher, dass viele Menschen stattdessen mit den Ausnahmen anfangen. Übrigens habe ich gerade das Begleitbuch „Freispruch!“ zur Show geschrieben, in der Emma mal aus dem Nähkästchen plaudert!

Lino, der Redaktionshund der WAZ, benimmt sich schon super, nur springt er gern an Menschen hoch. Und es gibt immer wieder Kollegen, die ihn dann auf Gürtelhöhe betüddeln. Muss ich jetzt meinen Hund erziehen oder die ganze Redaktion?

Im Prinzip müsste man die Kollegen erziehen, aber das ist schwierig bei den Kreativen (lacht). Meine erste Hündin hat das auch gemacht und meine Eltern reagierten nur mit: „Ach, lass sie doch, sie ist so süß!“. Und dann habe ich sie mal vor einem Besuch in den Gartenteich springen lassen – da fand meine Mutter das plötzlich gar nicht mehr so niedlich.

Einen Gartenteich haben wir in der Redaktion leider nicht. Ich könnte stattdessen behaupten, er habe Flöhe …

Ja! Oder dass er ein Problem mit der Wirbelsäule hat und deshalb nicht hochspringen darf.

7,5 Monate Leinenzwang? „Tierschutzwidrig.“

In Ihrer neuen TV-Show „Rütter reicht’s!“ nehmen Sie Bürokratenunsinn auseinander. Die Kommune Wolfsburg hat die niedersächsische Leinenpflicht (also vom 1. April bis 15. Juli) nochmal um vier Monate erweitert, sodass die Hunde hier schon ab Dezember nicht mehr freilaufen dürfen. Wäre das auch ein Fall für Sie?

Ich persönlich glaube, dass das schon tierschutzwidrig ist. Hunde sind eben auch Lauftiere. Das Problem ist, dass Politiker oft abstruse Entscheidungen treffen, ohne Experten zu befragen. Bei der Kampf- und Listenhundehysterie damals war es ähnlich. Ich glaube immer noch, da haben sich drei Politiker mit Rotwein hingesetzt, durch ein Hundebuch geblättert und geguckt, welcher Hund gefährlich aussieht. Jeder Experte hätte ihnen sagen können, dass eine Bordeaux-Dogge einen Menschen eher totschlabbert als beißt.

Was würden Sie Hundehaltern raten, wie sie ihre Hunde in den 7,5 Monaten sonst noch auspowern können?

Also bei einem Grünstreifen durch meine Heimatstadt Köln gibt es auch seit ein paar Jahren Leinenzwang, aber die Hundehalter halten sich ganz einfach nicht daran. Eine Zeitlang hat das Ordnungsamt versucht, die Leinenpflicht durchzusetzen, aber die Hundehalter haben stoisch ihre Zehn-Euro-Knöllchen bezahlt und weitergemacht. Es gab nie Probleme mit Joggern oder Radfahren.

Den Hund in der Leinenzeit mit zum Joggen oder Radeln nehmen

Bei uns geht es leider eher um die Wildtiere, die im Winter geschwächt sind und nicht gehetzt werden sollen …

Eigentlich denke ich, dass Hundemenschen generell das Tierwohl im Auge haben und ihre Hunde nicht einfach gedankenlos durchs Unterholz brettern lassen würden. Aber wenn die Regel nun mal besteht, sollte man versuchen, den Hund an der Leine mehr zu bewegen, ihn zum Radfahren oder Joggen mitzunehmen. Ihn geistig zu fordern, ist zwar auch wichtig, aber der Hund muss eben auch körperlich ausgelastet werden.

2016 waren Sie schon mal in Wolfsburg. Ist Ihnen irgendwas in Erinnerung geblieben?

Ja. Wolfsburg hat den Ruf, künstlich und steril zu sein, aber das konnte ich nicht bestätigen: Ich fand die Leute und die Halle damals sehr fröhlich!

Von Frederike Müller

Eng wird’s am zweiten Adventwochenende rund um die Großveranstaltung Advent im Schloss. Wer mit dem Auto anreist, sollte auf den Allerpark ausweichen. Die Nordstadtstraße und die Schloßstraße sind gesperrt.

27.11.2019

Essen verbindet – das zeigt das Kochbuch „Wolfsburger Kochgeschichten – So schmeckt das Leben“. Es ist eine Idee des Tagestreffs Carpe Diem in der Poststraße und die kommt richtig gut an: Die erste Auflage ist bereits verkauft, jetzt folgt die zweite.

27.11.2019

Scheitern und Verlieren sei Bestandteil des Prozesses, erklärte der mehrfache Paralymics-Gewinner Rainer Schmidt. Den Frauen beim Entscheiderinnenabend erklärte er das Geheimnis seines Erfolgs.

27.11.2019