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Stadt Wolfsburg Kabarettist Alfons im großen WAZ-Interview
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Kabarettist Alfons im großen WAZ-Interview
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06:00 27.04.2019
„Die Wolfsburger sind sehr offen“: Emmanuel Peterfalvi alias Alfons freut sich auf seinen Auftritt im Scharoun-Theater. Quelle: Guido Werners
Wolfsburg

Alfons, der bekannte deutsch-französische Reporter mit dem Puschelmikrofon, heißt im wahren Leben Emmanuel Peterfalvi. Geboren wurde er vor 52 Jahren in Paris, fast die Hälfte seines bisherigen Lebens wohnt er aber jetzt schon in Hamburg. In seinem sechsten Bühnenprogramm „Jetzt noch deutscherer“ erzählt der Kabarettist von seinem Leben mit den beiden Kulturen. Am Montag, 6. Mai, tritt er damit im Wolfsburger Scharoun-Theater auf

Herr Alfons, Sie waren erst vor Kurzem ganz in der Nähe: In Klein Twülpstedt haben Sie die Braunkohlwanderung der Schützen mitgemacht. Warum haben Sie das getan?

Ich gucke mir immer gerne deutsche Traditionen und Mikrokosmen an. Ich habe schon viele Reportagen gemacht, über Nacktwandern und Hunderennen bis Schrebergarten, aber eine Braunkohlwanderung hatte ich noch nie gemacht. Ich wusste nicht mal, was das ist. Dass es nun Klein Twülpstedt wurde, war eher Zufall. Aber im Nachhinein kann ich Ihnen sagen, ich habe keine Sekunde bereut, dahin gefahren zu sein.

Und was haben Sie über den Mikrokosmos der Klein Twülpstedter Braunkohlwanderung gelernt?

Es war eine sehr interessante Erfahrung. Man wandert und dann isst man Braunkohl. Und die Wanderung war exakt und sehr deutsch geplant. Die Teilnehmer waren dann total gestresst, weil wir durch meine Interviews etwas langsamer unterwegs waren. Es war wohl vorher noch nie vorgekommen, dass sie nicht pünktlich zur Pause kamen. Aber dann sind wir alle etwas schneller gegangen und konnten die Pause pünktlich machen, und dann war alles wieder gut. Ich fand das fantastisch. Zu sehen ist der Beitrag übrigens demnächst bei „Alfons und Gäste“ im SR und SWR.

Sie sagen, eine Braunkohlwanderung besteht aus Braunkohl und Wanderung. Aber gibt es da nicht noch einen recht großen flüssigen Bestandteil?

Ja, den gibt es eigentlich in jedem Hobby in Deutschland, habe ich das Gefühl. Und danach fährt man auch noch mit dem Auto nach Hause, das finde ich fast noch fantastischer. Ich bin zwar Franzose und kann mit dem Gesetz nicht so gut umgehen, aber ich dachte immer: Wenn man Alkohol getrunken hat, darf man nicht mehr fahren.

Sie haben seit kurzem beide Staatsbürgerschaften, Französisch und Deutsch. Fühlt sich das anders an als vorher?

Ich bin nicht nur auf dem Papier, sondern auch im Bauch gleichzeitig Franzose und Deutscher. Dass jetzt Papiere und Bauchgefühl zusammenpassen, ist großartig.

Wie lief diese „Deutschwerdung“ für Sie?

Es war ein langer Prozess, das erkläre ich auch in meinem aktuellen Programm „Jetzt noch deutscherer“. Es ist ein ganz ungewöhnliches Showprogramm für mich und das überrascht meine Zuschauer. Zum Glück ist es eine gute Überraschung, ich bekomme ohne Ende begeisterte Reaktionen.

Sie meinen, dass „Jetzt noch deutscherer“ ernsthafter ist als Ihre anderen Stücke?

Es gibt auch viel zu lachen! Wenn man sagt „ernsthafter“, denkt man gleich: Eijeijei, das ist ein intellektuelles Stück, wo gar nicht gelacht wird. Aber es gibt eben auch leise Momente, es wandert von urkomisch zu sehr traurig – und zurück. Schön ist es für mich, wenn die Leute mit einem superguten Gefühl nach Hause gehen. Und die Zuschauer, die es gesehen haben, haben das bestätigt. Es ist ein Abend, der viele noch lange begleitet und über den viele noch länger nachdenken. Für einen Künstler ist das das allerbeste Kompliment, das man bekommen kann.

In Wolfsburg sind Sie auch schon mal aufgetreten, erinnern Sie sich noch daran?

Natürlich! Deshalb komme ich auch so gerne wieder. Auch in dem Stück damals gab es ein paar leise Töne. Und die Wolfsburger waren – und das ist nicht selbstverständlich – sehr offen dafür, sowohl für die lustigen als auch für die nachdenklichen Stellen. Das waren sehr starke Momente in Wolfsburg.

Als Deutscher Staatsbürger dürfen Sie ja auch in und für Deutschland wählen. 20 Tage nach Ihrem Auftritt in Wolfsburg steht die Europawahl an. Gehen Sie hin?

Ja natürlich! Man spürt ja, dass die Zeiten ernst und gefährlich werden. Es ist im Moment total normal zu sagen: „Europa ist scheiße, Europa brauchen wir nicht.“ Ich will daran erinnern, dass Europa nicht einfach irgendwie entstanden ist. Es geht bei der EU nicht um Gurken-Normen. Die EU ist entstanden weil wir – gerade Deutschland und Frankreich – uns jahrhundertelang bekriegt haben. Alle 30 Jahre gab es einen Krieg, als ginge es in unserer gemeinsamen Geschichte gar nicht anders. Und dann haben wir gesagt: Kriege können wir jetzt richtig gut, lass uns mal Frieden ausprobieren. Seit 70 Jahren bekriegen wir uns nicht mehr. Das haben wir Europa zu verdanken. Und 70 Jahre sind echt nicht lang in der Menschengeschichte, nicht mal ein Leben. Ich möchte in Frieden leben, ich möchte, dass meine Kinder und Enkelkinder und alle weiteren Generationen in Frieden leben. Auch wenn ich es selber zum Glück nicht kenne: Ich denke, es gibt nichts Schlimmeres als Krieg.

Und Sie meinen, das geht nicht allen so?

Im Moment ist es total trendy, alles abzulehnen und über Bord zu werfen. Ich nenne das die Donald-Trumpisierung der Gehirne. Das ist ein Virus, der sich gerade weltweit verbreitet, blöderweise auch in Europa. Es handelt sich um eine schlimme Krankheit und wir kennen keine Impfung. Das macht mir schon ein bisschen Angst.

Berühmt geworden sind Sie mit Ihren legendären Straßenumfragen. Hier bei der WAZ machen wir sowas auch öfter mal. Geben Sie uns mal einen Tipp: Was sollte man die Wolfsburger unbedingt mal fragen?

(lacht) Dafür müsste ich mal eine Umfrage in Wolfsburg machen. Meist muss ich einen ganzen Tag fragen, zehn Stunden lang, um auf die richtige Frage zu kommen und die richtigen Antworten zu hören. Da muss man fleißig sein wie ein Franzose! Und in Wolfsburg habe ich noch nie Umfragen gemacht. Aber da bringen Sie mich jetzt natürlich auf eine Idee! Das kommt auf meine To-Do-Liste für dieses Jahr.

Schön zu hören! Falls Sie irgendwann mal keine Lust mehr auf Bühne haben, dürfen Sie uns gern öfter bei den Umfragen unterstützen.

Lust auf Bühnenprogramm habe ich immer. Der Kontakt zu meinem Publikum ist mir so viel wert, das würde ich nie aufgeben. Aber vielleicht kann ich mal nebenbei für die Wolfsburger Allgemeine schreiben, warum nicht!

Dann sind wir gespannt auf Ihre Bewerbung! Danke für das Gespräch!

Von Frederike Müller

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