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Stadt Wolfsburg Wenn Jugendliche eine Kunstausstellung leiten
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Wenn Jugendliche eine Kunstausstellung leiten
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18:56 25.10.2019
„Inside – Out. Konstruktionen des Ichs“: Am Freitag führten die Jugendlichen mit berechtigtem Stolz durch die eigene Ausstellung. Quelle: Roland Hermstein
Stadtmitte

Rezept für eine außergewöhnliche Ausstellung: Man nehme zwölf Jugendliche, einen Ausstellungsflur im Kunstmuseum und ein hochkomplexes Thema, gebe alles zusammen und warte ein paar Monate. Das Ergebnis ist ab jetzt im Museum öffentlich ausgestellt: Unter dem Titel „Inside – Out. Konstruktionen des Ichs“ haben Wolfsburger Schüler eine eigene Ausstellung erstellt – und sich als überraschend professionelle Kuratoren erwiesen.

Dafür haben die neun Wolfsburger Schülerinnen und Schüler in ihrer Freizeit Workshops besucht und aus einer Vorauswahl von 200 Kunstwerken die 37 ausgewählt, die für sie am deutlichsten zeigen, was es heißt, seine eigene Identität zu finden, aufzubauen und darzustellen.

Was ist Identität? Woher kommt sie und wie zeigt sie sich? Mit diesen Fragen haben sich neun Wolfsburger Jugendliche beschäftigt. Als Nachwuchskuratoren haben sie Kunstwerke ausgesucht und eine eigene Ausstellung aufgebaut.

Leihgaben organisieren, Themen ordnen, Räume gestalten

Nach dieser Auswahl fing die Arbeit für die Gruppe aber erst richtig an: Es galt, die Werke als Leihgaben anzufragen und zu beschaffen, sie nach Themen und Ästhetik zu ordnen, und von der Raumaufteilung bis zur Wandfarbe eine ganze Ausstellung auf die Beine zu stellen. Die Volontärinnen des Kunstmuseums, die diese Arbeit begleiteten, hielten sich dabei bewusst zurück.

Ein Großteil der ausgestellten Werke sind Fotografien und Fotomontagen. Ins Auge fällt zum Beispiel die Aufnahme einer Fabrikarbeiterin in einer Industriehalle. Zwischen all den Maschinen steht die junge Frau aber als Ballerina gekleidet. Das Bild verdeutliche, dass nicht nur die Umstände einen Menschen ausmachten, sondern auch seine innersten Wünsche, erklärt eine der jungen Kuratorinnen. Diese Träume seien Teil der Identität, selbst wenn sie nicht verwirklicht werden: „Wenn wir uns das Bild angucken, sehen wir: Sie wird es niemals schaffen.“

„Wenn wir uns das Bild angucken, sehen wir: Sie wird es niemals schaffen.“ – Trotzdem gehören Träume zur Identität, finden die Jugendlichen. Quelle: Kunstmuseum Wolfsburg

Das Verhältnis von Bild und Identität ist vielschichtig

Eine andere Fotografiereihe wirft die Frage auf, ob sich Identität immer bildlich darstellen lässt. Vier Aufnahmen eines jungen Mannes hängen beieinander, jedoch mit unterschiedlichen Titelzusätzen: „aufgeregt“, „gut gelaunt“, zögernd“, „melancholisch“ – doch die vier Bilder sind identisch, der Gesichtsausdruck des Mannes könnte jede Gefühlsregung gleichermaßen ausdrücken. Vielleicht gehört zur Identität, wie sie sich in Bildern zeigt, auch immer der Blick und die Interpretation des Betrachters.

Die spezifisch jugendliche, beziehungsweise pubertäre, Sichtweise der jungen Aussteller findet natürlich auch Ausdruck. Markenklamotten, Geschlechtsidentität, Selbstinszenierung auf Instagram sind nunmal Themen, die besonders für Heranwachsende eine Rolle spielen. Aufbereitet haben die Jugendlichen diese Themen aber kritisch, selbstreflektiert und mit einem klaren analytischen Blick, das zeigte sich bei einer ersten Presseführung durch die Ausstellung.

Interessant ist vor allem der Entstehungsprozess

Dabei ist der jugendliche Blick auf das Thema „Identität und Kunst“ fast noch interessanter als die Kunstwerke an sich. Das ist das Besondere an „Inside – Out. Konstruktionen des Ichs“. Einen kleinen Einblick in die Überlegungen der Schüler geben eine Handvoll ihrer Aussagen, die als Zitate die Wände zieren. Doch wen die Entstehung der Ausstellung ebenso sehr interessiert wie das Ergebnis, der muss sich noch gedulden: Ein Katalog mit ausführlicheren Erläuterungen der Jugendlichen erscheint erst Anfang Dezember.

Die Ausstellung „Inside – Out. Konstruktionen des Ichs“ läuft noch bis zum 12. Januar 2020. Das Museum hat dienstags bis sonntags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

Von Frederike Müller

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