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Stadt Wolfsburg „Ich bin homosexuell“: Coming-Out mit 15 Jahren
Wolfsburg Stadt Wolfsburg „Ich bin homosexuell“: Coming-Out mit 15 Jahren
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21:12 22.11.2019
Im Beratungsraum der Aids-Hilfe wird der erste queere Jugendtreff „Loud & Proud“ eröffnet. Quelle: Britta Schulze
Wolfsburg

Wie erzählt man seinen Eltern und Freunden, dass man schwul ist? Über diese Frage dachte der Wolfsburger Robin Pape viel und lange nach. Vor zehn Jahre hat sich der heute 25-Jährige geoutet. Mit der WAZ sprach er über die Reaktionen seiner Familie, seine Vorbildfunktion und den neuen „queeren“ Jugendtreff in Wolfsburg.

Robin Pape hat sich mit 15 Jahren zu seiner Homosexualität bekannt. Auf der Hoffmann-von-Fallersleben-Realschule hat sich der heute 25-Jährige an einen Lehrer gewandt und fasste dadurch Mut, es seiner Familie zu sagen. „Ich bin mit meiner besten Freundin zu meiner Mutter gegangen und habe es ihr zuerst gesagt“, sagt der gelernte Altenpfleger. Seine Mutter hat zuerst geweint, doch sich schnell wieder beruhigt.

Geschockt über Coming-Out

Sein Vater war noch auf der Arbeit, zu ihm ist er später hingegangen. An die Worte kann Pape sich noch genau erinnern. „Papa, ich muss mit dir reden. Ich glaube, ich bin homosexuell“, so der damals 15-Jährige. Früher wollte Pape das Wort „schwul“ nicht in den Mund nehmen, er empfand es als abwertend, das ist heute anders.

Der 25-jährige Robin Pape berichtete über sein Coming-Out. Quelle: Britta Schulze

Nach seinem Coming-Out waren seine Familienangehörige kurz geschockt, doch heute sei das Verhältnis entspannt. „Meine Oma freut sich immer, wenn ich ein Date habe“, erzählt Pape. Und seine zwei älteren Brüder, von denen einer bei der Feuerwehr ist, haben ihn nach dem Bekenntnis in den Arm genommen.

Ansprechpartner für Schüler

Vor seinem Coming-Out dachte Pape, er sei bisexuell und damit „abnormal“. Er wollte seine sexuelle Ausrichtung nicht wahrhaben und malte sich die Reaktionen seiner Freunde aus. „Ich hatte Angst, dass sie mich nicht verstehen und sich von mir abwenden“, erzählt der Wolfsburger.

Damit weitere Schüler von seinen Erfahrungen lernen, hat sich Pape zum Schülersprecher aufstellen lassen. „Einige haben nachgefragt, wie sich das Outing angefühlt hat und ich habe ihnen gerne einen Rat gegeben“, sagte der ehemalige Schülersprecher. Heutzutage kämpf er für die Gleichstellung und engagiert sich in der Aids-Hilfe Wolfsburg. Seit einigen Wochen ist er Vorsitzender des Vereins. Auch in dieser Position möchte er für Schüler und Jugendliche da sein. Zum Beispiel im neuen queeren Jugendtreff, der in den Beratungsräumen der Aids-Hilfe eröffnet wird.

Erster queerer Jugendtreff in Wolfsburg

Das Wort „queer“ bedeutet auf Englisch „schräg“ oder „seltsam“. Daher wurde es als Schimpfwort benutzt und bezog es auf Dinge, Handlungen und Personen, die von der Norm abweichen. Häufig wurden damit Schwule und Lesben, aber auch Menschen mit ungewöhnlicher Kleidung wie Gruftis oder Transvestiten beleidigt.

Die Schwulen und Lesben haben das Wort übernommen und die alte Bedeutung umgedreht: Queer soll jetzt nicht mehr negativ rüberkommen, sondern selbstbewusst darauf hinweisen, dass es toll ist, anders zu sein. Viele benutzen "queer" deswegen als Überbegriff für alles, was nicht heterosexuell ist und sich auch nicht auf schwul oder lesbisch beschränkt. So schließt "queer" auch die LGTB-Szene mit ein. LGTB ist die Abkürzung für lesbisch, gay, transgender und bisexuell.

Queeres Angebot in der City

Gemeinsam mit weiteren Institutionen hat die Aids-Hilfe im November 2018 das Queere Netzwerk Wolfsburg (QNW) gegründet. Zur Zeit ist die Jugendförderung der Stadt, die Jugendauszubildendenvertretung von VW, das Hallenbad – Kultur im Schachtweg und die Volkshochschule Wolfsburg im Netzwerk vertreten. „Unser Ziel ist es das Thema Vielfalt in den Fokus zu rücken und gleichzeitig wollen wir für Jugendliche einen Raum erschaffen“, erklärte Julia Streuer, stellvertretende Vorsitzende der Aids-Hilfe Wolfsburg.

Der erste queere Jugendtreff „Loud & Proud“ soll in den Räumlichkeiten der Aids-Hilfe in der Kleiststraße eröffnen. Der Aufenthaltsort ist offen für alle Jugendlichen, unabhängig von sozialer Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung. „Wir wollen sowohl die jungen Leute von 14 bis 27 Jahren, sowie Eltern mit Kindern bis 18 Jahre ansprechen“, sagte Streuer. Laut der Statistik der Stadt Wolfsburg wären das 1383 Jugendliche und junge Erwachsene sowie 928 Eltern, die Interesse an dem Angebot haben könnten.

Der queere Jugendtreff „Loud & Proud“ wird anlässlich des Welt-Aids-Tages am 29. November um 16 Uhr eröffnet. Die Schirmherrschaft übernimmt Jürgen Stackmann vom Vertriebsvorstand der Marke Volkswagen. Zudem nehmen Vertreter der Volkswagen AG und des VfL Wolfsburg teil.

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Von Ann Kathrin Wucherpfennig

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