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Stadt Wolfsburg Historiker stellt Buch über VW-„Ausländer-Kinderpflegeheim“ in der NS-Zeit vor
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Historiker stellt Buch über VW-„Ausländer-Kinderpflegeheim“ in der NS-Zeit vor
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06:00 23.05.2019
Interessant: Marcel Brüntrup las beim Institut für Zeitgeschichte aus seinem Buch über das „Ausländer-Kinderheim“ des VW-Werks vor. Quelle: Carsten Bischof
Stadtmitte

Das „Ausländer-Kinderpflegeheim“ des (späteren) VW-Werkes ist eines der dunkelsten Kapitel der Wolfsburger Stadtgeschichte. Der Münsteraner Geschichtswissenschaftler Marcel Brüntrup hat jetzt ein Buch über dieses Kinderpflegeheim und den umstrittenen VW-Werksarzt Hans Körbel geschrieben. Am Dienstagabend stellte er es im Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation vor.

Weite Teile der deutschen Bevölkerung hätten „das Sterbenlassen dieser unerwünschten Kinder toleriert“

Verbrechen und Erinnerung – Das ,Ausländer-Kinderpflegeheim’ des Volkswagenwerkes“ nennt Brüntrup sein Buch, das auf seiner Masterarbeit basiert. Aktuell arbeitet er an seiner Doktorarbeit, seine Professorin Isabel Heinemann erklärte den historischen Zusammenhang seiner Arbeit. Zwangsarbeiter, Zwangsabtreibungen bei Zwangsarbeiterinnen und Ausländer-Kinderpflegestätten habe es in der NS-Zeit im ganzen Reich gegeben, nicht nur in Wolfsburg. Und: Weite Teile der deutschen Bevölkerung hätten „das Sterbenlassen dieser unerwünschten Kinder toleriert“.

„Zweitrangig“ sei nur das Wohl der Kinder von „Ostarbeiterinnen“ gewesen

Laut Marcel Brüntrup sind rund 10.000 Kinder von osteuropäischen Zwangsarbeiterinnen in der NS-Zeit in „Pflegeheimen“ gestorben – „genaue Zahlen gibt es nicht“, betonte er. Wobei eines wichtig sei: „Zweitrangig“ sei nur das Wohl der Kinder von „Ostarbeiterinnen“ gewesen, stellte er klar. Mütter aus beispielsweise Bulgarien, Jugoslawien, Spanien oder Italien hingegen hätten Schutz genossen. Sie waren den deutschen („arischen“) Müttern gleichgestellt.

Zwischenzeitlich seien bis zu 160 Kinder in dem Heim untergebracht gewesen

Er stellte auch klar: Man habe Säuglinge von „Ostarbeiterinnen“ in den Pflegeheimen nur unzureichend ernährt, sich kaum um sie gekümmert, denn: „Sie sollten zugrunde gehen.“ In Wolfsburg gab es ein „Pflegeheim“ zunächst am Schachtweg, später wurde es nach Rühen ausgelagert. Brüntrup wies anhand von Zeitzeugenberichten nach, dass die hygienischen Zustände katastrophal gewesen seien und es immer wieder Krankheitswellen gegeben habe. Zwischenzeitlich seien bis zu 160 Kinder in dem Heim untergebracht gewesen. Mitarbeiterinnen hätten sich über die Zustände beschwert – passiert sei nichts.

Nach Kriegsende habe es „in Wolfsburg lange eine Mauer des Schweigens“ gegeben

Eine unrühmliche Rolle habe der VW-Werksarzt Dr. Hans Körbel gespielt – er habe nichts für die Kinder getan. Im Gegenteil: Er habe in Berichten an Vorgesetzte geschrieben, dass alles in Ordnung sei. Nach Kriegsende habe es „in Wolfsburg lange eine Mauer des Schweigens“ gegeben, schloss Brüntrup. Körbel sei – unter Protesten vieler Deutscher – im Kriegsverbrecherprozess in Helmstedt zum Tode verurteilt und hingerichtet worden.

Erst der spätere Betriebsratschef Walter Hiller habe in den 80er-Jahren die Aufarbeitung der NS-Vergangenheit von VW angeschoben. Eine Aufarbeitung, die auch heute noch nicht abgeschlossen ist – wie das Buch von Brüntrup beweist.

Von Carsten Bischof

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