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Stadt Wolfsburg Grandioses Bach-Konzert von Cameron Carpenter
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Grandioses Bach-Konzert von Cameron Carpenter
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19:01 04.06.2018
Ein Virtuose an der Orgel: Der Künstler Cameron Carpenter spielte im Rahmen des Festivals „Soli Deo Gloria“ im Scharoun Theater.
Ein Virtuose an der Orgel: Der Künstler Cameron Carpenter spielte im Rahmen des Festivals „Soli Deo Gloria“ im Scharoun Theater. Quelle: Boris Baschin
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Wolfsburg

Ein fünfmanualiger Orgeltisch, wie bei einer Pfeifenorgel, ist hier mit rund 40 Lautsprechern an ein elek­tronisches Equip­ment angeschlossen, das auf der gro­ßen Bühne samt Hinterbühne verteilt ist.

Cameron Carpenter kleidet Bachs Musik in ein neues Gewand

Dank digitaler Technik sind nach Carpen­ters Plänen nicht nur Klänge bedeutender Orgeln gesampelt, sondern die Technik er­laubt auch eine Klangvielfalt, die ihm ein traditionelles Instrument nicht bietet. Trotz ver­trauter Orgelklänge und notengetreuer Spielweise, kleidet er Bachs Musik in ein neues Gewand. Da, wo Bachs Kontra­punktik auf einem her­kömm­lichen Instru­ment zum Tonbrei verschmilzt, werden in Carpenters Spiel Linien von luftiger Klarheit hörbar.

Unglaublich Virtuosität und dynamische Klangsteigerung

Natürlich sind es die unglaubliche Virtuo­si­­tät der Hände und seines Pedalspiels er­gänzt durch mitreißende dynamische Klang­steigerung, die stets stürmischen Bei­fall und Bravorufe entlocken. Aber die ent­­schei­den­de künstlerische Qualität ist seine geniale Musikalität, die sich in der geistigen Tiefe der Durchdringung Bach­scher Musik offen­bart. Da ist Virtuosität logisches Bei­werk.

Interpretation setzt neuen Maßstab

Passacaglia und Fuge BWV 582 sind nicht nur der Ausdehnung nach Bachs größtes Or­gelwerk. Die gehörte Interpretation setzt ei­nen neuen Maßstab. Die original für Cem­ba­lo geschriebene Französische Suite BWV 816 wird in Carpenters Bear­beitung zu ei­nem überzeugenden Orgel­werk. Seine Vor­liebe fürs AArrangieren unterstreicht er in Wag­­­ners Meistersinger-Ouvertüre als Zuga­be.

Eindeutiges Urteil: grandioser Hörgenuss

Alte Klänge der Hammondorgel und der Welte-Mignon-Filmorgel werden in sei­­nen Improvisationen lebendig. Gleich dem Vor­bild Bach, arbeitet er mit kontra­punk­tischen Strukturen. Bach war seiner Zeit weit vor­aus. Interessant wäre sein Urteil heute. Der Applaus jedenfalls hat ein eindeutiges Urteil vernehmen lassen: Grandioser Hörgenuss.

Von Heinz-Werner Kemmling