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Stadt Wolfsburg Gilla Cremer fesselte ihr Publikum in Wolfsburg
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Gilla Cremer fesselte ihr Publikum in Wolfsburg
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18:00 19.02.2020
Intensive Erfahrung: Gilla Cremer spielte auf der spärlich beleuchteten Bühne nur mit ein paar Requisiten und einem Stuhl. Quelle: Robert Stockamp
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Wolfsburg

Einen fesselnden literarischen Abend erlebten die Besucher auf der Hinterbühne des Scharoun Theaters am Dienstagabend. Schauspielerin Gilla Cremer sprach und spielte Natscha Wodins Erzählung „Einmal lebt ich“. Fast eineinhalb Stunden lang bannte Cremer unterbrechungslos das Publikum mit großartigem Spiel und einer aufwühlenden Geschichte.

„Einmal lebt ich, wie Götter, und mehr bedarfs nicht“, endet Friedrich Hölderlins Ode „An die Parzen“. Aus dieser Kurzode über Schicksal und Herzschmerz entlieh Natascha Wodin den Titel ihrer autobiografisch geprägten Erzählung, die unter die Haut geht.

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Das junge Mädchen wird nur „Russkie“ genannt

Erzählt wird die Geschichte eines namenlosen Mädchens, das als Kind einer ukrainischen ehemaligen Zwangsarbeiterin und eines Russen in den 50er Jahren in Deutschland aufwächst, in einer ebenso namenlosen Elendssiedlung, die nur „die Häuser“ genannt wird.

Es beginnt mit den Erfahrungen der Ausgrenzung. Das junge Mädchen erlebt, wie sie als „Russkie“ ausgestoßen wird. Gleichzeitig stellen die Eltern „deutsch sein“ als unerreichbares Ideal auf ein unumstößliches Podest.

Der Vater trinkt sehr viel. Die Mutter bringt sich um. Das Mädchen kommt einige Jahre in eine Klosterschule. Wieder zuhause, nimmt sie die übergriffige Gewalt des Vaters hin, bis sie mit 16 ausbricht und auf der Straße schläft, auf der Suche nach dem „deutsch sein“, was sie ihrer Meinung nach nur erreichen kann, wenn sie „den deutschen Handwerker“ trifft und heiratet.

Zuschauer konnten sich der entsetzenden Geschichte nicht entziehen

Doch der deutsche Handwerker kommt nicht. Dafür fällt sie auf einen Charmeur herein und ist nach doppelter Vergewaltigung schwanger. Schließlich wieder beim Vater, sticht sie so lange mit allem in sich ein, bis der Fötus stirbt.

Die Geschichte ist entsetzend, aber es gab keine Möglichkeit, sich zu entziehen, wegzuhören. Gilla Cremer spielte auf spärlich beleuchteter Bühne nur mit ein paar Requisiten und einem Stuhl so intensiv die Worte, die sie sprach, dass der Zuschauer einfach bei der Sache bleiben musste, egal wie unangenehm es wurde.

Nahezu herzzerreißend war ein gewisser Gleichmut, mit dem das Mädchen sein trauriges Schicksal erzählte. Vieles wurde hingenommen. Die Schläge, die sie von ihrem Vater erhielt, wurden minutiös erklärt, ganz ohne Emotionen wie eine technische Anleitung.

Gilla Cremer hatte eine Unmenge an Text, den sie beeindruckend sprach und darstellte, ohne dabei mehr zu geben, als unbedingt erforderlich war. Das war eine sehr beeindruckende Leistung, für die die Schauspielerin am Ende zurecht langen Applaus bekam. Wie sehr das Publikum in Mitleidenschaft gezogen war, ließ sich an der langen Stille erkennen, die es brauchte, bis nach dem letzten Wort der erste zaghafte Applaus einsetzte.

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Von Robert Stockamp

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