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Stadt Wolfsburg Tausende Fische treiben tot im Neuen Teich
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Tausende Fische treiben tot im Neuen Teich
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10:10 31.07.2019
Mit Mistgabel und Müllbeutel: Wolfgang Pusch und Joel Daniel Wienecke (vorne) ziehen die toten Fische aus dem Wasser. Quelle: Roland Hermstein
Nordstadt

Unschöner Anblick und furchtbarer Gestank: Im Neuen Teich in der Nordstadt sind massenhaft Fische verendet, das Gewässer ist umgekippt. Angler und Stadt haben am Sonntag ganze Säcke voller toter Tiere abtransportiert, doch ist gegen die schiere Menge kaum anzukommen.

Wer auch immer am Sonntag geholfen hat, das Ufer des Neuen Teichs aufzuräumen – Fisch wird bei ihm so schnell nicht mehr auf dem Speiseplan stehen. Unter grässlichem Gestank bargen die Helfer mehrere Tonnen toter Tiere.

„Es waren mehrere Hundert Fische, und nach und nach werden immer mehr ans Ufer geschwemmt“, berichtet Andrea Herweg aus der Nordstadt, der die verendeten Tiere beim Spazierengehen am Samstag aufgefallen waren.

Sportfischerverein zieht säckeweise Kadaver aus dem Wasser

Am Sonntag habe es noch schlimmer ausgesehen, meint die Anwohnerin. Vormittags dann begannen die Sportfischer mit den Aufräumarbeiten: Mit Mistgabel und Müllsäcken rückten Matthias und Joel Daniel Wienecke sowie Wolfgang Pusch den Fischkadavern zu Leibe – doch allzu weit kamen sie nicht. Nach mehreren Stürzen ins stinkende Wasser mussten sie einige Fische zurücklassen, an die nicht heranzukommen war. Bis dahin hatten sich allerdings schon über ein Dutzend Müllsäcke gefüllt. Später am Nachmittag kamen noch weitere Vereinsmitglieder hinzu und packten mit an, und sogar die Wolfsburger Abfallgesellschaft WAS rückte an, um die toten Fische zu entsorgen. Der erste 1100-Liter-Container war schnell gefüllt, weitere folgten.

Als Ursache für das Fischsterben haben womöglich mehrere Faktoren zusammengespielt. Anwohnerin Herweg berichtet, das Stauwerk am Ausfluss des Sees sei vor kurzem kaputt gewesen. „Fürs Reparieren musste noch mehr Wasser abgelassen werden, das wurde aber nicht wieder aufgefüllt“, meint die Nordstädterin.

Hitze lässt Bakterien wachsen – und die verbrauchen Sauerstoff

In erster Linie ist es aber die Wärme der letzten Tage, die für Probleme sorgt. Die hohen Temperaturen lassen Blaualgen und Bakterien wachsen und gedeihen, erklärt Stefan Ludwig, Gewässerwart des Angel- und Gewässerschutzvereins Wolfsburg-Vorsfelde: „Die Bakterienumwandlung im Wasser verbraucht Sauerstoff – und der fehlt dann den Fischen.“ Messungen der Fischer hatten zuletzt schon gezeigt, dass sowohl Sauerstoffgehalt als auch pH-Wert im kritischen Bereich lagen.

Ein Blick auf die Wettervorhersage für die nächsten Tage beunruhigt Ludwig noch mehr: „Gewitter verschlimmern den Sauerstoffmangel im Wasser zusätzlich“, weiß er. Zwar könne leichter Regen sogar für neuen Sauerstoff sorgen. Starker Regen hingegen spüle zusätzlich Schlamm und Bakterien von den Ufern ins Wasser und verschärfe damit das Problem: „Das meiste Fischsterben haben wir immer im Sommer nach Gewitterregen“, so Ludwig.

WAZ-Info: Fischsterben der letzten Jahre

Juni 1999: 200 tote Karpfen im Schillerteich.

April 2003: Abermals sterben Karpfen im Schillerteich, dieses Mal laut Anglerverein aber wegen der Kälte.

August 2006: Experten warnen, dass Wolfsburgs Gewässer austrocknen. Ein Fischsterben gibt es glücklicherweise nicht.

Juni 2011: Die Stadt lässt Wasser aus dem Alten Teich ab, um ihn zu entschlammen. Der Sportfischerverein kann aufgrund des Schlamms vorher nicht genug Fische rausholen – viele ersticken qualvoll.

Juli 2015: In der Aller sterben zahllose Fische an den Folgen der Hitze. Auf Anfrage der WAZ schickt die Stadt die Feuerwehr los, um zu helfen.

Kurz darauf: Im Ziegelteich sterben Hunderte Weißfische an Sauerstoffmangel. Die Sportfischer bergen die toten Tiere, die Feuerwehr wälzt das Wasser um.

Ebenfalls im Juli 2015: Auch in der Aller bei Gifhorn sterben nach Hitzewelle und Unwetter 600 bis 800 Kilo Fische.

August 2018: Wolfsburgs Angler warnen – wieder sind die Wolfsburger Gewässer zu warm und zu sauerstoffarm, das Regenrückhaltebecken im Hageberg trägt seinen Algen-Schmierfilm.

August 2018: Fachleute vom Aller-Ohre-Verband befürchten ein Fischsterben in der Aller.

Dann könnten auch die anderen Teiche in Wolfsburg betroffen sein, befürchtet auch Stadtrat Werner Borcherding, der gemeinsam mit Amtstierarzt Dr. Stefan Leopold vor Ort war: „Ausschließen kann man es für keinen der Teiche mehr.“ Für den Neuen Teich sieht er keine Hoffnung mehr: Ein Umwälzen mit Wasserschläuchen, wie es in ähnlichen Fällen oft die Feuerwehr übernommen hat, sei „bei dieser Dimension des Problems aussichtslos“.

Warnungen für Kinder und Hunde

Vorerst sollten Spaziergänger jetzt aufpassen, dass ihre Hunde und Kinder nicht bis ans Wasser gehen. Auch aufs Entenfüttern sollten die Wolfsburger dringend verzichten, um nicht noch mehr Nährstoffe in den See zu bringen, so Yvonne Latzel vom Sportfischerverein. Ob der Neue Teich mit lebenden Fischen neu besetzt wird, wenn es im Herbst kühler wird und genug geregnet hat, steht noch nicht fest.

Von Frederike Müller

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