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Stadt Wolfsburg Fischsterben: Deshalb belüftet die Stadt jetzt die Teiche
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Fischsterben: Deshalb belüftet die Stadt jetzt die Teiche
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20:00 29.07.2019
Einsatz am Mühlenteich: Die Freiwillige Feuerwehr Stadtmitte pumpte am Montagnachmittag das Wasser um und erhöhte so den Sauerstoffgehalt. Quelle: Sebastian Bisch
Wolfsburg

Nach dem massiven Fischsterben im Neuen Teich in der Nordstadt lässt die Stadt Wolfsburg jetzt mehrere Teiche im Stadtgebiet belüften. „Trotzdem kann nicht ausgeschlossen werden, dass weitere Fische sterben“, sagte Stadtsprecherin Elke Wichmann am Montag. Aufgrund der extremen Hitze und Trockenheit in den vergangenen Wochen sei der Sauerstoffgehalt in den städtischen Teichen und Rückhaltebecken stark gesunken und gefährde akut den Fischbestand.

Acht Gewässer werden belüftet

Als Sofortmaßnahme sollen besonders gefährdete Teiche durch die Wolfsburger Entwässerungsbetriebe (WEB) und die Feuerwehr belüftet werden. Dies wurde laut Stadt in Abstimmung mit allen Beteiligten von Umweltamt, Gesundheitsamt, WEB, Feuerwehr und den Sportfischern entschieden. Belüftet werden der Neue Teich (Nordstadt), das Rückhaltebecken am Hageberg, der Mühlenteich (Kreuzheide), der Salzteich (Wohltberg), der Ziegelteich (Rabenberg), der Schlossgraben am Schloss Wolfsburg, der Alte Teich (Fuhrenkamp) und der Burgteich Neuhaus.

Lesen Sie auch: Tausende Fische treiben tot im Neuen Teich

Nicht in allen der rund 35 Teiche und Rückhaltebecken im Stadtgebiet sei eine Belüftung möglich. „Priorität haben die Gewässer, in denen eine hohe Gefährdung durch Fremdstoffeintrag durch Regenfälle erwartet wird“, erläuterte Wichmann. Denn starker Regen spült häufig zusätzlich Schlamm und Bakterien von den Ufern ins Wasser und verschärft damit das Problem des Sauerstoffmangels.

Stadt: Durch Messdaten war „ein sofortiger Handlungsbedarf nicht gegeben“

Sauerstoffmangel ließ bereits am Wochenende den Neuen Teich umkippen. Mitglieder des Sportfischervereins Wolfsburg holten am Sonntag nach Angaben der Stadt rund drei bis vier Tonnen toter Fische aus dem Teich in der Nordstadt. Betroffen waren in erster Linie Brassen, Aale, Hechte und Karpfen. Diese dramatische Entwicklung war laut Stadt so nicht vorherzusehen. Noch am 17. Juli sei nach einem Austausch von Messdaten zwischen Sportfischern und Stadt „ein sofortiger Handlungsbedarf nicht gegeben“ gewesen.

Hier einige Bilder vom Einsatz am Neuen Teich:

Wer auch immer am Sonntag geholfen hat, das Ufer des Neuen Teichs aufzuräumen – Fisch wird bei ihm so schnell nicht mehr auf dem Speiseplan stehen. Unter grässlichem Gestank bargen die Helfer mehrere Tonnen toter Tiere.

Die toten Fische wurden am Sonntag in die städtische Tierkörpersammelstelle in die Dieselstraße und in das Entsorgungszentrum Wolfsburg gebracht. Das Veterinäramt und die Wolfsburger Abfallwirtschaft und Straßenreinigung (WAS) haben die Entsorgung der Kadaver übernommen.

Sportfischer kritisieren „falschverstandenen Hardcore-Umweltschutz“

Zu den Gründen, warum es gerade im Neuen Teich zu einem extremen Sauerstoffmangel und in der Folge zum massiven Fischsterben kam, äußerte sich die Stadt am Montag nicht. Der Sportfischerverein Wolfsburg machte in einer Stellungnahme die Ausbreitung der Graugänse am Neuen Teich dafür verantwortlich. Der Kot der Gänse habe zu einer Überdüngung des Gewässers und zu einem vermehrten Algenwachstum geführt, was dem Teich den Sauerstoff entzogen habe. Sportfischer-Vorsitzender Uwe Latzel kritisierte in der Stellungnahme einen „falschverstandenen Hardcore-Umweltschutz am Neuen Teich“. Das Fischsterben sei das Ergebnis einer „verfehlten Umweltpolitik“. Maßnahmen gegen die Graugänse etwa durch die Jägerschaft seien in der Vergangenheit von Umweltaktivisten durch Strafanzeigen beantwortet worden.

Zusammenarbeit beim Gewässerschutz in Zukunft besser regeln

Die Kritik der Sportfischer richtet sich unter anderem gegen Ortsratspolitikerin Andrea Herweg (PUG) aus der Nordstadt. „Wir haben hier viele geschützte Tierarten. Gesetze müssen eingehalten werden“, sagte Herweg der WAZ. Sie sprach sich dafür aus, die Zusammenarbeit beim Gewässerschutz in Zukunft besser zu regeln, „damit in Notsituationen besser gehandelt werden kann“.

BUND-Kreisgruppenvorsitzender Gerhard Chrost wies die Darstellung zurück, wonach die Graugänse zum Fischsterben im Neuen Teich beigetragen hätten. „Das ist zu simpel dargestellt“, sagte Chrost. Er plädiert dafür, den Fischbestand in den Teichen im Sommer zu verringern.

WAZ-Info: Fischsterben der letzten Jahre

Juni 1999: 200 tote Karpfen im Schillerteich.

April 2003: Abermals sterben Karpfen im Schillerteich, dieses Mal laut Anglerverein aber wegen der Kälte.

August 2006: Experten warnen, dass Wolfsburgs Gewässer austrocknen. Ein Fischsterben gibt es glücklicherweise nicht.

Juni 2011: Die Stadt lässt Wasser aus dem Alten Teich ab, um ihn zu entschlammen. Der Sportfischerverein kann aufgrund des Schlamms vorher nicht genug Fische rausholen – viele ersticken qualvoll.

Juli 2015: In der Aller sterben zahllose Fische an den Folgen der Hitze. Auf Anfrage der WAZ schickt die Stadt die Feuerwehr los, um zu helfen.

Kurz darauf: Im Ziegelteich sterben Hunderte Weißfische an Sauerstoffmangel. Die Sportfischer bergen die toten Tiere, die Feuerwehr wälzt das Wasser um.

Ebenfalls im Juli 2015: Auch in der Aller bei Gifhorn sterben nach Hitzewelle und Unwetter 600 bis 800 Kilo Fische.

August 2018: Wolfsburgs Angler warnen – wieder sind die Wolfsburger Gewässer zu warm und zu sauerstoffarm, das Regenrückhaltebecken im Hageberg trägt seinen Algen-Schmierfilm.

August 2018: Fachleute vom Aller-Ohre-Verband befürchten ein Fischsterben in der Aller.

Von Florian Heintz

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