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Stadt Wolfsburg Filmorchester spielt Goldrausch: Wie in alten Tagen des Kintopp
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Filmorchester spielt Goldrausch: Wie in alten Tagen des Kintopp
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12:00 08.11.2018
„Gold Rush“: Im Scharoun Theater lief der Stummfilm-Klassiker von Charlie Chaplin mit musikalischer Begleitung des Deut­schen Film­or­­chesters Babelsberg. Quelle: Theater
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Wolfsburg

Bereits in seinen frühen Anfängen war der Stummfilm niemals wirklich stumm. Zum Standard gehörten Live-Musikbegleitungen sowie Geräuschemacher und Apparate, mit de­nen man synchron Töne erzeugen konnte zu den Bildern, die auf der Leinwand das Lau­fen gelernt hatten. Diese Atmosphäre aus den Tagen des alten Kintopp breitete sich am Dienstag erneut im Scharoun Thea­ter aus. Im ausverkauften Saal lief mit „Gold Rush“ (Goldrausch) einer der großen Klas­si­ker von Charlie Chaplin, dazu die von ihm ge­­schriebene Musik, gespielt vom Deut­schen Film­or­­chester Babelsberg.

Das Filmorchester gehört zu den wenigen verbliebenen, das trotz unterschiedlicher Na­mensgebung in der Vergangenheit, auf eine fast hundertjährige Tradition zurückblicken kann. In Wolfsburg nicht unbekannt, hat sich der Leiter Helmut Imig erneut als Stumm­filmspezialist erwiesen. Punktgenaue Einsätze und zeitgenaue Tempowahl sind zwar stets eine große Herausforderung für alle Musizierenden, aber Orchester, Diri­gent und Film verschmelzen scheinbar mühelos zu einer künstlerischen Einheit.

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Dass der Stummfilm sich trotz blühenden Thea­terlebens rasant zu einem neuen Kunst­genre entwickelte, daran ist Chaplin maß­geb­lich beteiligt. Sein „Gold Rush“ ist ein Höhepunkt der Stummfilmära, bevor er, trotz aller Skep­sis, auch im Tonfilm neue Maßstäbe setzt. Im „Goldrausch“ verarbeitet Chaplin auf seine unnachahmliche Weise im ver­schneiten Alaska die um 1900 ausgebrochene Goldgräbergier. Aben­teu­er, Groteske, Slapstick, Melodramatik und auch sozialkritische Zeitumstände sind mit un­er­reichter Kameraführung und panto­mimischer Schau­spiel­kunst genial ineinan­der verwoben. Immer wieder aufs Neue be­geis­tert das „Bröt­chen­ballett“, grotesk auch stets der ausge­kochte Schuh als Festtags­braten. Die durch Sturm verrutschte, zur Hälfte über den Abgrund ragende Wohn­hüt­te lässt regel­mäßig den Atem sto­cken, und Chaplin zeigt ohne trü­gerische Senti­men­talität, mit verein­ten Kräf­ten ist das Gleich­gewicht zu halten. Im star­ken Beifall für die musikalische Leistung ist sicher auch eine Verbeugung vor dem Genie Chaplin enthal­ten.

Von Heinz-Werner Kemmling

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