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Stadt Wolfsburg Familie Marinkovic: Perfekt integriert, aber abgeschoben
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Familie Marinkovic: Perfekt integriert, aber abgeschoben
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00:21 28.03.2019
Mit Trainerin Lisa Lachetta (li.): Marko (3), Dijana (31), David (10), Predrag (36), und Marija (7). Quelle: Sebastian Bisch
Teichbreite

David Marinkovic ist Klassensprecher, einer der Besten in Mathe und leidenschaftlicher Fußballspieler beim VfR Nord. Doch seit seine Eltern ein offizielles Schreiben aus dem Briefkasten gezogen haben, ist die Welt des Zehnjährigen ins Wanken geraten: Nach vier Jahren in Deutschland soll die Familie wieder zurück nach Serbien, und dort wartet nichts Gutes.

Monatelang lebte die Familie ohne Strom und Wasser

Davids Vater, Predrag Marinkovic, hatte in Serbien seinen Job verloren, als er eine neue Chefin bekam. Der Grund: Er gehört zu den Roma. Sein Blick des 36-Jährigen ist müde, aber fest, wenn er sagt: „Ich als Rom gelte dort als ,schmutzig’.“ Ein Arbeitslosengeld gab es nicht, monatelang lebte die Familie ohne Strom und Wasser, bevor sie den Bus nach Deutschland bestieg in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.

Seit vier Jahren wird Familie Marinkovic geduldet

Die Hoffnung schien sich zwischenzeitlich erfüllt zu haben. Seit vier Jahren wird die Familie in Deutschland geduldet. Predrag und seine Frau Dijana brachten sich selbst Deutsch bei, er fand einen Job bei einem Wolfsburger Dachdecker-Unternehmen. Inzwischen ist die fünfköpfige Familie kaum noch auf Sozialleistungen angewiesen. Jetzt, da auch das kleinste Kind in der Kita ist, will Dijana Marinkovic wieder arbeiten. Die gelernte Friseurin hat Bewerbungen verschickt und träumt davon, mit einem Halbtagsjob auch zum gemeinsamen Einkommen beizutragen. „Wir brauchen nicht viel“, sagt die 31-Jährige.

Bis 15. April soll die Familie das Land freiwillig verlassen

Das Gerichtsurteil zu ihrem Fall steht noch immer aus, bislang wurde die Familie hier in Deutschland geduldet. Doch damit soll schon bald Schluss sein: Bis Montag, 15. April, sollen die Marinkovics freiwillig das Land verlassen, ansonsten drohen ihnen „aufenthaltsbeendende Maßnahmen“. Nun setzen sie alle die Hoffnung in eine Härtefallkommission.

Kinder würden gehänselt werden

Hat die keinen Erfolg, steht die junge Familie in Serbien wieder vor dem Nichts. Das Durchschnittseinkommen ist abenteuerlich gering, als Rom hat Predrag schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt – und die Kinder würden von anderen gehänselt und ausgeschlossen, weil ihr Vater zu den Roma gehört. David als Ältester erinnert sich noch gut daran, auch deshalb ist er in Tränen ausgebrochen, als seine Eltern ihm erklärten, dass es vielleicht zurückgeht nach Serbien.

Lisa Lachetta: „Noch nie eine Familie gesehen, die so integriert ist“

Auch seine Geschwister sind in Sportvereinen aktiv: Marija (7) macht Judo, und der kleine Marko (3) ist in der Krabbel-Judo-Gruppe. „Ich habe noch nie eine Familie gesehen, die so integriert ist“, erklärt Trainerin Lisa Lachetta vom MTV Vorsfelde. „Die Kinder sprechen akzentfrei Deutsch, die Eltern helfen beim Aufbau und bringen Kuchen mit ... Wenn alle Eltern so wären, würde das uns Trainern die Arbeit sehr erleichtern.“

Lehrer, Mitschüler und Nachbarn haben Briefe geschrieben

Nicht nur sie ist bestürzt darüber, dass die Familie abgeschoben werden könnte. Lehrer, Mitschüler und Nachbarn haben Briefe geschrieben und Unterschriften gesammelt. Marijas Klassenkameraden, die noch zu klein zum Schreiben sind, haben ihr Bilder gemalt; Familie Marinkovic könnte damit bald ein ganzes Zimmer tapezieren. „Wir würden uns so freuen, hier einfach ein normales Leben zu führen“, sagt ihr Vater, der nun doch schlucken muss und den Blick senkt. „Ich weiß nicht, warum wir hier stören.“

Von Frederike Müller

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