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Stadt Wolfsburg Bei Anruf Betrug: Eine Seniorin berichtet
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Bei Anruf Betrug: Eine Seniorin berichtet
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07:50 30.09.2019
Eine Seniorin aus dem Kreis Peine wäre beinahe auf Trickbetrüger hereingefallen. Quelle: dpa
Peine/Wolfsburg

Einen Anruf eines raffinierten Trickbetrügers bekam eine Seniorin aus dem Kreis Peine. Er gab sich als Polizist aus und brachte sie durch geschickte Gesprächsführung dazu, eine große Summe Geld von ihrem Konto abzuheben. Um andere zu warnen, erzählt sie ihre Geschichte in der PAZ. Ihren Namen möchte sie nicht in der Zeitung lesen.

„Ich dachte, mir passiert sowas nicht!“

Im Gespräch wirkt die Frau keineswegs schüchtern oder gutgläubig – im Gegenteil: Selbstbewusst, energisch und strukturiert erzählt sie ihre Geschichte. „Gerade weil ich dachte, mir passiert so etwas nicht, möchte ich an die Öffentlichkeit gehen und andere warnen. Die Betrüger sind so raffiniert, dass man gar nicht gleich merkt, was einem geschieht“, sagt sie.

Doch was war passiert? Eines Tages bekam die 78-Jährige einen Anruf von einem ihr unbekannten Herrn, der sich als Kripo-Beamter ausgab. „Angeblich sei die Polizei einer Einbruchsbande auf der Spur. Einen der Gauner habe sie bereits geschnappt und bei ihm eine Liste mit Adressen für die nächsten Einbrüche gefunden. Auch meine sei dabei gewesen“, berichtet die Seniorin.

Falscher Polizist bat um Mithilfe

Der angebliche Polizist habe sie um ihre Mithilfe gebeten, damit die Bande gefasst werden kann. „Er hat mich zunächst gefragt, ob ich in den zurückliegenden Tagen im Umfeld meines Hauses etwas Ungewöhnliches beobachtet hätte. Sogar eine konkrete Personenbeschreibung eines Mannes hat er mir gegeben. Ich habe aber verneint“, sagt die ältere Dame.

Erstaunliches Wissen

Dann habe er sie mit erstaunlich konkretem Wissen verblüfft. Er wusste, dass sie allein lebt, von ihren Konten bei einem bestimmten Geldinstitut und kannte die Höhe ihres Guthabens. „Angeblich sei eine Bankmitarbeiterin im Verdacht, mit den Gaunern unter einer Decke zu stecken, hat der Anrufer mir gesagt“, erinnert sich die Frau, die sich sogar noch an den Namen erinnern kann, unter dem der vermeintliche Polizist sich gemeldet hat: Er gab sich als „Herr Bergmann“ aus.

Nicht auflegen

Um der Bande auf die Schliche zu kommen, solle sie sofort zur nächsten Filiale ihres Geldinstituts fahren, 20.000 Euro in bar abheben und mit nach Hause nehmen. Sorgen müsse sie sich keine machen: Sie werde zu jeder Zeit beobachtet und beschützt, habe „Herr Bergmann“ ihr versichert. Den Telefonhörer auflegen sollte sie währenddessen nicht. Er hatte sie sogar geschickt darüber ausgefragt, ob und wie ihr Haus gegen Einbruch gesichert ist.

So ist sie mit dem Pkw zur Bank gefahren. „Auf dem Weg habe ich natürlich genau auf die Umgebung geachtet. Mir sind zwei Fahrzeuge mit auswärtigen Nummernschildern aufgefallen, aber ob die mit der Sache in Zusammenhang stehen, weiß ich nicht“, sagt die Rentnerin.

Misstrauische Bankmitarbeiterin

Als sie in der Bankfiliale das Geld abheben wollte, sei sie zunächst darauf hingewiesen worden, dass man das bei so großen Summen eigentlich anmelden müsse. Zudem habe die Mitarbeiterin dort gefragt, ob sie ein neues Auto kaufen wolle. „Das habe ich dann bejaht“, gibt die Seniorin zu.

Geld zunächst versteckt

Zurück in ihrer Wohnung habe sie zunächst das Geld versteckt. „Dann wollte ich das Telefonat wieder aufnehmen, aber es war niemand in der Leitung. Da habe ich aufgelegt und kurzentschlossen die 110 gewählt“, erzählt sie. Sie habe dem „echten“ Polizisten gar nicht viel erklären müssen. „Er hat gesagt, ich soll nicht mehr ans Telefon gehen, und sofort einen Streifenwagen zu mir geschickt. Zum Glück kannte ich eine Polizistin persönlich, sonst hätte mich wohl gar nicht getraut, die Tür aufzumachen“, blickt die 78-Jährige zurück. Während sie auf die Beamten wartete, sei dann tatsächlich mehrmals von ihr unbekannten Nummern angerufen worden.

Ähnliche Anrufe auch bei Nachbarn

Die Polizisten haben dann veranlasst und dafür gesorgt, dass das Geld bei einer Bekannten der Beinahe-Opfers in einem Safe sicher gelagert wurde, bis es wieder zur Bank gebracht werden konnte, denn zu dem Zeitpunkt hatte die Filiale bereits geschlossen.

„Im Nachhinein habe ich erfahren, dass auch einige Nachbarn solche Anrufe bekommen haben wie ich. Auch sie haben den Anrufer als sehr überzeugend wahrgenommen. Zum Glück ist aber offenbar niemand auf ihn hereingefallen“, sagt die Frau – spürbar erleichtert darüber, dass letztlich alles gut ausgegangen ist.

Die Polizei informiert: So gehen Telefon-Betrüger vor

Auch bei der Wolfsburger Polizei ist die Masche, wie sie die Seniorin berichtet, so oder ähnlich sehr gut bekannt: Am Telefon meldet sich eine Person und gibt sich als ermittelnder Polizeibeamter aus. Sie sagt, dass bei einem festgenommenen Einbrecher ein Notizzettel mit dem Namen und der Anschrift des Angerufenen gefunden wurde. Nun wolle die Polizei weitere Straftaten verhindern und andere Komplizen festnehmen. Dazu sei die Mitarbeit des Angerufenen erforderlich.

Geschickte Gesprächsführung

„Der Täter ist in diesem Gespräch sehr geschickt und versucht, Informationen über Bankkonten, Wertanlagen, Schmuck, Vermögensverhältnisse und vorhandene Wertgegenstände zu erlangen“, erklärt Wolfsburgs Polizei-Sprecher Sven-Marco Claus. Mitunter werde –natürlich zum Schutz des Bürgers – auch angeboten, vorbeizukommen und Geld, Schmuck sowie weitere Wertgegenstände abzuholen, um es für einen bestimmten Zeitraum bei der Polizei sicher aufzubewahren.

Vertrauen in Bankmitarbeiter erschüttern

„Auch Hinweise auf eine angebliche Mittäterschaft von Bankmitarbeitern werden immer wieder angeführt. Ziel ist es hierbei, das Vertrauen in Bankmitarbeiter erschüttern“, erklärt Claus. Es sei auch schon vorgekommen, dass während eines Telefonats ein vermeintliches Gespräch von Tätern vorgespielt wird, in dem deutlich Stimmen von Personen zu hören sind, die sich verabreden, Geld von Ihrem Konto abzuheben. Achtung: Hierbei handelt es sich nicht um Polizeibeamte.

Grund zum Misstrauen

„Misstrauisch werden sollte man auch immer, wenn man den Hörer nicht auflegen oder während des Gesprächs mit dem Handy zur Bank gehen und Geld von seinem Konto abheben soll. So kann der Täter sicher sein, dass keine Person des Vertrauens befragt oder die richtige Polizei gerufen wird“, sagt der erfahrene Polizist.

Übrigens: Durch technische Manipulation können die Täter die echte Telefonnummer der Polizei (auch 110) im Display des angerufenen Telefons anzeigen. Dazu der ausdrückliche Hinweis: Die Notrufnummer 110 wird nicht übertragen!

In letzter Zeit wurden auch Fälle bekannt, in denen sich die Betrüger als Staatsanwälte, Bankmitarbeiter oder andere Amtspersonen ausgegeben haben.

Die Wolfsburger Polizei bietet gern für Seniorenkreise oder andere interessierte Gruppen Präventionsveranstaltungen zu diesem wichtigen Thema an. Weitere Infos dazu gibt es unter der Telefonnummer (0 53 61) 464 61 07.

So kann man sich schützen

Die „echte Polizei“ fordert Sie niemals auf, Banküberweisungen oder Bargeld-Abhebungen durchzuführen, um Ermittlungen zu unterstützen.

Seien Sie misstrauisch. Gesundes Misstrauen ist keine Unhöflichkeit. Sie haben immer Zeit für eine Rücksprache mit Angehörigen oder anderen Vertrauenspersonen!

Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen, auch nicht durch angeblich dringende Ermittlungen zu einem Einbruch in der Nähe.

Polizisten in ziviler Kleidung weisen sich mit einem Dienstausweis aus und haben Verständnis dafür, dass man bei der Polizeizentrale nachfragt. Suchen Sie selber die Telefonnummer der Polizei heraus.

Rufen Sie nie über die am Telefon gezeigte Nummer zurück –legen Sie auf! Verständigen Sie bei verdächtigen Vorfällen umgehend die 110!

Von Kerstin Wosnitza

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