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Stadt Wolfsburg Experten diskutierten: Darum brauchen die Wolfsburger Glasfaser
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Experten diskutierten: Darum brauchen die Wolfsburger Glasfaser

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21:58 14.07.2021
Diskussion im Nordkopf-Tower: Vier Experten tauschten sich auf Einladung von WAZ, Wobcom und Stadtwerken über das Thema Glasfaser aus.
Diskussion im Nordkopf-Tower: Vier Experten tauschten sich auf Einladung von WAZ, Wobcom und Stadtwerken über das Thema Glasfaser aus. Quelle: Roland Hermstein
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Wolfsburg

An Glasfaser führt kein Weg vorbei – in diesem Punkt sind sich beim großen Expertenforum von WAZ, Wobcom und Stadtwerken am Dienstag alle Beteiligten einig gewesen. Sie diskutierten im Nordkopf-Tower zudem darüber, inwiefern die Technologie Wolfsburg dabei hilft, eine Smart City zu werden.

Deutschland hängt bei der Digitalisierung hinterher

Christoph Steindorff, Vorsitzender der Digitalen Gesellschaft Wolfsburg (Diges), stellte den Deutschen kein besonders gutes Zeugnis in Sachen Digitalisierung aus: „Unsere Gesellschaft ist noch nicht so weit, wie sie sein müsste“, erklärte er beim Expertenforum. Für ihn ist mit Blick auf den Glasfaser-Ausbau in Wolfsburg klar: „Wir brauchen das, wir sind mit DSL am Anschlag.“

Diges-Vorsitzender Christoph Steindorff: Deutschland hat in seinen Augen Nachholbedarf beim Thema Digitalisierung. Quelle: Roland Hermstein

Entgegen der Überzeugung vieler habe Deutschland beim Thema Digitalisierung den Anschluss längst verpasst – insbesondere die asiatischen Länder seien deutlich weiter. Steindorff sieht darin eine Gefahr: „Wir sind eine Wissensgesellschaft, wir haben keine Rohstoffe. Deshalb brauchen wir flotte Netze.“

Auch in Wolfsburg sei die Überzeugung, dass schnelles Internet notwendig ist, längst nicht in allen Haushalten angekommen: Aktuell wirbt die Wobcom unter anderem in Reislingen Süd-West und am Windberg für den Glasfaser-Ausbau, doch bislang haben nur 16 Prozent der Anwohner einen Anschluss beantragt. Mindestens 40 Prozent sind erforderlich, um die Ortsteile an das Netz anzuschließen. In anderen Ortsteilen wie etwa Neuhaus wurde dagegen die Zielmarke schon zwei Monate vor Fristende deutlich überschritten.

Die Stadtwerke stehen „sehr unter Druck“

Die Stadtwerke, deren Tochtergesellschaft die Wobcom ist, stehen durch den Glasfaser-Ausbau laut Vorstand Frank Kästner „sehr unter Druck“. Denn: Sie haben gemeinsam mit der Wobcom über 60 Millionen Euro in die digitale Infrastruktur investiert. „Wir müssen damit Geld verdienen, um die Summe zu refinanzieren“, betont Kästner. Man sei aber auf einem guten Weg, was die aktuellen Ausbauprojekte zeigten.

Stadtwerke-Chef Frank Kästner: Er hofft, dass sich viele Wolfsburger für einen Glasfaser-Anschluss entscheiden. Quelle: Roland Hermstein

Wie kann es also gelingen, mehr Wolfsburger vom Ausbau zu überzeugen? „Ich denke, an Glasfaser führt über kurz oder lang nichts vorbei“, ist Professor Reinhard Gerndt vom Institut für Informatik der Ostfalia Hochschule überzeugt. Glasfaser ermögliche nicht nur effektives Homeoffice und Homeschooling: Auch für neue Bereiche wie die Telemedizin seien gute Netze unverzichtbar. Glasfaser könnte daher in Zukunft zum Beispiel dabei helfen, dass ältere Menschen möglichst lange zu Hause wohnen können.

Professor Reinhard Gerndt von der Ostfalia: In seinen Augen führt kein Weg an Glasfaser vorbei. Quelle: Roland Hermstein

Der Tenor des Gesprächs: All diejenigen, die aktuell nicht das Gefühl haben, ein schnelleres Netz zu benötigen, könnten ihre Entscheidung gegen Glasfaser später bereuen.

Bis 2023 soll der Ausbau in allen Ortsteilen auf den Weg gebracht worden sein

Aus Sicht von Stadtwerke-Chef Kästner ist schnelles Internet mittlerweile in den „Status der Daseinsvorsorge“ aufgerückt. Bis zum Jahr 2023 solle in den allermeisten Bereichen Wolfsburgs mit dem Ausbau begonnen werden.

Die wenigen Gebiete, in denen es länger dauern könnte, sind in erster Linie die „Grauen Flecken“ mit weniger als 100 Megabit Datenübertragung pro Sekunde. „Wolfsburg ist eine Ansammlung von Dörfern. Da muss man erstmal hinkommen“, bittet Sascha Hemmen, Leiter des Referats Digitalisierung und Wirtschaft der Stadt, um Verständnis. Ganz Wolfsburg mit Glasfaser zu versorgen, sei ein Kraftakt.

Referatsleiter Sascha Hemmen: Er betont, dass es ein Kraftakt sei, ganz Wolfsburg mit Glasfaser zu versorgen. Quelle: Roland Hermstein

Hemmen gestand beim Expertenforum ein, dass es bis zur Smart City noch ein weiter Weg ist. Ihm zufolge sind es jedoch längst nicht nur fehlende technische Voraussetzungen, die die Entwicklung verlangsamen: „Es ist oft auch ein Einstellungsproblem.“ Laut Hemmen müssen alle Beteiligten beim Thema Digitalisierung umdenken und sich noch mehr darauf einlassen: „Da ist noch ein Weg zu gehen, aber wir sind auf dem Weg.“

Von Melanie Köster