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Stadt Wolfsburg Eine links, eine rechts, eine fallen lassen - „Bunte Hunde“ stricken für Obdachlose und Bedürftige
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Eine links, eine rechts, eine fallen lassen - „Bunte Hunde“ stricken für Obdachlose und Bedürftige
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08:00 14.11.2019
Gestrickt werden wärmende Pullover für jede Hundegröße. Quelle: privat
Peine/Wolfsburg/Gifhorn

Klicka-klacka, klicka-klacka macht es im Wohnzimmer von Anja Weber. Fünf Damen sitzen gemütlich auf dem Sofa und stricken. Soweit nichts Besonderes. Aber bei näherem Hinsehen wird deutlich: Die Frauen stricken keine modischen Accessoires oder Pullover für sich selbst – sie arbeiten an Pullis für ganz besondere Vierbeiner.

Facebook-Gruppe: „Bunte Hunde – Kein Hund soll frieren in Peine und Umgebung“

Jetzt, wenn die Nächte wieder kälter werden, beginnt für Obdachlose auf der Straße der Kampf ums Überleben. Viele von ihnen haben einen Hund dabei – nicht selten der einzige soziale Kontakt. Entsprechen gut sorgen die Herrchen und Frauchen für ihr Tier und geben dem tierischen Wegbegleiter im wahrsten Sinne des Wortes das letzte Hemd. Damit aber weder Wohnungslose und Bedürftige noch deren Hunde frieren müssen, hat Anja Weber aus Essinghausen bei Peine die Facebook-Gruppe „Bunte Hunde – Kein Hund soll frieren in Peine und Umgebung“ ins Leben gerufen. Sie und inzwischen 232 Mitglieder unterstützten die Idee. Rund 10 Prozent davon sind aktive Stricker, eine stamme sogar aus Hamburg und eine aus Luxemburg.

Bunte Hunde – Kein Hund soll frieren in Peine und Umgebung“

Spikes Krankheit gab den Startschuss

Angefangen hat alles mit Spike. Den Schäferhund-Hovaward-Mischling haben die Webers vor einiger Zeit aus dem Tierheim geholt. „Er ist ein ehemaliger Obdachlosenhund“, erklärt sein Frauchen Anja Weber. Als Spike krank wurde, habe sie mit einer Tierärztin und einem Hundetrainer gesprochen und es habe sich herausgestellt, dass Obdachlosenhunde meist sehr warm eingewickelt werden, damit sie keinen Leber- oder Nierenschaden entwickeln. Diese wärmende Hülle, an die der Hund gewöhnt war, fehlte ihm nun plötzlich. „Spike war schlichtweg kalt, und da habe ich zum ersten Mal über Hundepullover nachgedacht“, sagt Weber, die derartige Kleidung früher als „Chi-Chi“ bezeichnete, wie sie zugibt. Damit es Spike wieder besser geht, wurden Strickanleitungen für Hundepullover im Internet gesucht und losgelegt. „Der Gedanke, dass es Obdachlosenhunde gibt, denen es ähnlich geht, kam ganz schnell“, erinnert sich die Peinerin.

Nach einem Facebook-Post explodierte das Ganze

„Im Juni 2018 habe ich angefangen Hundepullover zu stricken, und hatte dabei drei Helfer“, schildert Weber. Die wärmenden Überzieher verteilten sie und ihre Mitstrickerinnen dann im Winter in Hannover an Obdachlose mit Hund. „Eine Freundin postete das bei Facebook, und dann explodierte das Ganze. Ich bekam sehr viel Unterstützung und Zuspruch“, so die Initiatorin. Inzwischen gehören zur Facebook-Gruppe 232 Mitglieder, und in diesem Jahr wurden schon weit über 200 Teile gestrickt. Das „Sortiment“ geht inzwischen über Pullover hinaus. „Wir stricken auch Hundeloops, Socken und Decken“, erklärt Mitstrickerin Petra Treuter und arbeitet dann gleich wieder an der Decke weiter, die sie gerade am Wickel hat. Sogar anspruchsvolle Stücke wie Regenjacken für Hunde werden angefertigt, mit warmem Innenfutter und wasserabweisender Hülle.

Strickereien auch für Herrchen und Frauchen

Mit der Sorge um die Hunde auf der Straße hat die Aktion begonnen, inzwischen arbeiten die Hobby-Strickerinnen aber auch für die Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben. „Wir stricken oder häkeln auch Schals, Mützen, Socken und Armstulpen, die ebenso gerne und dankbar angenommen werden wie die warme Kleidung für Hunde“, erklärt Weber.

Dienstags ist Stricktag

Die Gruppe besteht jedoch nicht nur im Internet. Immer dienstags ab 14 Uhr trifft man sich in Webers Wohnzimmer zum gemeinsamen Stricken. „Wir sind eine lustige, bunt zusammengewürfelte Truppe. So kann man nebenbei mal ein bisschen quatschen, sich gegenseitig helfen und neue Ideen austauschen“, so Carmen Gutberlet. Es klingelt. Vor der Tür steht Ulrike Budimann mit Strickzeug und einer Tüte fertiger Pullover. So sei das dienstags immer – ein stetes Kommen und Gehen.

Hilfe für Obdachlose in Wolfsburg, Gifhorn und Peine

Die Zahl der Wohnungslosen in Deutschland ist Schätzungen zufolge 2018 um mehr als 27000 Menschen auf insgesamt 678000 Personen angestiegen. Die neuen Daten veröffentlichte die Bundesarbeitsgemeinschaft (BAGW) Wohnungslosenhilfe Anfang November. Während der Anteil der wohnungslosen Geflüchteten um 6 Prozent stieg, nahm die Zahl der Wohnungslosen im Hilfesystem um 1,2 Prozent zu. 

Wolfsburg

Tagesaufenthalt – Tagestreff „Carpe Diem“ (Poststr. 39, Wolfsburg), 05361-291314 - Angebote: Getränke, Frühstück, Mittagessen, Trockner, Waschmaschine, Duschmöglichkeiten, Freizeitgestaltung, Persönliche Hilfe, Medien-Information.

Kleiderkammer des DRK-Ortsverein Wolfsburg-Mitte, Walter-Flex-Weg 12. Öffnungszeiten: Montag von 14 bis 16 Uhr, Dienstag von 13 bis 15 Uhr, Mittwoch von 12 bis 14 Uhr und Donnerstag von 10 bis 12 Uhr.

Gifhorn

Örtliche Übernachtung der Stadt Gifhorn, Kiebitzweg 24, (05371) 3731. Zur Übernachtung muss man sich zwischen 17 und 21 Uhr dort einfinden. Die Übernachtung kostet 80 Cent.

Tagestreff „Moin, Moin!“, Braunschweiger Str. 56, 05371/17286. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 9 bis 14 Uhr, Samstag und Sonntag 9 bis 13 Uhr. Frühstück 1,20 Euro, Mittagessen 1,80 Euro, Getränk 50 Cent, Körper- und Kleiderpflege, Waschmaschinen- und Trocknernutzung je 1 Euro.

Diakonische Heime in Kästorf e.V. Hauptstr. 51, Stationäre Wohnungslosenhilfe, Tel: (05371)721-424, rund um die Uhr.

Kleiderkammer Rotes Kreuz, Im Weilandmoor 5, 38518 Gifhorn, Telefon: (05371)150695. Öffnungszeiten: Montag und Mittwoch 13 bis 16 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9 bis 12 Uhr. Kosten pro Kleidungsstück: 1 bis 10 Euro - je nach Art und Qualität.

Peine 

Ambulante Hilfe Peine, Werderstraße 45, Peine, Telefon: (05171)769800. Sprechzeiten: Montag und Donnerstag 9 bis 12 Uhr und nach Vereinbarung. Bietet die Möglichkeit zum Klönen und Kaffeetrinken, Wäsche waschen und trocknen.

Die Stadt Peine hält Unterbringungsplätze in den städtischen Unterkünften im Lehmkuhlenweg und in der Fritz-Stegen-Allee bereit. Die Anzahl an Unterbringungsplätzen werden an den Bedarf angepasst. „Wer akut betroffen ist, kann in der städtischen Unterkünfte Lehmkuhlenweg 27 jederzeit einen Schlafplatz für die Nacht erhalten“, erklärt Stadtsprecherin Stephanie Axmann.

Mitstreiter sind jederzeit willkommen

Freuen würde sich die Truppe über weitere Mitstricker. Immer gebraucht werden auch Woll- oder Stoffspenden. „Wer Wolle übrig hat – wir benötigen allerdings nur Acryl- oder Sockenwolle, weil nur sie wärmt – oder Stoffe, der kann sie uns gerne zukommen lassen“, sagt Anja Weber. Kontakt könne man per E-mail unter hundepullover2@gmail.com aufnehmen.

Im Januar will die Gruppe wieder nach Hannover und Braunschweig fahren und dort die Strickwaren an Obdachlose und Bedürftige verteilen. Daneben werden die Werke auch bei der Peiner Tiertafel (Fritz-Stegen-Allee, Tierheim) an Bedürftige abgegeben. Die nächste Tafel findet am 21. November statt.

Von Kathrin Bolte

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