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Stadt Wolfsburg Gefährliche Raupe macht sich im VW-Bad breit
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Gefährliche Raupe macht sich im VW-Bad breit
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00:21 20.06.2019
Nest am Eichenstamm: Uwe Klimasch hat in diesem Jahr am Hageberg einen besonders straken Befall mit Eichenprozessionsspinner-Raupen festgestellt. Quelle: Sebastian Bisch
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Wolfsburg

Der Eichenprozessionsspinner ist in Wolfsburg ganz eindeutig auf dem Vormarsch. Nachdem als erstes die Wendschotter Alarm geschlagen haben, kommen die Beschwerden über die Raupe mittlerweile fast aus dem gesamten Stadtgebiet. Ein Ort, an dem man sich die Raupen mit ihren giftigen Brennhaaren wohl am wenigsten wünscht, ist das VW-Bad. Doch auch dort hat sich der Spinner nun breit gemacht.

Acht große Eichen im VW-Bad befallen

Das VW-Bad hat dadurch dieser Tages eine Art Baustellen-Look. Rotes Flatterband soll die Besucher von den befallenen Bäumen fernhalten. Acht große Eichen sind auf dem Gelände betroffen. „Damit es zu keinem gesundheitliches Risiko für Besucher kommen kann, wurden die Eichen großflächig abgesperrt und am Eingang des Bades auch über Aushänge auf den Befall hingewiesen“, sagt Stadtsprecherin Elke Wichmann. Eine Schädlingsbekämpfungsfirma soll sich nun schnellstmöglich um die erkennbaren Nester kümmern und diese absaugen.

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Stadt lässt bisher nur absaugen

Mit dieser Strategie will die Stadt auch in Zukunft vorgehen. „Bei befallenen Eichen in gut frequentierten öffentlichen Bereichen erfolgt die Bekämpfung durch das Absaugen der Nester. Die Beseitigung akuter Gefahrenquellen steht für die Stadt Wolfsburg im Vordergrund“, so Wichmann. Die Stadt rät, befallene Gebiete zu meiden und gegebenenfalls vorhandene Hinweisschilder zu beachten.

Was den Eichenprozessionsspinner so gefährlich macht

Beim Eichenprozessionsspinner handelt es sich um ursprünglich eine aus Südeuropa stammende Schmetterlingsart. Er kommt mittlerweile bundesweit in Eichen- und Mischwäldern vor. Aber auch Allen, Waldränder und sogar einzelne Bäume werden von dem Schädling befallen. Der Falter des Eichenprozessionsspinners selbst ist ungefährlich, doch die feinen Haare der Raupen sind für den Menschen gesundheitsgefährdend. Denn die sogenannten Brennhaare enthalten ein Nesselgift, das bei Berührung mit der Haut Juckreiz, Bläschen und Ausschläge auslösen kann, die tagelang anhalten können. Seltener sind Reizungen der Atemwege. Hier kann es zu Husten, Atemnot und Asthma kommen. Gelangt das Nesselgift ins Auge, kann das zu Rötungen und sogar einer schmerzhaften Bindehautentzündung führen. Die feinen Härchen können auch allergische Schockreaktionen auslösen.

Die Raupen der Eichenprozessionsspinner richten aber auch forstwirtschaftliche Schäden an. Denn im Frühjahr können Sie einzelne Eichen und auch ganze Eichenbestände kahl fressen. Etwa im April und im Mai sind die Larven im dritten von sechs Stadien und bilden dauerhaft Brennhaare aus. Die Zeit von Ende Mai bis Anfang Juli ist allerdings für den Menschen gefährlicher. Denn dann verlieren die Tiere viele ihrer Härchen, die vom Wind verbreitet werden. Eine weitere Gefahrenquelle sind alte Nester aus den Vorjahren. In ihnen haben sich bereits Brennhaare gesammelt, die bis zu drei Jahre lang gefährlich bleiben. Ein einziger Windstoß genügt, um die feinen Härchen über hundert Meter weit in der Luft zu verbreiten.

Bei EPS-Befall in der Nähe von Wohngebieten könne es nötig sein, Bekämpfungsmaßnahmen zu ergreifen. Für die Durchführung sei dann der Grundstückseigentümer verantwortlich. „Bei Fragen zu diesem Thema sollte das Servicecenter unter der Behördenrufnummer 115 oder per E-Mail servicecenter@stadt.wolfsburg.de kontaktiert werden“, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt aus dem Mai.

Starker Befall auch am Hageberg

Uwe Klimasch hat genau das getan. Bei seinen Touren um die beiden Teiche am Hageberg hat er in diesem Jahr besonders starken Befall ausgemacht. „Fast jede zweite Eiche ist betroffen, das war in der Vergangenheit noch nicht so schlimm“, schildert er. Am Abend sähe man die Raupen sogar teilweise über die Wege ziehen.

Die gefräßige Raupe mit ihren giftigen Brennhaaren macht sich überall im Stadtgebiet breit.

Das Wetter trägt zu den Gefahren für die Menschen bei. „Jetzt wo es so windig war, fliegen die Haare überall um“, so Klimasch. Er selbst hat die Folgen in Form von Juckreiz und Rötung schon zu spüren bekommen. „Und man sieht hier auch immer mehr Jogger mit roten Pusteln“, erzählt er.

Noch keine Maßnahmen am Hageberg

Abgesperrt wie im VW-Bad ist trotz Klimasch Hinweis an die Stadt am Hageberg noch nichts. Auch Warnschilder fehlen, vom Absaugen ganz zu schweigen. „Die Stadt kommt wahrscheinlich einfach nicht hinterher“, zeigt Klimasch Verständnis.

Negativbeispiel: Landkreis Gifhorn

Was der Prozessionsspinner langfristig anrichten kann, sieht man vor allem im Landkreis Gifhorn in der Samtgemeinde Brome. Dort musste die Raupe in diesem Jahr aufgrund schwerwiegender Gefahren für die Bevölkerung aus der Luft mit Gift bekämpft werden.

Noch keine ernste Gefahr für die Stadtforst

Große Teile des Eichenwaldes im Bereich Rühen und Parsau wurden allerdings schon nachhaltig beschädigt. So weit ist es in Wolfsburg noch nicht, machte unlängst Stadtförster Dirk Schäfer bei der Sitzung des Ortsrats Nordstadt deutlich. Zwar seien im gesamten Eichenwaldbestand Bäume befallen, „aber aus forstwirtschaftlicher Perspektive wollen und können wir noch nichts tun“, erklärte Schäfer.

Sind Sie auch betroffen?

Wer im Wolfsburger Stadtgebiet weitere Gebiete mit starkem Eichenprozessionsspinner-Befall entdeckt, kann dies gerne der WAZ mitteilen. (redaktion@waz-online.de)

Die Entwicklung im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner

30. Mai 2019 : Allergien – Gesundheitsamt Wolfsburg warnt vor Eichenprozessionsspinnern

14. Mai 2019: RühenEPS: Auch nach Besprühung keine Entwarnung

13. Mai 2019: Kampf gegen Eichenprozessionsspinner gestartet

11. Mai 2019: EPS-Bekämpfung mit dem Hubschrauber auf 21 Routen

10. Mai 2019 Kostenexplosion und Waldschäden in Wolfsburg - Hiobsbotschaften für den Ortsrat Stadtmitte

10. Mai 2019: Eichenprozessionsspinner-Bekämpfung: Gesundheitsrisiken gering

9. Mai 2019: Wetter bestimmt Zeitpunkt der Helikopter-Einsätze

8. Mai 2019: Helikopter-Einsätze erst am Montag

3. Mai 2019: Bekämpfung aus der Luft startet nächste Woche

30. April 2019: Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners beginnt

27. April 2019: Kreis beteiligt sich an Bekämpfungskosten

12. April 2019: So kämpft der Kreis Gifhorn gegen die Raupe

11. April 2019: RühenKleine Raupe sorgt wieder für großen Ärger

29. März 2019: Eichenprozessionsspinner: Petition mit 7000 Unterschriften übergeben

25. Februar 2019: Eichenprozessionsspinner: Landtags-Petition zu den Kosten kann starten

23. Februar 2019: Prozessionsspinner: Noch wenig Bewusstsein für das Raupenproblem

20. Februar 2019: Eichenprozessionsspinner: Grüne im Landkreis Gifhorn für das Absaugen

17. Februar 2019: Eichenprozessionsspinner: Grüne sehen Minister in der Pflicht

14. Februar 2019: Info-Abend – Prozessionsspinner bewegt auch die Wendschotter

10. Februar 2019: Rühener sammeln Unterschriften gegen Eichenprozessionsspinner

8. Februar 2019: Eichen in Parsau dürfen bald gefällt werden

1. Februar 2019: Land zahlt nicht für Kampf gegen Eichenprozessionsspinner

4. Januar 2019: Parsau und Rühen warten jetzt aufs Land

8. November 2018: In FFH-Gebieten keine Bekämpfung aus der Luft

3. September 2018: Rühen bekommt Hilfe im Kampf gegen Raupe

9. August 2018: Pflanzenschutzmittel gegen Eichenprozessionsspinner

25. Juli 2018: Natürliche Feinde sollen gegen Prozessionsspinner helfen

19. Juli 2018: Neuer Antrag auf Bekämpfung aus der Luft

7. Juli 2018: Umweltminister sieht sich Situation in Giebel an

22. Juni 2018: Weyhäuser Weg bei Wolfsburg - Keine Chance für Eichenprozessionsspinner

14. Juni 2018: Wolfsburger Behörden-Wirrwarr – Eichenprozessionsspinner: Zuständigkeits-Wirrwarr bei Stadt

24. Mai 2018: Eichenprozessionsspinner: – Strecke für Volkstriathlon muss verändert werden

2. August 2012: Gefährlicher Prozessionsspinner: Wolfsburger Stadtverwaltung lässt alle Raupen-Nester absaugen!

Von Steffen Schmidt