Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Stadt Wolfsburg „Die Kinder müssen sich im Wasser sicher fühlen“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg „Die Kinder müssen sich im Wasser sicher fühlen“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:23 01.07.2019
Gibt seit mehr 55 Jahren Schwimmunterricht: Klaus Ruthenberg aus Müden/Aller. Quelle: Hilke Kottlick (Archiv)
Wolfsburg / Gifhorn

Helga und Klaus Ruthenberg aus Müden/Aller im Kreis Gifhorn arbeiten ehrenamtlich – seit 55 Jahren stehen sie während ihrer Freizeit im Sommer im Wasserbecken.

Beide Profis machen sich seit Jahrzehnten stark für den Schwimmunterricht von Kindern. Beiden liegt die Sicherheit der Mädchen und Jungen am Herzen, beide Schwimmlehrer wurden deshalb für ihren Einsatz mit dem Bundesverdienstkreuz zur Zeit von Bundespräsident Roman Herzog geehrt.

Viele Kinder ertranken früher in der Aller

Ruthenbergs berichten Hintergründe für ihr Engagement. Danach ertranken früher in der Aller zahlreiche Kinder. Ganz Müden hatte sich daraufhin vor nunmehr 51 Jahren stark gemacht für den Bau eines Lehrschwimmbeckens an der dortigen Grundschule.

Ruthenbergs gehörten dazu – seit Fertigstellung des Lehrschwimmbeckens verbringen beide dort auch heute noch etliche Sommerstunden, um Grundschulkinder erst an das Wasser zu gewöhnen und ihnen im Anschluss die Prüfung des Seepferdchens abzunehmen. Und das mit einem Erfolg, der schöner nicht sein kann – denn seit dieser Zeit sind keine Kinder mehr zu beklagen, die in der Aller ertrunken sind, wie sie berichten. Der Grund dafür liegt auf der Hand, denn es galt und gilt den Ruthenbergs zufolge auch heute noch der Grundsatz, dass „kein Schüler diese Grundschule als Nichtschwimmer verlässt“.

Im Spaßbad lernt kein Kind ausdauerndes Schwimmen

Die Freibad-Saison läuft längst. Kinder und Jugendliche tummeln sich in den Schwimmbädern. Allerdings: „Schwimmen zu lernen hat offenbar nicht mehr den Stellenwert wie früher“, sagen Ruthenbergs mit Blick auf die Spaßbäder. Dort könnten die Badenden zwar rutschen und toben, „ausdauerndes Schwimmen lernen sie dort aber nicht“, ist das Ehepaar überzeugt. Seit dem Jahr 1964 erteilt Klaus Ruthenberg Kindern Schwimmunterricht. Erwachsene nehmen seiner Erfahrung zufolge kaum an Schwimmkursen teil, „sie schämen sich und möchten nicht zugeben, dass sie nicht schwimmen können.“ Das bestätigt sein Frau: „Das ist so ähnlich wie bei manchen Analphabeten.“

Schwimmen lernen ist wichtig – und der Erwerb von Abzeichen kann auch noch Spaß machen. So zu erleben im Lehrschwimmbecken an der Grundschule Müden.

Dabei hat Klaus Ruthenberg als Schwimmlehrer jetzt dieses Ruder eigentlich an die Familie von Tore Kisser aus Müden übergeben, wie er berichtet. Diese Familie macht sich Ruthenberg zufolge auch ehrenamtlich von Montag bis Donnerstag stark für den Schwimmunterricht. Pro Kursus nehmen dabei laut Helga Ruthenberg zwölf Kinder teil, die stets von fünf bis sechs Erwachsenen und Jugendlichen unterrichtet werden. Das sind zwei, höchstens drei Kinder pro Trainer. Fällt bei der Familie Kisser allerdings mal jemand aus, springt Ruthenberg nach wie vor ins Wasser, um den Kindern Sicherheit und Spaß im Schwimmbecken zu vermitteln. Helga Ruthenberg steigt nicht mehr so häufig ins Becken – „ich kümmere mich um den organisatorischen Kram der Schwimmkurse und bin von Außen Klugscheißer“, schmunzelt sie.

Der Anspruch der ehrenamtlichen Lehrer: Kein Kind sollte die Grundschule als Nichtschwimmer verlassen Quelle: Fotolia/Paulussen

Schwimmunterricht in Schulen ist kaum zu leisten

Angesichts der steigenden Zahl von Nichtschwimmern diesen Unterricht in der Schule anzubieten, ist laut Helga Ruthenberg kaum möglich. Darf ein Lehrer zeitgleich doch nur zwölf Schüler im Becken unterrichten, wie sie weiß. Die anderen Schüler müssten so lange am Rand warten, bis getauscht wird. „Die machen dort Quatsch, denn es fehlt eine zusätzliche Betreuung“, sagt Helga Ruthenberg. Und sie weiß als ehemalige Schul- und nach wie vor als aktive Schwimmlehererin genau: „Dieser personelle Kraftakt mit zwei Kräften ist von den Schulen kaum zu leisten.“

Wichtige Wassergewöhnung

„Die Wassergewöhnung ist zu Anfang das Wichtigste“, beschreibt Klaus Ruthenberg Anfänge des Unterrichts. „Die Kinder müssen sich im Wasser sicher fühlen, damit sie keine Panik bekommen“. Sein Tipp hier für Eltern: „Im Waschbecken das Tauchen üben – nach einer Münze.“ Genauso rät er Eltern, zu Anfang mit den Kindern immer nur Spaß im Wasser zu haben und sie „niemals gegen ihren Willen ins Becken zerren“.


DLRG-Ortsgruppe Wolfsburg wacht am Allersee

„Jährlich ertrinken in Europa mehr als 37.000 Menschen – weltweit laut einer WHO-Studie aus dem Jahr 2015 sind es fast 400.000 Menschen.“ Und das ist laut Nina Meier von der DLRG-Ortsgruppe Wolfsburg zu vergleichen mit einer deutschen Großstadt. „Ertrinken ist weltweit die zweithäufigste Todesursache bei Kindern im Alter von fünf bis 14 Jahren“, informiert sie. Die DLRG setze sich angesichts dieser erschreckenden Zahl auch international für bessere Sicherheitsstandards ein.

„Schwimmabzeichen haben für Kinder und für Erwachsene immer noch einen hohen Stellenwert“, sagt sie weiterhin. Aus ihrer Sicht gehe aber die Qualität vor Quantität. „Wir wollen sichere Schwimmer ausbilden.“ Die DLRG in Wolfsburg bietet laut Nina Meier Kurse vom Nichtschwimmer bis zum Rettungsschwimmer an und darüber hinaus gibt es Kurse wie das Baywatch-Projekt, bei dem Schüler für den Wasser-Rettungsdienst ausgebildet werden. Die DLRG-Aktive nennt die Voraussetzungen für die Teilnahme an den Kursen: „Anmelden, Mitglied werden, richtiges Alter – die Schwimmausbildung ist aber erst etwas für Kinder ab sechs Jahren.“ Auch für Erwachsene biete die DLRG Schwimmkurse an, laut Nina Meier „dreimal pro Woche – Montag, Dienstag und Donnerstag“.

Abschließend nennt sie Einsatz-Zahlen vom Allersee in Wolfsburg: So habe es aktuell zehn Erste Hilfe- und zwei Technische Hilfeleistungen gegeben. „Aktuell ist 2019 das Einsatzaufkommen entspannter als 2018“, meint sie und fasst zusammen: „Die Besucher am Allersee verhalten sich vorbildlicher als in den Vorjahren.“ Allerdings verweist sie auch auf „teilweise aggressives Verhalten der Menschen den Einsatzkräften gegenüber“. Nähere Infos gibt es für Interessierte unter Mail: gstl@wolfsburg.dlrg.de

Von Hilke Kottlick

Die Möglichkeiten des neuen Mobilfunkstandards 5G werden in der Region Braunschweig-Wolfsburg erprobt und millionenschwer gefördert. Davon profitiert vor allem Volkswagen – der Privatnutzer hat erstmal keinen Vorteil von der 5G-Modellregion.

30.06.2019

Der Klimawandel macht keine Ferien. Und so sind die jungen Leute in der Region Gifhorn, Peine und Wolfsburg auch in den kommenden Wochen aktiv, um auf Umweltprobleme hinzuweisen.

27.06.2019

„Bewerbung to go“ – einfach Wunschberuf ankreuzen und Postkarte abschicken. Mit einer außergewöhnlichen Aktion kämpft das Wolfsburger Klinikum gegen den Fachkräftemangel. Mit beachtlichem Erfolg.

30.06.2019