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Stadt Wolfsburg Des einen Freud, des andern Leid: Die Rückkehr der Wölfe
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Des einen Freud, des andern Leid: Die Rückkehr der Wölfe
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06:05 26.06.2019
Die Rückkehr der Wölfe löst gemischte Gefühle aus. Quelle: dpa
Peine/Gifhorn/Wolfsburg

Seit einiger Zeit leben in unserer Region wieder Wölfe. Die Meinungen dazu sind geteilt: Naturschützer freuen sich sehr über die Entwicklung, Nutztierhalter hingegen sind in Sorge um ihre Weidetiere. Was kann man tun, damit eine für alle akzeptable Koexistenz möglich ist? Wir haben nachgefragt.

„Die Konfliktlinien verlaufen vor allem dort, wo es zu Nutztierübergriffen und -schäden kommt“, macht Helmut Dammann-Tanke, Präsident der Landesjägerschaft, deutlich. Schnell wird dann von einer „Regulierung des Wolfsbestandes“ gesprochen. Hinter der beschönigenden Umschreibung verbirgt sich der Abschuss.

Nabu: Mit Wölfen leben lernen

Umweltschützer wie der Nabu werben dafür, mit Wölfen leben zu lernen, denn aus ihrer Sicht ist die Wiederansiedlung einer der größten Erfolge. „Mit einer Regulierung des Wolfsbestandes ist keinem einzigen Schäfer geholfen. Wir erwarten von Bund und Ländern vielmehr eine grundsätzlich stärkere Förderung der extensiven Weidetierhaltung, um die Schäfer und Tierhalter langfristig zu unterstützen“, sagt Nabu-Präsident Olaf Tschimpke.

Zäune, Hunde, Esel und Lamas sollen Weidetiere schützen.

Mögliche Schutzmaßnahmen seien die vollständige Einzäunung der Herde mit stromführenden so genannten „Euronetzen“, die bis zum Boden reichen, damit Wölfe sich nicht unter dem Hindernis durchgraben können oder der Einsatz von Herdenschutzhunden. Wölfe würden kämpferische Auseinandersetzungen meiden, um selbst keine Verletzungen zu riskieren. Einen ähnlichen Effekt soll es haben, wenn Esel oder auch Lamas mit den Weidetieren gehalten werden.

In Deutschland gibt es 300 Wölfe

Doch Herdenschutzmaßnahmen sind nicht überall umzusetzen. Schwierig ist es zum Beispiel an Deichen. „Auch für viele Wanderschäfer, die mit ihren Tieren eine gleichermaßen wichtige wie wertvolle Arbeit zum Schutz der Artenvielfalt leisten, sind Zäune nicht realisierbar“, wirft Dammann-Tanke ein. Problematisch werde es auch dort, wo es zu Rissen von ausgewachsenen Rindern komme.

Diese Einschätzung teilt Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers. Probleme gebe es überall, wo der Wolf auftaucht, und man gehe von einem Gesamtbestand in Deutschland von mehr als 300 Tieren aus. „Das sind so viele wie in ganz Schweden“, rechnet er vor. Viele Nutztierhalter seien zutiefst enttäuscht, weil sie sich mit ihren Sorgen allein gelassen fühlen. „Ihnen wird Unterstützung zugesagt, die Umsetzung scheitert jedoch an mangelnder personeller Ausstattung der Wolfsbüros und auch an bürokratischen Hürden“, sagt Ehlers.

Schutzmaßnahmen kosten Geld

Wolfsabweisende Schutzzäune und Herdenschutzhunde seien momentan für Weidetierhalter die einzige Möglichkeit, ihre Tiere zu schützen. Beides kostet jedoch viel Geld und die Bearbeitungsdauer ist viel zu lang. Seit das Land die Förderung für wolfsabweisende Schutzzäune auf 100 Prozent erhöht hat, haben seinen Informationen zufolge 378 Weidetierhalter Anträge gestellt. Doch es wurden erst 63 davon positiv entscheiden, drei hätten einen Ablehnung erhalten – der Rest ist noch in Bearbeitung.

Frust bei Weidetierhaltern

Viele kleinere Weidetierhalter gäben daher auf. „Wer Tiere auf der Weide sehen will, muss für eine schnelle Genehmigungsstruktur sorgen“, macht Jörn Ehlers deutlich. Langfristig sei zu befürchten, dass Weidehaltung zumindest in den von Wölfen besiedelten Regionen verschwinden wird. Ehlers kritisiert, dass Wolfsschützer mit der Empfehlung zum Zaunbau Weidetierhaltern die gesamte Bürde der Wolfsabwehr überlassen. „Die Tierhalter machen aber die Erfahrung, dass sie mit immer höheren Zäunen immer weiter ,nachrüsten’ müssen“, sagt er.

Politik ist gefordert

„Ein möglichst konfliktarmes Nebeneinander von Wolf und Mensch zu ermöglichen, ist Aufgabe der Politik“, betont Dammann-Tanke. Aus Sicht der Jäger werde die Notwendigkeit, in Zukunft auch Wölfe regulieren zu können, angesichts des Populationswachstums und zunehmender Konflikte immer deutlicher. Ebenso sei es wichtig – und auch von zentraler Bedeutung für die Akzeptanz der Tierart Wolf – einen rechtssicheren und praxistauglichen Umgang zur Tötung von auffälligen Wölfen herzustellen.

Gesellschaftliche Erwartungshaltung

Dammann-Tanke erkennt hier eine gesellschaftliche Erwartungshaltung und beobachtet, dass sich zunehmend auch Bundes- oder Landepolitiker dafür aussprechen. Er plädiert dafür, den internationalen und nationalen Schutzstatus anzupassen und Wölfe ins Jagdrecht zu überführen.

Auch das Landvolk vertritt diese Position: „Der Wolf hat keine natürlichen Feinde, deshalb fordern wir ein aktives Wolfsmanagement, das einen Abschuss einzelner Tiere und sogenannte wolfsfreie Zonen beinhaltet“, sagt Ehlers.

So viele Wölfe gibt es in Niedersachsen

Das sogenannte Wolfmonitoring – also die Erfassung der Bestände dieser Tierart – wird von der niedersächsischen Landesjägerschaft sehr sorgfältig durchgeführt. Quasi tagesaktuell kann über die Zahlen Auskunft gegeben werden. Derzeit sind in Niedersachsen 22 Wolfsrudel, drei Wolfspaare und drei residente Einzelwölfe offiziell nachgewiesen. Resident bedeutet hier bleibend oder standorttreu. Das jährliche Wachstum der nachgewiesen Wolfsterritorien beträgt bundesweit etwa 30 Prozent.

Auch über Ereignisse, in die Wölfe verwickelt waren, wird Buch geführt. Im Monitoring-Jahr 2018/2019, das am 30. April geendet hat, wurden 261 Nutztierschäden an das offizielle Wolfmonitoring gemeldet, in 135 Fällen wurde der Wolf zweifellos als Verursacher festgestellt, dabei wurden 351 Nutztiere durch den Wolf getötet.

Bei den Totfunden waren 21 Verkehrsopfer zu verzeichnen, ein weiterer Wolf wurde illegal durch einen Schuss getötet.

Von Kerstin Wosnitza

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