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Stadt Wolfsburg Der Sohn stirbt in Wolfsburg – und niemand informiert die Familie in Italien ...
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Der Sohn stirbt in Wolfsburg – und niemand informiert die Familie in Italien ...
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18:11 14.11.2019
Wolfsburg, Canio Lancellotti zeigt Ausweis des verstorbenen Sohnes Nicola, Quelle: Boris Baschin
Wolfsburg

Man kann wohl kaum nachempfinden, wie sich Canio Lancellotti momentan fühlt. Mit Tränen in den Augen sitzt er in der Redaktion der WAZ und erzählt vom Tod seines erst 30-jährigen Sohnes Nicola. Doch zu Trauer und Ohnmacht mischt sich noch ein weiteres Gefühl: Wut. Der 58-Jährige aus dem kleinen italienischen Dorf Oppido Lucano erfuhr erst nach gut zehn Tagen von dem Verlust. Keine Behörde hatte ihn benachrichtigt. Erst als er selbst aktiv wurde, erfuhr er von dem tragischen Schicksalsschlag.

Von Berlin über Italien nach Wolfsburg

Canio Lancellotti kommt 1979 nach Deutschland, rund 15 Jahre betreibt er in Berlin Zehlendorf ein Restaurant. 1989 kommt Sohn Nicola zur Welt, zwei weitere Kinder folgen. 2004 treibt es Canio zurück in sein Heimatdorf. Sohn Nicola ist damals 15 Jahre alt, kennt nur Deutschland. Es zieht ihn als jungen Mann schnell wieder zurück. Über einen Freund der Familie, Jacques Mehde, fasst Nicola in Wolfsburg Fuß. Zuletzt arbeitete er fest bei VW.

Arbeitskollegen geben Hinweis

Seine Kollegen aus dem Werk sind es letztlich auch, die dafür sorgen, dass er am 29. Oktober – da ist Nicola zwei Tage tot – in seiner Wohnung in der Porschestraße aufgefunden wird. „Sie haben sich Sorgen gemacht, weil er zwei Tage unentschuldigt bei der Arbeit gefehlt hat. Er war sonst nie krank“, sagt Jaques Mehde. Vom natürlichen Tod Nicolas ahnen Jaques und auch die Familie in Italien da noch nichts.

Todesnachricht nur durch eigene Recherchen

Die Sorgen in Italien werden größer. Zu lange hat man nichts vom Sohn gehört. Also versucht es Canio über das Internet. Auf Facebook schreibt sucht er Freunde seines Sohnes und schreibt sie an. Schließlich meldet sich ein Kollege und überbringt ihm die schreckliche Nachricht. Zu diesem Zeitpunkt ist Nicola schon zehn Tage tot.

Reisepass lag den Behörden vor

In diesem Wohnhaus starb der 30-Jährige Ende Oktober. Quelle: WAZ Redaktion

Familie kann erst nach mehr als zehn Tagen Abschied nehmen

Die Familie macht sich einen Tag nach der tragischen Nachricht auf den Weg nach Wolfsburg. Mehde hat inzwischen Wohnungsschlüssel und Handy bei der Stadt abgeholt, die Polizei hatte die persönlichen Sachen dort hinterlegt. Erst mehr als zehn Tage nach seinem Tod können die Eltern ihren Sohn sehen. Seine Leiche liegt bei einem Bestattungsunternehmen. „Er war es, aber nach so vielen Tagen sieht ein Mensch anders aus“, berichtet Canio und die Tränen kommen ihm erneut. „Der Bestatter sagte, ein paar Tage länger, und er wäre anonym bestattet worden“, schildert er das Unvorstellbare.

Polizei gab den Fall an das Rathaus weiter

Wie konnte es dazu kommen? Die Polizei versichert auf WAZ-Nachfrage, den Fall an die Stadt Wolfsburg weitergeleitet zu haben. „Das ist so üblich, wenn wir nicht sofort über das Melderegister Angehörige ausmachen können“, sagt Polizeisprecher Sven-Marco Claus. Von dort aus hätte im Normallfall das Italienische Konsulat benachrichtigt werden. Dieses kümmere sich dann um die Benachrichtigung der Angehörigen, schildert Claus den Vorgang.

Italienisches Konsulat empört: Auch sie wurden nicht informiert

Doch dort kam die Nachricht offenbar nie an – bis zum 8. November, als die Lancellottis schon in Wolfsburg waren. „Wir sind bedauerlicherweise erst von Arbeitskollegen des Toten informiert worden, als die Familienangehörigen bereits auf den Weg nach Deutschland waren. Wir können uns nicht erklären, warum das Konsulat von keiner amtlichen Stelle eingeschaltet wurde, wie es in solchen Fällen sonst üblich ist“, so das Konsulat auf WAZ-Nachfrage. Eine entsprechende Nachfrage habe man bereits an die Behörden gestellt. Die Stadt konnte sich am Donnerstag noch nicht zu dem Vorgang äußern.

Vater verlangt Entschuldigung

Mittlerweile hat Canio den Leichnam seines Sohnes nach Italien überführt. Er hofft auf eine Erklärung – und Entschuldigung. Bürokratiebedingte Schwierigkeiten und Verzögerungen will er nicht gelten lassen. Denn: „Es geht hier um Menschlichkeit.“

Von Steffen Schmidt

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