Corona-Ärger: Großfamilien in Wolfsburg stehen unter Hamsterkauf-Verdacht
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Stadt Wolfsburg Corona-Ärger: Großfamilien stehen unter Hamsterkauf-Verdacht
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Corona-Ärger: Großfamilien stehen unter Hamsterkauf-Verdacht
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19:00 03.04.2020
Großfamilie aus Detmerode: Bastian Michel (r.) und seine Frau berichten von Schwierigkeiten beim Einkaufen für sich und ihre fünf Kinder.
Großfamilie aus Detmerode: Bastian Michel (r.) und seine Frau berichten von Schwierigkeiten beim Einkaufen für sich und ihre fünf Kinder. Quelle: Britta Schulze
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Wolfsburg

Kitas und Schulen sind geschlossen, die Freizeitmöglichkeiten begrenzt – für Familien ist der Alltag in Corona-Zeiten eine Belastungsprobe. Für Großfamilien mit mehreren Kindern gibt es ein zusätzliches Problem: Beim Einkaufen im Supermarkt geraten sie oft grundlos unter Hamsterkauf-Verdacht, weil sie große Mengen an Lebensmitteln benötigen. „Dabei fühlt man sich nahezu als Schwerverbrecher“, beklagt der Wolfsburger Bastian Michel als Vater von fünf Kindern.

Beim Einkaufen werden ihm Lebensmittel abgenommen

Viele Supermärkte begrenzen derzeit die Abgabemengen von Produkten wie Nudeln, Konserven oder Toilettenpapier. Wegen der Corona-Krise sind die Menschen gleichzeitig dazu aufgerufen, ihre sozialen Kontakte zu reduzieren. Michel will sich daran halten und auch seine Fahrten zum Supermarkt beschränken. „Aber wie sieht so ein Einkaufswagen aus für zum Beispiel sieben Personen und nur einmal die Woche?“, fragt Michel – und gibt selbst die Antwort: „So voll, dass einem ständig Hamstern vorgeworfen wird, und dann wird einem alles wieder abgenommen.“

Nicht immer sind es Hamsterkäufer: Bei Großfamilien wird der Einkaufswagen schnell sehr voll. Quelle: Tom Weller/dpa

Doch mit zwei Packungen Nudeln kommt eine siebenköpfige Familie nicht weit. Bastian Michel, der sich politisch als Vorsitzender für die ÖDP in Wolfsburg engagiert und Mitglied des Ortsrats Detmerode ist, hat Verständnis für die Beschränkungen in den Supermärkten. Gleichzeitig wünscht er sich aber mehr Fingerspitzengefühl vom Handel im Umgang mit kinderreichen Familien. Das sind laut Definition Familien mit mehr als drei Kindern, über 1000 davon gibt es in Wolfsburg.

Familie wünscht sich Wocheneinkauf ohne Misstrauen

Eltern befinden sich derzeit ohnehin in einer Ausnahmesituation; nicht nur, weil sie die Kinder rund um die Uhr aus dem Home-Office betreuen müssen. „Sie werden zu Lehrern, weil der Unterricht mit Aufgaben weitergeht. Sie werden zu IT-Managern, da die Aufgaben mittlerweile auf ungewöhnlichen Wegen zugestellt werden und natürlich werden Eltern zu Psychologen, die den Druck der Kinder mindern müssen“, sagt Michel. Dann sollte zumindest ein Wocheneinkauf ohne Misstrauen oder Anfeindungen möglich sein.

Michel schlägt vor, dass die Stadt erweiterte Meldebescheinigungen mit der Anzahl der Kinder herausgibt und den Handel für die Situation von Großfamilien sensibilisiert. Die Stadt rät zu einem anderen Vorgehen:„Betreffende Familien sollten eine Kopie des Familienbuches mitnehmen und bei Bedarf dann an der Kasse vorlegen“, sagte eine Stadtsprecherin auf WAZ-Anfrage. Damit könnten die Familien den „größeren“ Einkauf begründen. Falls das nicht ausreiche, sollten sich die Betroffenen bei der Stadt melden.

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Von Florian Heintz