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Stadt Wolfsburg Cold Cases: Löst die Polizei jetzt alte Wolfsburger Mordfälle?
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Cold Cases: Löst die Polizei jetzt alte Wolfsburger Mordfälle?
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20:00 20.11.2018
Gelingt den Ermittlern doch noch der Durchbruch? Sabine Bittner wurde im November 2012 in ihrem Haus in Reislingen-Südwest erschossen. Auch eine Fahndung bei „Aktenzeichen XY“ brachte keine Aufklärung. Quelle: Roland Hermstein
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Wolfsburg

Die Morde an Sabine Bittner (2012) oder Edgar Brock (1996) – können sie und weitere schwere Verbrechen in Wolfsburg vielleicht doch noch aufgeklärt werden? Systematisch und mit modernster Kriminaltechnik will sich die Polizei in Niedersachsen jetzt knapp 300 so genannte Cold Cases vorknöpfen.

Von einem „Cold Case“ sprechen die Ermittler, wenn eine schwere Straftat nach mehr als einem Jahr noch nicht aufgeklärt und die Spur eben kalt ist. Das Landeskriminalamt hat nun ein neues Konzept erstellt, wie Fälle, die teils Jahrzehnte zurückliegen, künftig aufgearbeitet werden sollen.

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Rund 45 Fälle aus der Region sollen neu aufgerollt werden

Nach Informationen der WAZ sollen rund 45 Kapitalverbrechen aus dem Bereich der Polizeidirektion Braunschweig, zu dem auch Wolfsburg gehört, neu aufgerollt werden. In Frage kommen dabei auch einige Fälle aus der VW-Stadt:

Ein weiterer ungeklärter Mordfall. Die Prostituierte Romery Altagracia Reyes Rodriguez wurde im November 2016 in Vorsfelde getötet. Quelle: Britta Schulze

2016: Am Nachmittag des 11. November (15.15 Uhr) entdeckt ein Zeuge im Bordell „Sandy’s Freizeittreff“ eine schwer verletzte, am Boden liegende Frau. Es ist die Prostituierte Romery Altagracia Reyes Rodriguez. Die 33-Jährige, die aus der Dominikanischen Republik stammt, stirbt noch am Tatort. Bis heute ging die Polizei mehr als 300 Hinweisen nach.

2016: In einem Altkleidercontainer in Wendhausen wird die Leiche eines Neugeborenen gefunden. Die Hintergründe sind bis heute ungeklärt, ebenso wie die Identität der Eltern. Der Container liegt nur einige hundert Meter entfernt von einer Abfahrt der Autobahn 2 BerlinHannover. Der Junge wird in Wendhausen beerdigt – und zuvor auf den Namen Gabriel getauft.

2012: Am 29. November wird die 47-jährige Sabine Bittner in ihrem Haus in Reislingen-Südwest mit zwei Genickschüssen regelrecht hingerichtet. Die Polizei war lange überzeugt, dass es sich um einen Auftragsmord gehandelt haben muss. Nachweisen ließ sich das nicht. Für Aufsehen sorgten die Ermittlungen, als 50 Bereitschaftspolizisten rund 1000 Nachbarn befragten.

1996: Der bekannte Wolfsburger Autohändler Edgar Brock wird am 12. Februar am Steuer seines Fahrzeugs im Stadtteil Klieversberg erschossen. Mehrere Schüsse aus einer großkalibrigen Waffe trafen ihn in Kopf und Brust. Ein Wiederbelebungsversuch scheitert. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen. Ob es ein Raubüberfall war oder ob Bock Opfer eines Eifersuchtsdramas wurde – wie damals spekuliert wurde – steht bis heute nicht fest.

Auswahl der Fälle bis Ende November

Das Landeskriminalamt plant, die teils noch in Aktenordnern erfassten Cold Cases aus den vergangenen Jahrzehnten nach festgelegten Kriterien zu erfassen. Danach soll eine Auswahl der Fälle getroffen werden, bei denen eine Neuaufnahme der Ermittlungen lohnenswert erscheint. „Grundsätzlich kommt dafür jeder Mord in Frage“, erklärte ein Sprecher der Polizeidirektion Braunschweig auf Anfrage der WAZ. Welche Fälle neu aufgerollt werden, soll bis Ende November beschlossen werden.

Wolfsburgs Kripo-Chefin Imke Krysta sagt: „Mord verjährt nicht. Insoweit kann ein geplantes Cold Case Management ein geeignetes Mittel darstellen, um ungeklärte Tötungsdelikte nochmals zu durchleuchten.“

Von Michael Lieb

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