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Stadt Wolfsburg „Es macht Spaß, das Publikum ein bisschen in seinen Denkmustern zu kitzeln“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg „Es macht Spaß, das Publikum ein bisschen in seinen Denkmustern zu kitzeln“
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20:00 31.12.2018
Auf der Bühne wird sie gern mal laut: Komikerin Carolin Kebekus beim Deutschen Comedypreis. Quelle: dpa
Wolfsburg

Comedy? Kann ’se! Carolin Kebekus (38) tourt als Stand-Up-Comedian, dreht Sketche und Musikvideos und hat 2018 zum sechsten mal den Deutschen Comedy-Preis als beste Komikerin gewonnen. Mit Revolverschnauze, einer ordentlichen Portion Feminismus und Sinn für Alltagswitz bereist sie auch 2019 das Land. Am 20. Februar präsentiert sie in Braunschweig ihr neues Programm „PussyNation“ – die WAZ hat jetzt schon mal mit ihr drüber gesprochen.

Guten Morgen, Carolin! Es war echt schwer, einen Interviewtermin mit dir zu bekommen! Was treibst du denn gerade alles?

Ich hatte heute schon ein paar Interviews, gleich muss ich in die Maske, weil ich ein Shooting für die Zeitschrift „Barbara“ von Barbara Schöneberger habe, und dann muss ich weiter, ich spiele heute Abend eine Preview meines neuen Programms.

Du hast in deiner Karriere schon Tokyo-Hotel-Fans, Katholiken und Antifeministen provoziert. Wen treibst du als nächstes auf die Palme?

Ich glaube, die Antifeministen bleiben mir noch ein bisschen erhalten. Da bin ich auch gerne bereit, mich beschimpfen zu lassen. Ich finde es wahnsinnig spannend, was ich da immer zu hören bekomme. Rechte und Antifeministen sind sozusagen meine Hauptzielgruppe. Und da gibt es eine große Schnittmenge!

Du schaffst es ja immer wieder, gerade diesen Sozialtypus ,alter weißer Mann‘ in Rage zu bringen – und das in wenigen Minuten. Macht dir das Spaß?

Natürlich macht es Spaß, da den Finger in die Wunde zu legen. Ich verstehe einfach diese Wut nicht, die einem entgegenschlägt, wenn man als Frau sagt: „Komm, lass uns für Gleichberechtigung einstehen!“ Am Ende würden alle davon profitieren – auch für Väter wäre es gut, wenn es mehr Frauen in Führungspositionen gäbe und sie selbst nicht mehr die einzigen Ernährer und Versorger ihrer Familien sind. Aber noch gibt es irgendwie eine Wut auf selbstbestimmte Frauen.

Darum geht es ja auch in deinem neuen Programm „Pussynation“, mit dem du am 20. Februar in Braunschweig auftrittst. Was erwartet deine Zuschauer da noch so?

Es geht tatsächlich viel um Sexualität, ich rede wahnsinnig viel über Sex. Ich glaube, das hängt auch damit zusammen, dass es immer noch eine Angst vor weiblicher Sexualität gibt. Sie muss immer verboten oder zumindest unter Kontrolle gehalten werden. Deshalb macht es besonders großen Spaß, darüber zu sprechen.

Glaubst du, die #metoo-Debatte hat etwas geändert?

Absolut. Weil viele Frauen sich eben nicht mehr mundtot machen lassen. Und die Diskussion wird weitergeführt, sie verläuft nicht im Sande, so wie die #aufschrei-Debatte.

Wo siehst du da die Rolle von Comedy? Kannst du als Comedian ein Umdenken vorantreiben oder sitzen im Publikum nicht eh Menschen, die schon die gleichen Werte haben wie du selbst?

Natürlich sitzen da nicht unbedingt Rechte bei mir im Publikum. Comedy ist ja auch kein Bekehren, ich gebe keine politischen Vorträge. Comedy und Satire brechen gesellschaftliche Themen auf ihren Kern runter. Es macht aber trotzdem noch Spaß, sein Publikum noch ein bisschen in seinen Denkmustern zu kitzeln.

Auf der Bühne wirkst du immer sehr tough und frech und laut. Bist du das privat auch?

Nee, überhaupt nicht. Das ist nur ein kleiner Teil meiner Persönlichkeit. Ich erlebe genug Situationen, in denen ich überhaupt nicht weiß, was ich machen oder sagen soll. Aber das passiert nicht mehr so leicht wie früher. Und ich glaube, ich bin privat jetzt auch nicht mehr so wahnsinnig laut, weil ich das ja jetzt auf der Bühne alles rauslassen kann. Jetzt finde ich es auf einer Party auch mal ganz geil, wenn ich nicht im Zentrum der Diskussion bin, sondern in der Ecke sitzen und einfach beobachten kann.

Ab und an erntest du ja auch richtige Shitstorms – lässt du das an dich ran oder findest du so etwas eher amüsant?

Ich lese mir da nicht alles durch. Einige Sachen verletzten einen, klar. Wenn es sehr persönlich oder so körperlich wird und die Leute zum Beispiel seitenlang über das „Winkfleisch“ an meinen Oberarmen herziehen. Aber das ist nichts, wonach ich mich richte – sonst könnte ich es ja gleich lassen.

Was ist, wenn das so richtig aggressiv wird – hast du dann auch mal Angst, dass dich jemand im richtigen Leben angehen könnte?

Das ist noch nie passiert. Leute, die ihre Meinung im Internet kundtun, sind selten die, die im richtigen Leben aktiv werden würden.

Hast du Vorsätze für 2019?

Nein, ich habe irgendwann aufgehört, mir Vorsätze zu machen – es ist ja doch nur ein Datum. Stattdessen halt ich mir regelmäßig die Dinge vor Augen, die besonders cool waren in den letzten Monaten.

Und: Was war das so in letzter Zeit?

Viele Sachen! Ich habe ein neues Programm geschrieben, den Comedy-Preis moderiert und ich hatte einen geilen Urlaub mit meinen Freunden im Sommer. Wenn man so zurückguckt, merkt man: Es war eigentlich ein cooles Jahr.

Du wolltest ja mal Theaterwissenschaften studieren – hast du ein Lieblingsstück?

Ein Lieblingsstück habe ich nicht, das geht quer durch die Theaterlandschaft. Und ich habe auch schon Stücke, die ich gut fand, wahnsinnig schlecht inszeniert gesehen.

Zum Beispiel?

Was ich wahnsinnig geil finde, ist „Die Physiker“ – und die haben ich auch schon wahnsinnig misslungen gesehen. Und was man auch leicht vermasseln kann, ist „Faust“ - dabei liebe ich das Stück, seit ich es damals im Deutsch-Leistungskurs gelesen habe.

War „Faust“ auch der Grund, dass du Theaterwissenschaften studieren wolltest?

Ich glaube, der Grund war eher mein Deutschlehrer. Der hat uns richtig angefixt. Wir waren total Goethe-begeistert mit 17 - echt verrückt!

Gehst du auch heute noch manchmal ins Theater?

Ich hab leider fast keine Zeit mehr dafür – eigentlich stehe ich nur noch selber auf der Bühne.

Hast du noch einen Neujahrswunsch für die Wolfsburger?

Na klar: Ich wünsche euch alles erdenklich Gute für das neue Jahr! Auf dass ihr – nur noch diese Saison, wo wir Kölner noch in der 2. Liga kicken – alle anderen Bundesligisten putzt und euch zahlreich in meiner Show einfindet, damit wir gemeinsam noch ins recht neue Jahr starten können.

Von Frederike Müller

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