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Stadt Wolfsburg Bundesweiter Online-Angriff: SPD-Politikerin aus Wolfsburg betroffen
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Bundesweiter Online-Angriff: SPD-Politikerin aus Wolfsburg betroffen
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00:19 10.01.2019
Bundesweiter Hacker-Angriff: Rund 1000 Bundes- und Landespolitiker sowie Prominente und Journalisten sind betroffen, darunter auch die Wolfsburger Landtagsabgeordnete Immacolata Glosemeyer.
Bundesweiter Hacker-Angriff: Rund 1000 Bundes- und Landespolitiker sowie Prominente und Journalisten sind betroffen, darunter auch die Wolfsburger Landtagsabgeordnete Immacolata Glosemeyer. Quelle: iStockphoto / Archiv
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Wie bei anderen Opfern – bundesweit sind es knapp 1000 – wurden von Immacolata Glosemeyer Adresse und Telefonnummern veröffentlicht. Private Chatverläufe, parteiinterne Dokumente oder Kontodaten wie in anderen Fällen jedoch nicht.

„Als bedrohlich sehe ich das in meinem Fall nicht“, sagt Glosemeyer, dennoch sei es erstmal ein Schreck gewesen. Zumal nicht sofort klar war, „in welcher Tiefe tatsächlich Daten gestohlen wurden“. Verärgert ist sie allerdings darüber, dass mit Veröffentlichung der Wohnanschrift eben auch Familienmitglieder und Angehörige in die Sache mit rein gezogen und belastet würden.

„Wenn man sich in der digitalen Welt bewegt, kann man natürlich wie in der realen Welt jederzeit zum Opfer werden“, sagt Glosemeyer. Deshalb müsse man sich so gut wie möglich absichern. Klar sei dennoch: „Wenn jemand mit entsprechendem Know-How gezielt einen Angriff plant, ist es schwierig diesen zu verhindern – das ist genau wie bei einem Wohnungseinbruch.“

Vom Hackerangriff betroffen: Die Wolfsburger Landtags-Abgeordnete Immacolata Glosemeyer. Quelle: privat

Glosemeyer hatte sich in der Vergangenheit wie viele andere Opfer des Online-Angriffs für Flüchtlinge eingesetzt. „Es ist schon auffällig, dass es hier in erster Linie Personen getroffen hat, die sich gegen Rechts positioniert oder Migrationshintergrund haben“, so die SPD-Frau. Daten von Politikern der AfD sind dagegen nicht veröffentlicht worden.

Auf Aufklärung drängt unterdessen der Wolfsburger SPD-Bundestagsabgeordnete Falko Mohrs: „Wir müssen jetzt prüfen: Wer steht hinter dem Hacker-Angriff? Was war die Motivation? Und wie können wir so etwas in Zukunft verhindern?“ Mohrs, der in Berlin im zuständigen Digitalausschuss sitzt, ist vom Datendiebstahl selbst übrigens nicht betroffen.

„Mein Eindruck ist, dass hier gezielt private Daten wie Chat-Verläufe in WhatsApp gesammelt wurden. Und das über einen längeren Zeitraum, denn viele der veröffentlichten Telefonnummern und Adressen waren gar nicht mehr aktuell“, so Mohrs. Möglicherweise gehe es den Drahtziehern in erster Linie um Einschüchterung der betroffenen Personen. Daten vom Bundestags-Server seien jedenfalls nicht gestohlen worden.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Quelle: dpa

Kommenden Donnerstag finde eine Sondersitzung des Innenausschusses in Berlin statt – möglicherweise zusammen mit dem Digitalausschuss, so Mohrs. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit sollen dabei das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), der Bundesnachrichtendienst (BND), das Bundeskriminalamt (BKA) und der Verfassungsschutz über den aktuellen Stand der Ermittlungen berichten. Mohrs sagt, man müsse auch darüber sprechen wie das BSI für derartige Fälle besser und stärker aufgestellt werden kann.

Der Online-Angriff

Nach Informationen aus Sicherheitskreisen vom Sonntag sind genau 994 Personen von dem Online-Angriff betroffen: vor allem Politiker, aber auch Prominente und Journalisten. Etwa 50 Fälle seien schwerwiegender, weil größere Datenpakete wie Privatdaten, Fotos und Korrespondenz veröffentlicht worden seien, hieß es. Ein bislang Unbekannter hatte über das inzwischen gesperrt Twitter-Konto @_Orbit im vergangenen Dezember zahlreiche persönliche Daten von Politikern und Prominenten als eine Art Adventskalender veröffentlicht. Manche Informationen hatte er auch schon früher ins Netz gestellt. Das wurde allerdings erst in der Nacht zu Freitag öffentlich - und somit auch vielen Betroffenen bekannt.

Von Michael Lieb