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Stadt Wolfsburg Blick ins VW-Werk der 50er: Ausnahmebilder eines Hobbyfotografen
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Blick ins VW-Werk der 50er: Ausnahmebilder eines Hobbyfotografen
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00:20 14.04.2019
Täglich ein halber Liter „Vorzugsmilch“: So sah die Verpflegung in den 50ern aus. Quelle: Roland Hermstein
Alt-Wolfsburg

Schleifen, Schweißen, Bier trinken: 40 Jahre lang hat Günter Franzkowiak bei Volkswagen gearbeitet und seinen Alltag dort besonders in den 50ern bis 70ern immer wieder fotografisch eingefangen. Seine außergewöhnlichen Bilder sind jetzt im Schloss Wolfsburg zu sehen: Am Donnerstag um 19 Uhr eröffnet die Ausstellung „Arbeit“ im „Raum für Freunde“ des Kunstvereins.

Fenster in eine andere Zeit

Die 27 Schwarz-Weiß-Aufnahmen wirken wie Fenster in eine andere Zeit: In ihren Arbeitspausen sieht man die Angestellten auch mal rauchen, Bier trinken oder fröhlich vor einem Erotikposter des Magazins „Feigenblatt“ posieren. Ein besonders kreativer Kollege wärmt sich sein Mittagessen im Henkelmann über der Flamme seines Schweißbrenners auf.

Eigentlich war der VW-Schweißer nur Hobbyfotograf – nun hat Günter Franzkowiak mit 85 Jahren eine eigene Ausstellung im Wolfsburger Schloss bekommen. Seine Bilder zeigen den Alltag im VW-Werk der 50er bis 70er Jahre.

Szenerien wirken vertraut und ungekünstelt

Was an den Fotos besonders auffällt, ist ihre Vertraulichkeit. Da Franzkowiak an seinem eigenen Arbeitsort fotografierte, gelangen ihm ungekünstelte Aufnahmen – ob sie nun die Kollegen konzentriert bei der Arbeit oder locker gruppiert bei einer Weihnachtsfeier zeigen. Sogar wie drei von ihnen ihre Lohnzettel vergleichen, hat er so festgehalten. „Das sind Momente, die kenne ich sonst aus der Arbeiterfotografie nicht“, staunt Kurator Dr. Alexander Kraus vom Institut für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation.

Immer stehen Individuen im Vordergrund

Auch Dr. Justin Hoffmann vom Kunstverein ist beeindruckt. Zwar hätten sich schon andere Fotografen mit dem VW-Werk beschäftigt. Doch Heinrich Heidersberger sei es dabei eher um die Architektur, Peter Keetman eher um die Ästhetik des Produktionssystems gegangen. Bei Franzkowiak hingegen stünden die Individuen im Vordergrund.

Die sogenannte Arbeiterfotografie war in Deutschland schon zwischen 1925 und 1935 populär und erlebte in der Zeit der DDR einen Aufschwung. Oft seien die Arbeiter dort aber eher als heroisch idealisiert oder als „Masse“ dargestellt worden, erklärt Hofmann. Bei Franzkowiaks Bildern hingegen gehe es um die Freude an der Fotografie und den Alltag mit den Kollegen. „Es ist ein einzigartiger Blick auf die Welt des Volkswagenwerks“, so Hofmann.

Ausnahmefotograf: Günter Franzkowiak in seiner eigenen Ausstellung. Quelle: Boris Baschin

Ein ungewöhnlicher Fotograf

Professionell gelernt hat Günter Franzkowiak (85) das Fotografieren nie. Auch eine eigene Ausstellung hat er sich nie träumen lassen. Stattdessen fing alles ganz nebenbei während seiner Lehre bei Volkswagen an, also in den Jahren 1948 bis 1951. „Ich habe erfahren, dass ein Nachbar ein Fotolabor hatte“, erzählt der 85-Jährige heute. „Von ihm habe ich das Entwickeln gelernt.“

Bis in die 70er durfte er im Werk fotografieren

Der Rest kam nach und nach. Erst legt sich der Lehrling eine Kleinbildkamera zu, doch schon bald reicht ihm das nicht mehr und er wechselt zu einer Spiegelreflex. Sie wird sein ständiger Begleiter, auch bei der Arbeit, denn noch bis in die 70er bleibt das Fotografieren im Werk erlaubt.

Schnell spricht sich rum, dass der junge Schweißer ein talentierter Fotograf ist. „Ab und an rief ein Abteilungsleiter aus Halle 4 an und sagte: ,Herr Franzkowiak, wir haben hier eine neue Maschine, kommen Sie mal zum Fotografieren!’“ Auch Weihnachtsfeiern und Abschiede fotografiert er schon bald regelmäßig. Was jedoch immer wieder seinen Blick anzieht: Der Alltag der VW-Angestellten bei der Arbeit und in ihren Pausen. Inzwischen kann er sich an einige Namen der Abgebildeten nicht mehr erinnern, viele leben auch schon nicht mehr.

Badezimmer als Dunkelkammer, Badewanne als Fotolabor

Entwickelt hat Franzkowiak diese Aufnahmen stets in der Badewanne zu Hause, denn ein eigenes Labor besaß er in all den Jahren nie. „Unser Bad in der Rabenbergstraße hatte kein Fenster, das war praktisch“, erzählt seine Frau Gerda, die ihm oft und mit Freude zur Hand ging. „Es war immer spannend: Wie ist das Bild geworden?“ Auch seine Kollegen nahmen sein improvisiertes Labor gern in Anspruch – immer wieder wurde das Franzkowiak’sche Badezimmer für Urlaubsfotos zur Dunkelkammer.

Heute ist das nicht mehr nötig: Der Rentner fotografiert digital mit einer Kompaktkamera. „Aber auf der letzten Familienfeier haben alle fotografiert, da hätte ich gar nicht mehr gemusst“, lacht er.

Öffnungszeiten und Ausstellungsdauer

Die Ausstellung läuft noch bis zum 5. Mai: mittwochs bis freitags von 10 bis 17 Uhr, samstags von 13 bis 18 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 18 Uhr.

Von Frederike Müller

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