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Stadt Wolfsburg Blackout: Was, wenn der Strom längere Zeit ausfällt?
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Blackout: Was, wenn der Strom längere Zeit ausfällt?
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21:05 14.08.2019
Eine Stadt liegt komplett im Dunkeln: Erst im Juli war Venezuela von einem großflächigen Stromausfall betroffen. Quelle: dpa
Peine/Wolfsburg/Gifhorn

Es ist ein Buch, das als Wissensbuch des Jahres 2012 ausgezeichnet wurde. Der Bestseller hat es geschafft, ganze Schulklassen zu Lesungen zu führen. „Blackout – Morgen ist es zu spät“ des österreichischen Autors Marc Elsberg zeichnet ein Szenario, das angesichts immer häufiger auftretender Stromausfälle zum Nachdenken anregt.

Das Buch beschreibt einen mehrwöchigen Stromausfall in Europa, der durch einen Hackerangriff ausgelöst wird. Vier Erzählstränge hat Elsberg gewählt, um dieses Szenario zu beschreiben. Der Autor erklärt, was bei einem großflächigen Stromausfall im Krisenzentrum passiert, wie Energieunternehmen agieren, wie es den Menschen ergeht und wie die Hacker an diesem Angriff arbeiten.

Großflächige Stromausfälle sind keine Seltenheit

Großflächige Stromausfälle kamen in der Vergangenheit schon häufiger vor. Erst am vergangenen Freitag waren große Teile Londons und Teile Großbritanniens ohne Strom. Der Auslöser seien zwei fehlerhafte Stromgeneratoren gewesen, was zu einem Fehler in nationalen Stromnetz geführt habe. Einige der Folgen: Züge blieben stehen, Ampeln fielen aus.

2005 gab es im Münsterland aufgrund von Eis und Schnee einen größeren Stromausfall. 2006 wurde ein Ozeanriese von der Papenburger Werft aus zum Meer transportiert. Dabei wurden Hochspannungsleitungen zum Problem und es gab einen Stromausfall. Teile von Deutschland, Frankreich, Belgien, Italien, Österreich, Spanien waren teilweise bis zu zwei Stunden ohne Strom.

20 Minuten reichen für das Chaos

2011 legte ein technischer Defekt in einer Einspeisestation in Mehrum die Stromversorgung von Hannover und Lagenhagen lahm. Nur rund 20 Minuten blieb der Strom weg, doch gab es etwa kritische Situationen in Pflegeheimen, da unter anderem Beatmungsgeräte nur noch über Akkubetrieb liefen. Es wurde ein Feuer in der Medizinischen Hochschule gemeldet und auch der Zugverkehr war beeinträchtigt. Damals beschrieb die Feuerwehr die Lage als „höchst unübersichtlich“.

Blackout – Wenn der Strom länger ausfällt

Während das Buch „Blackout – Morgen ist es zu spät“ reine Utopie ist und – so jedenfalls gibt es der Autor an – auch keine Vorlage für Hacker darstelle, beschreibt es dennoch eindrucksvoll, wie schnell das öffentliche Leben zusammenbrechen kann. Bei einem mehrtägigen Stromausfall funktionieren zum Beispiel auch Straßenbeleuchtung und Ampeln nicht: Es käme wahrscheinlich sehr schnell zu Unfällen.

Krankenhäuser und Pflegeheime könnten nur einige Zeit mit Notstromaggregaten arbeiten. Auch Autofahrten wären recht schnell nicht mehr möglich: Tanken kann man ohne Stromversorgung nicht mehr. Geschäfte müssten schließen, denn ein Verkauf im Dunkeln und ohne Kasse ist nahezu undenkbar. Wahrscheinlich würde auch die Kriminalität steigen – Alarmanlagen wären außer Betrieb und Videoaufzeichnungen würde es auch nicht geben.

Keine Kommunikation möglich

Einige Landwirte in der Viehwirtschaft haben automatisierte Ställe, so dass die Versorgung mit Futter und auch das Melken nicht mehr möglich wären. Telefonieren wäre auch nur noch bedingt möglich: Das Festnetz bräche sofort zusammen, der Handy-Akku hält nicht unendlich lang. Die sanitären Zustände würden schnell prekär, denn auch Wasserwerke und Kläranlagen könnten nicht arbeiten.

Niemand möchte, dass ein solches Szenario eintritt. Doch zu Stromausfällen kommt es immer häufiger, auch in hiesigen Breiten. Durch Unfälle, die Trockenheit und der damit verbundenen erhöhten Brandgefahr und nicht zu vergessen durch Unwetter, die auch in Niedersachsen immer häufiger auftreten. Bleibt nur zu hoffen, dass es nie durch Cyberangriffe zu einem großflächigen Stromausfall kommt.

Stromausfälle 2019 in Wolfsburg, Gifhorn und Peine

Januar

Hattorf und Heiligendorf: Kurz nach 21 Uhr fiel für eine halbe Stunde der Strom aus. Der Energieversorger LSW hatte vergeblich nach einer Ursache gesucht.

Februar

VW-Werk: Aufgrund eines technischen Defekts beim Netzbetreiber Avacon konnte das Umspannwerk in Papenrode 18 Minuten lang nicht über die Hochspannungsebene versorgt werden. 38 Ortschaften aus dem Landkreis Helmstedt, aber auch Almke und VW in Wolfsburg waren betroffen. Bei VW kam zu einem Produktionsausfall, Roboter fielen aus und in der Lackiererei fuhren die Brandschutz-Tore herunter.

Mai

Groß Lafferde, Steinbrück, Groß Ilsede, Münstedt, Oberg: 2500 Haushalte waren vom einem Stromausfall betroffen. In Teilen von Groß Ilsede fiel der Strom von 2.18 bis 4.09 Uhr aus, hier gab es ein defektes Erdkabel. In Münstedt und Oberg fiel der Strom zwischen 2.21 und 2.24 Uhr sowie zwischen 2.47 und 2.49 Uhr aus, der Fehler wurde an der Trafostation am Münstedter Gerätehaus lokalisiert. In Groß Lafferde und Steinbrück gab es zwischen 2.21 und 10.45 Uhr keine Elektrizität. Grund war ein Defekt an der Freilandleitung.

Juni

Müden, Flettmar und Ummern: Stromausfall aufgrund Unwetter.

Oelerse, Blumenhagen, Voigtholz-Ahlemissen, Alvesse, Rietze, Eickenrode, Ohof, Eltze und Dollbergen: Der Stromausfall begann um 3.13 Uhr und war um 5.30 Uhr behoben. Grund war ein Fehler in einem unterirdisch verlegten Mittelspannungskabel.

Juli

Fallersleben: Ein Schiff beschädigte die Freileitung im Hafenbereich Fallersleben, infolgedessen löste die Schutzschaltung im Umspannwerk aus. Dies führte zu einer Stromunterbrechung für gut eine Stunde.

Peine: Die Peiner Fußgängerzone waren von einem stundenlangen Stromausfall betroffen. Grund war ein defektes Stromkabel. Erst am späten Nachmittag war der Defekt behoben.

Bortfeld, Ersehof, Fürstenau, Harvesse, Klein Ilsede, Meerdorf, Neubrück, Rüper, Sophiental, Wendeburg, Wense und Wipshausen, Peine und die Kernstadt: Stromausfall wegen eines Brandes im Umspannwerk. 5700 Haushalte waren betroffen.

Fürstenau, Sophiental, Wipshausen, Ersehof, Neubrück, Wense, Wendeburg, Meerdorf, Harvesse, Bortfeld, Rüper, Groß Ilsede, Gadenstedt, Oberg, Münstedt, Ölsburg und Klein Ilsede: Gegen 8.30 ereignete sich ein großflächiger Stromausfall. Ab 9 Uhr hätten die ersten Kunden wieder Strom gehabt. In Klein Ilsede war der Strom erst gegen 12.40 Uhr wieder da. Ursächlich war offenbar ein defektes Erdkabel in Wipshausen, einen Folgefehler gab es dann in der Leitung zum Umspannwerk zwischen Peine und Klein Ilsede.

August

Wipshausen, Neubrück, Wense, Ersehof und Ohof: Betroffen waren rund 1000 Haushalte. Kurz zuvor gab es eine große Störung, da ein Umspannwerk bei Peine brannte. Der erneute Stromausfall hat mittelbar mit dem Brand zu tun. „Das Umspannwerk am Heideweg im Osten von Peine ist noch außer Betrieb. Die Stromversorgung im östlichen Teil des Landkreises Peine ist zwar sichergestellt, aber es funktioniert noch nicht alles wie gewohnt“, erklärt Kirsten Fricke, Sprecherin beim Energieversorger Avacon.

Wipshausen, Wense, Neubrück und Ersehof: Aufgrund eines Gewitters fiel der Strom aus. Einen Fehler in einem Mittelspannungskabel soll der Stromversorger Avacon zwischen Ohof (Kreis Gifhorn) und Ersehof festgestellt haben.

Von Kathrin Bolte

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