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Stadt Wolfsburg Häusliche Gewalt: Beratungsstelle für Täter in Wolfsburg
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Häusliche Gewalt: Beratungsstelle für Täter in Wolfsburg
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00:19 09.05.2019
Häusliche Gewalt: In Wolfsburg soll eine Beratungsstelle für männliche Täter entstehen.
Häusliche Gewalt: In Wolfsburg soll eine Beratungsstelle für männliche Täter entstehen. Quelle: Archiv
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Wolfsburg

Die Stadt Wolfsburg soll eine Beratungsstelle für Täter häuslicher Gewalt bekommen. Sie ist Teil eines Gemeinschaftsprojekts mit den Landkreisen Gifhorn und Helmstedt sowie dem Verein Jugendhilfe Wolfenbüttel. Am morgigen Mittwoch berät der Sozial- und Gesundheitsausschuss über das Projekt (16 Uhr im Ratssitzungssaal).

„Etwa jede vierte Frau wird mindestens einmal im Leben Opfer häuslicher Gewalt“, schreibt Wolfsburgs Sozialdezernentin Monika Müller in ihrer Verwaltungsvorlage. So habe es in der VW-Stadt 2016 und 2017 jeweils über 300 registrierte Fälle häuslicher Gewalt gegen Frauen gegeben. In Gifhorn und Helmstedt seien es jeweils rund 200 Fälle pro Jahr.

Ein früheres Projekt in Wolfsburg ist ausgelaufen

Für Frauen und Kinder, die Opfer häuslicher Gewalt wurden, gebe es seit langem ein „Unterstützungssystem“, schreibt Müller weiter. Etwa die Beratungs- und Interventionsstelle (BISS) oder das Frauenhaus. „Im Bereich der Prävention oder Rehabilitation gewalttätiger Männer, die an ihrem Verhalten arbeiten wollen, gibt es hingegen kein Angebot“, betont sie. In Wolfsburg habe es zwar den Verein „Männer gegen Männergewalt“ gegeben, doch das Projekt sei seit drei Jahren beendet.

Kooperation mit dem Verein Jugendhilfe Wolfenbüttel

Deshalb will die Stadt Wolfsburg jetzt gemeinsam mit den Landkreisen Gifhorn und Helmstedt eine Beratungsstelle für Täter häuslicher Gewalt einrichten, in Kooperation mit dem Verein Jugendhilfe Wolfenbüttel. Er arbeitet bereits seit 2014 im Landkreis Wolfenbüttel in der Täterberatung und seit einiger Zeit auch in Braunschweig. „Im Rahmen dieser Arbeit wird daher auch die Zusammenarbeit mit allen Akteuren und Akteurinnen auf regionaler und Landesebene ausgebaut“, kündigt Monika Müller an.

Die Stadt Wolfsburg trägt 24.000 Euro der Kosten

Konkret kostet das Projekt 47.470 Euro pro Jahr und soll erst einmal vom 1. Juli 2019 bis 31. Dezember 2020 dauern. Die Stadt Wolfsburg soll davon 24.000 Euro tragen. Laut WAZ-Informationen sucht die Stadt noch einen Ort für die Beratungsstelle. Hier soll es wöchentliche Präsenzzeiten von Mitarbeitern der Jugendhilfe Wolfenbüttel geben. Geplant sind Erst- und Einzelberatungen und Täterkurse. Insgesamt sind 20 Stunden pro Woche geplant. Ursprünglich war geplant, dass Wolfsburg 28.500 Euro der Kosten übernimmt – dann wären 22 Beratungsstunden pro Woche in der VW-Stadt möglich gewesen.

Außerdem wolle man Teil eines Netzwerkes gegen häusliche Gewalt auf lokaler Ebene werden. Im zweiten Halbjahr 2020 wolle man über die Fortführung des Projektes beraten – und auch das Thema „Frauen als Täterinnen“ einbeziehen.

Verein kann erstaunlich positive Erfolgsquote aufweisen

Die neue Beratungsstelle für Täter häuslicher Gewalt in Wolfsburg soll von Mitarbeitern des Vereins Jugendhilfe Wolfenbüttel betreut werden. Ein Verein, dessen Arbeit eine erstaunlich positive Erfolgsquote aufweisen kann.

Seit 2014 betreut der Verein eine Täterberatung häusliche Gewalt in Wolfenbüttel und arbeitet mit der Polizeiinspektion Peine/Salzgitter/Wolfenbüttel zusammen. Auch die Stadt Braunschweig hat den Verein jetzt mit dem Aufbau einer Beratungsstelle beauftragt. Laut Beate Ulrich, Geschäftsführerin des Vereins Jugendhilfe Wolfenbüttel, finden die Männer auf zwei Wegen zur Beratungsstelle: „Entweder sie sind auffällig geworden und werden von Polizei oder Justiz zu uns geschickt, oder sie kommen von sich aus zu uns, bevor sie gewalttätig werden.“

Trend: Nach Beratung schlagen Täter nicht mehr zu

Im ersten Fall gibt es beispielsweise Bewährungsauflagen, die die Männer zu erfüllen haben – nämlich die Beratung. Im zweiten Fall merken Männer, dass sie ihren Partnerinnen gegenüber gewalttätig werden könnten und suchen im Vorfeld Hilfe bei den Fachleuten. Hilfe gibt es in Form von Beratungsgesprächen und Kursen.

Von den Männern, die der Verein Jugendhilfe Wolfenbüttel bisher betreut hat, sei keiner wieder „auffällig“ geworden, betont Beate Ulrich. „Wir haben ein enges Netzwerk mit Polizei und Justiz. Da würden wir es mitbekommen, wenn jemand wieder auffällig wird“, sagt sie. Entweder weil er gefasst oder verurteilt werde – oder durch Gespräche mit Polizisten und Justizbeschäftigten. Gute Nachrichten für Opfer häuslicher Gewalt.

Von Carsten Bischof