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Stadt Wolfsburg Bauarbeiter an der A 39: „Autofahrer werfen Flaschen nach uns“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Bauarbeiter an der A 39: „Autofahrer werfen Flaschen nach uns“
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11:48 11.12.2019
Baustellenleiter Tobias Hauck markiert an der Baustelle A 39 zwischen Flechtorf und Mörse die Fahrbahn. Quelle: Foto: Roland Hermstein
Wolfsburg

Sie leben gefährlich: Bauarbeiter, die über Monate hinweg, an Autobahnen entlang arbeiten müssen, während Autos in unmittelbarer Nahe an ihnen vorbei rasen. Die WAZ besuchte Baustellenleiter Tobias Hauck an der A 39 – und er erzählt Unglaubliches...

Der Geruch von erhitztem Bitumen vermischt sich mit den Abgasen der Baustellen-Fahrzeuge. Bei jedem Schritt auf der frisch angelegten Fahrbahn kleben die Schuhsohlen auf dem Boden fest. Die Deckschicht der neuen Fahrspur auf der A 39 muss noch abbinden. Ein paar Meter neben der Baustelle rauschen die Autos vorbei. Sie müssen etwa zwei Kilometer einspurig fahren, denn kurz vor Flechtorf wird ein Verflechtungsstreifen gebaut.

Während die Autos zügig an ihm vorbei fahren, markiert Baustellenleiter Tobias Hauck die Fahrbahn. Er erlebt jeden Tag hautnah, wie sich Auto- und LKW-Fahrer in Baustellen verhalten. „An manchen Tagen mache ich mir darüber Gedanken, wie es ist, an der falschen Stelle zu stehen, wenn ein Laster in die Baustelle krachen würde.“

Bauarbeiter: Ich habe einen gefährlichen Job

Hauck ist bei einer Baufirma angestellt, er hat Sicherheitskleidung an. Jacke und Hose sind orange. An den Ärmeln seiner Jacke und an der Hose sind Reflektoren. Ein paar Meter neben ihm fahren die Autos mit einer Geschwindigkeit von 80 Stundenkilometern in Richtung Mörse. „Mein Job ist gefährlich“, sagt der 33-Jährige. Wie groß die Gefahr ist, hängt von dem Verhalten der Autofahrer ab: Er berichtet von Falschfahrern, die immer wieder die Mitarbeiter auf der Baustelle gefährden.

Jeden Tag fahren 25.000 Autos laut Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr an der Anschlussstelle Flechtorf auf beiden Seiten der A 39 vorbei. Ein Verflechtungsstreifen soll den Verkehr entlasten. So wird er gebaut.

Viele Falschfahrer in der Baustelle bei Wolfsburg

„Wenn ein Autofahrer in die Baustelle rein fährt hilft nur noch eins: zur Seite springen“, sagt er und schüttelt den Kopf. Verstehen kann er das nicht, denn die Baustelle sei gut abgesichert. „An manchen Tagen sind das drei bis vier Falschfahrer“, so der Baustellenleiter. Sie queren die Absperrung zur Baustelle, fahren weiter auf der frisch asphaltierten Fahrbahn und fädeln sich am Ende der Baustelle wieder auf die Autobahn ein. „Und sie rasen mit einer Geschwindigkeit von 80 Kilometern pro Stunde hier durch“, so Hauck.

Ein Schild auf der Autobahn erlaubt den Autofahrern 80 Kilometer pro Stunde zu fahren. „Bei dieser Geschwindigkeit wird eigentlich ein optimaler Verkehrsfluss erreicht. Die meisten fahren jedoch noch ein bisschen schneller“, sagt Bernd Mühlnickel, Leiter des Geschäftsbereichs Wolfenbüttel der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. Die Behörde ist auch zuständig für Baustellen auf der A39.

Autobahnpolizei: A 39 bei Wolfsburg ist kein Unfallschwerpunkt

Armin Loske, Leiter des Streifendienstes der Autobahnpolizei Braunschweig, sagt: „In den letzten fünfzehn Jahren ist kein Bauarbeiter tödlich auf einer Baustelle durch einen Autofahrer verunglückt.“ Kurz vor Wolfsburg sei aufgrund des Berufsverkehrs fast immer Stau, einen Unfallschwerpunkt stelle die A 39 vom Kreuz Königslutter bis Wolfsburg allerdings nicht da, so Loske.

Autofahrer sind bei Baustellen ungeduldig

Dennoch wünscht sich Baustellenleiter Hauck mehr Verständnis von den Autofahrern und auch die Autobahnpolizei appelliert an die Rücksicht der Autofahrer. „Das ist schon ein richtiger Kleinkrieg auf den Autobahnen“, so der Polizist. Hauck ergänzt: „Die Autofahrer sind genervt von den Staus und Baustellen. Sie hupen und werfen Flaschen nach den Mitarbeitern auf der Baustelle.“

Während die Autos an der Baustelle vorbei fahren, schweift der Blick der Fahrer zu den Arbeiten Baustelle. „Auch das ist ein Problem. Immer wieder konzentrieren sich Fahrer nicht auf den Verkehr, sie bremsen ab und schauen, was auf der Baustelle passiert. An anderen Baustellen haben wir für solche Fälle schon Sichtschutzwände aufgestellt“, sagt Mühlnickel.

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