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Stadt Wolfsburg Wandern, rodeln, knutschen: Das war im Wolfsburger Schullandheim los
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Wandern, rodeln, knutschen: Das war im Wolfsburger Schullandheim los
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14:36 10.12.2019
Die ersten Fahrversuche auf Skiern: Sigrid Brandes und ihre Mitschüler der Ferdinand-Porsche-Realschule wagten sich 1966 vor dem Schullandheim auf die Piste. Quelle: Privat
Wolfsburg/St. Andreasberg

Erste Skifahrten, erste Küsse, erstes Mal ohne Mama und Papa weg: Unzählige WAZ-Leser verbinden aufregende Zeiten mit dem Schullandheim in St. Andreasberg. Bestürzt von der Nachricht, dass die Stadt Wolfsburg die Jugendherberge bald schließen will, folgten viele von ihnen dem Aufruf der WAZ und schickten ihre Fotos und Erinnerungen an die Redaktion.

Sigrid Brandes zum Beispiel war mit ihrer Klasse der Ferdinand-Porsche-Realschule gleich mehrmals in der Herberge im Harz, 1966 und 1967. Nicht nur die ersten Versuche auf den Skiern waren abenteuerlich: „Die Nachtwanderung zum Rehberger Grabenhaus war sehr spannend“, erinnert sie sich. „Wir sind mit Fackeln gelaufen.“

1967: Beim zweiten Besuch des Schullandheims gab es für Sigrid Brandes (li.) eine tolle Faschingsfeier – und ihren ersten Kuss. Quelle: Privat

Ein Jahr später feierten Brandes und ihre Mitschüler auf der zweiten Klassenfahrt gemeinsam Fasching im Schullandheim. Dieses Mal waren allerdings nicht mehr Skipisten und Fackeln die Hauptattraktion: „Aufregend war auch das Landschulheim von Kiel, welches genau nebenan stand. Dort waren zu unserer Zeit nur Jungs“, berichtet Brandes heute. „Sie haben uns Abends an unseren Fenstern besucht, wo ich meinen ersten Kuss von Winny bekommen habe. Sehr aufregend war das, weil unsere Lehrer natürlich nichts wissen durften!“

Wiederholungstäter: Rainer Bischoff kehrte über 40 Jahre nach seiner Klassenfahrt noch einmal zurück nach St. Andreasberg. Quelle: privat

Auch Rainer Bischoff ist ein ,Wiederholungstäter’. Zuerst kam er 1964 als Zehntklässler auf Klassenfahrt hierher. 2010 verschlug es ihn noch einmal nach St. Andreasberg, allerdings als Begleiter einer Schülertheatergruppe. „Wir haben gemeinsam fleißig für unser Theaterstück ,Pack deinen Koffer in den Käfer’ geprobt“, erzählt Bischoff.

Schlittenfahren ohne Schnee: Schon 1975 hatten Schüler – und Lehrer – viel Spaß auf der Sommerrodelbahn. Quelle: privat

Dass man im Schullandheim nicht nur bei Schnee und Eis Spaß haben kann, weiß auch Monika Fox, geborene Iffländer. 1975 sausten ihre Mitschüler und sie hier die Sommerrodelbahn hinab und studierten ihrerseits ein Theaterstück ein. Die junge Monika spielte eine angefahrene alte Dame mit beunruhigendem Verband um den ganzen Kopf.

„Wir wandern jeden Tag“, berichtete Monika Iffländer ihren Eltern stolz auf einer Postkarte. Quelle: privat

Sogar die Postkarte, die sie aus dem Landheim nach Hause schickte, hat Monika Fox heute noch: „Wir wandern jeden Tag“, schrieb sie ihren Eltern damals stolz. Und noch heute schwärmt sie: „Es war eine wunderschöne Zeit.“

Herbst 1975: Monika Fox (damals Iffländer) und ihre Mitschüler verbrachten aufregende Tage im Schullandheim. Quelle: privat

Britta Biniek aus Wendschott hat zwar keine Bilder mehr von ihren Besuchen im Schullandheim, dafür aber umso mehr Erinnerungen: „In unserer vierköpfigen Familie hat uns das Schullandheim über viele Jahre begleitet. Zu viert kommen wir auf 29 Besuche“, erklärt sie. „So haben wir doch alle ganz klassisch die erste Klassenfahrt in der Grundschule gemacht. Später folgten dann Fahrten mit der Ferienfreizeit der Stadt Wolfsburg, zwei Abschlussfahrten Eltern-Kind mit der Grundschulklasse unseres Sohnes, Fahrten mit der Bläserklasse des Ratsgymnasiums und zuletzt mit dem Fanfarenzug Wendschott.“

Postkartenmotiv: Das tief eingeschneite Schullandheim. Quelle: privat

Dass die Stadt Wolfsburg das Heim nun aufgeben will, gefällt Biniek gar nicht: „Natürlich ist das Haus renovierungsbedürftig, das ist sicher korrekt, aber muss man es deswegen gleich abstoßen?“, fragt sie. „Leider liegt der Fehler ja auch mit an den Wolfsburgern selbst. Wenn man sich so umhört, reicht es heute für die erste Klassenfahrt nicht mehr in den Harz zu fahren. Es muss weiter weg und schicker sein – eine Entwicklung, die wirklich sehr schade ist und überdacht werden sollte.“

Unterdessen läuft die Petition, das Schullandheim zu erhalten, weiter. Über 600 Menschen haben auf www.openpetition.de bereits virtuell unterschrieben, davon allerdings bislang nur gut 140 Wolfsburger. Alois Ballhausen, der Pächter des Landheims, freut sich über die Unterstützung, bleibt aber vorsichtig. „Man muss abwarten. Die Stadt Wolfsburg müsste auf uns zukommen.“ Bislang habe die Stadt allerdings nur nachgefragt, wie viele Wolfsburger Schüler in den letzten Jahren dort übernachtet hätten. „Sie wollen wahrscheinlich rausfinden, ob es sich überhaupt lohnt“, vermutet Ballhausen.

Das Landheim heute: Wegen anstehender Sanierungen will die Stadt das Haus lieber verkaufen als es weiter zu betreiben. Quelle: privat

Marco Meiners von der Wolfsburger FDP, der die Petition angestoßen hatte, will die Angelegenheit nun mit seiner Fraktion und den politischen Gremien diskutieren. „Es kann nicht sein, dass die Stadt das Heim klammheimlich dichtmacht.“ Die ersten Rückmeldungen scheinen Meiners Recht zu geben: „Sowohl aus der Bürgerschaft als auch aus allen politischen Parteien kam positives Feedback!“

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Von Frederike Müller

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