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Stadt Wolfsburg Antonius Holling: „Ich habe nur meine Pflicht getan“
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Antonius Holling: „Ich habe nur meine Pflicht getan“
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10:52 29.04.2020
Antonius Holling: Vor 80 Jahren kam er nach Wolfsburg.
Antonius Holling: Vor 80 Jahren kam er nach Wolfsburg. Quelle: Bistum Hildesheim
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Wolfsburg

Der Start in Wolfsburg war nicht leicht. „Sie haben da keine Wohnung und keine Kirche. Sie sollten da nicht wohnen und dürfen auch keinen Gottesdienst halten, was verboten ist.“ Mit diesen Worten schickte der Hildesheimer Bischof im März 1940 den gerade mal 31-jährigen Priester Antonius Holling in die damalige „Stadt des KdF-Wagens“.

Der Gastwirtssohn aus Osnabrück, der 1934 zum Priester geweiht wurde, kam in eine Stadt, die die faschistischen Machthaber zu einem Modell ihrer Ideologie ausbauen wollten. Kirchen und Gott gehörten nicht dazu. Vom ersten Tag an stand Holling unter Beobachtung durch die Gestapo.

„Ich habe nur meine Pflicht getan“

„Ich habe nur meine Pflicht getan“, sagte Holling bescheiden, als er mit 77 Jahren 1986 in den Ruhestand ging. Auch danach blieb er in Wolfsburg, wohnte in einem kleinen Reihenhäuschen am Schillerteich. Bis zu seinem Tod am 7. September 1996.

Holling schaffte Unfassbares. Er bot den Nazis nicht nur die Stirn, ertrug alltägliche Schikanen, sondern schaffte es trotz Verbot, Gottesdienste in der Stadt des KdF-Wagens durchzuführen. Holling kümmerte sich auch um Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene. Um das zu schaffen war neben Gottvertrauen und Mut auch eine Portion Schlitzohrigkeit nötig.

Die Gestapo ausgetrickst

Ein Beispiel: Holling schickte einen Brief an die Gestapo: „Nach meiner Reise zu den Berliner Amtsstellen beginne ich am morgigen Tag mit dem Gottesdienst.“ So erweckte der Pastor den Anschein, als ob er dafür von einer Parteistelle die Erlaubnis bekommen habe. In Wahrheit hatte er lediglich den Apostolischen Nuntius, den Botschafter des Vatikans, besucht.

Gottesdienst feierte Holling zunächst in einer Notkirche in Heßlingen – bis 1951, da wurde die St. Christophorus-Kirche geweiht. Die kleine Notkirche wurde im August 1963 abgerissen. Eine Stele erinnert an sie und an die 1702 Taufen, 937 Erstkommunionen, 824 Firmungen, 908 Ehen und 494 Sterbemessen, die dort gespendet und gefeiert wurden.

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Unterstützung bei Volkswagen gefunden

Holling wusste, dass er gute Freunde brauchte, um erfolgreich zu sein. Er fand sie in zahlreichen glaubensstarken Menschen – und bei Volkswagen: Ferdinand Porsche, Entwickler des VW Käfers und erster Hauptgeschäftsführer, und der spätere Generaldirektor und Vorstandsvorsitzenden Heinrich Nordhoff unterstützten ihn.

Spatenstich im Taschenlampenlicht

Natürlich wollte Holling in Wolfsburg eine Kirche bauen. Im Taschenlampenlicht soll Holling zusammen mit Nordhoff und dessen Frau im September 1950 den ersten Spatenstich für die Christophorus-Kirche getan haben. Es entstand nicht nur ein Gotteshaus, sondern auch, wie Holling es selbst nannte, „ein kleiner Vatikan“ mit Pfarrzentrum, Altenheim, Begegnungsstätte, Jugendhaus und später der Caritas.

Als Antonius Holling in den Ruhestand ging, würdigten ihn Vertreter der Stadt als eine „persönliche Institution und ein Stück Zeitgeschichte Wolfsburgs". Der Seelsorger wurde zum Ehrenprälaten ernannt, die Stadt verlieh ihm die Rechte eines Ehrenbürgers.

Von der Redaktion