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Stadt Wolfsburg Antisemitischer Anschlag in Halle: So reagieren die jüdischen Gemeinden in Wolfsburg
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Antisemitischer Anschlag in Halle: So reagieren die jüdischen Gemeinden in Wolfsburg
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08:34 11.10.2019
„Es ist schlimm, dass 74 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus jüdische Gotteshäuser bewacht werden müssen“: Rabbiner Yakov Yosef Harety zeigt sich betroffen. Quelle: Boris Baschin
Wolfsburg

Der antisemitische Anschlag in Halle (Saale) ruft Empörung und Betroffenheit hervor, auch in Wolfsburg. Die beiden jüdischen Gemeinden der Stadt haben gleich am Tag nach den tödlichen Schüssen mit der Polizei besprochen, wie es weitergehen soll. In Halle hatte ein Mann am Mittwoch zwei Menschen erschossen. Sein Versuch, in eine Synagoge einzudringen, scheiterte allerdings.

Polizei berät zu verschiedenen Schutzmaßnahmen

„Wir sind im Gespräch mit beiden jüdischen Gemeinden Wolfsburgs und klären ihre Bedürfnisse“, bestätigt Polizeisprecher Thomas Figge. Dafür hat sich der Präventionsbeauftragte der Polizei mit den Vertretern der liberalen und orthodoxen Juden Wolfsburgs zusammengesetzt. Ob in Zukunft mehr Polizei rund um die Gemeinderäume präsent sein soll, ob besonders an den jüdischen Feiertagen Schutz aufgebaut werden soll und ob die Gebäude auch mit „technischen Möglichkeiten“ gesichert werden könnten, stehe bislang aber noch nicht fest. In zwei Wochen wollen sich Polizei und jüdische Gemeinden in Wolfsburg wieder treffen und ein vertieftes Gespräch führen.

Tote bei Schüssen in Halle: Der Versuch, in eine Synagoge einzudringen, misslang dem Schützen allerdings. Quelle: epd

Yakov Yosef Harety, Rabbiner der Orthodoxen Jüdischen Gemeinde Wolfsburg, sieht aber die Verantwortung nicht nur vor Ort, sondern auch auf Landesebene, genauer gesagt im Lehrplan der niedersächsischen Schulen: „Ich wende mich an dieser Stelle an unseren Ministerpräsidenten, Herrn Stefan Weil, an den Kultusminister Herrn Grant Hendrik Tonne und den Antisemitismusbeauftragten, um Pflichtfahrten zu Gedenkstätten und Holocaust-Mahnmalen einzuführen, und diese Thematiken nicht nur im Rahmen von ein oder zwei Pflichtstunden zu erwähnen“, so Harety. Der Anschlag sei „ein wichtiges Zeugnis für den zunehmenden Antisemitismus in Europa“, erklärt er weiter. „Es ist schlimm, dass 74 Jahre nach dem Ende des Nationalsozialismus jüdische Gotteshäuser bewacht werden müssen.“

„Du Jude!“ sei wieder als Beschimpfung im Umlauf

Auch Dimitri Tukuser, Vorsitzender der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Wolfsburg, fordert, schon in der Erziehung und Bildung anzusetzen: „Sowohl zu Hause als auch in der Schule müsste man etwas machen.“ Denn Antisemitismus äußere sich nicht erst in extremen Gewalttaten, sondern zum Beispiel auch im alltäglichen Sprachgebrauch. Unter Jugendlichen sei „Du Jude!“ als Beschimpfung in letzter Zeit gängiger geworden, stellt Tukuser betrübt fest.

Viele Wolfsburger reagieren solidarisch

Der Anschlag in Halle hat Tukuser dennoch schockiert: „Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas passieren würde.“ Positiv ist allein – und das betonen beide Gemeinden – dass sich so viele Wolfsburger gemeldet hätten, um sich solidarisch zu zeigen. Das Islamische Kulturzentrum habe noch vor allen anderen eine Beileidsnachricht geschickt, berichtet Tukuser.

„Diese Mörder wollen ja gerade, dass wir uns verschließen und verstecken!“: Dimitri Tukuser, Vorsitzender der Liberalen Jüdischen Gemeinde Wolfsburg, will sich nicht einschüchtern lassen. Quelle: privat

Nun stellt sich ihm aber die Frage, wie seine Gemeinde in Zukunft weitermachen soll. „Ich bin es gewohnt, in meiner Arbeit und auch privat sehr offen zu sein. Aber ob das weiterhin geht?“ Dabei habe eine Gemeinde ja immer auch den Auftrag, nach außen offen zu sein für die Menschen. Verriegelte Türen, Überwachungskameras oder Polizisten vorm Eingang sind dabei aber hinderlich. Und dieser Gedanke weckt einen gewissen Trotz in Tukuser: „Diese Mörder wollen ja gerade, dass wir uns verschließen und verstecken!“

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