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Stadt Wolfsburg Heimliche Tonbandaufnahme, Familienstreit und Nachbarschafts-Zoff vor Gericht
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Heimliche Tonbandaufnahme, Familienstreit und Nachbarschafts-Zoff vor Gericht
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14:24 19.09.2019
Familienstreit vorm Amtsgericht: Die Ehefrau des Angeklagten bezeichnete ihre Mutter als unglaubwürdig. Quelle: Sebastian Bisch
Wolfsburg

Die Liste der Anklagepunkte war lang: Gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen, Bedrohung und Beleidigung wurden einem 28-jährigen Familienvater aus Wolfsburg zur Last gelegt. Er soll am frühen Abend des 9. Dezember 2018 im Treppenhaus eines Mehrfamilienhauses im Haydnring seine Schwiegermutter (55) gewürgt und getreten haben, eine Nachbarin (51) zwei Monate später ebenfalls getreten und einen weiteren Nachbarn beleidigt haben. Nach ausführlicher Anhörung von drei Zeugen entschied das Gericht jedoch, alle vier Verfahren wegen Geringfügigkeit einzustellen.

Schwiegermutter beschuldigt den Angeklagten hart

Diese für Außenstehende überraschende Wendung rief bei den geladenen Zeugen regelrechte Empörung hervor – ließ sich aber durch nähere Prozessbeobachtung wie folgt nachvollziehen: In der ersten Zeugenaussage hatte die Schwiegermutter des Angeklagten dramatisch geschildert, wie brutal ihr Schwiegersohn sie aus dem Haus geworfen habe, als sie am 9. Dezember 2018 das Gespräch mit ihrer Tochter gesucht habe. Als Beweis präsentierte sie eine heimlich angefertigte Aufnahme eines Tonbandgeräts, das sie während des Streits in ihrem BH versteckt hatte.

Darf das Gericht eine heimliche Tonaufnahme verwerten?

Um die Anhörung dieses Bandes entbrannte vor Gericht ein Disput: Sind widerrechtlich (da heimlich) angefertigte Tonaufnahmen vor Gericht verwertbar? Der vorsitzende Richter entschied kurzerhand trotz entrüstetem Widerspruch des Verteidigers, die Anhörung zuzulassen. Auf dem Band waren tatsächlich dramatische Schreie der Schwiegermutter zu hören, über die genauen Handlungen des Angeklagten konnte es jedoch keinen hinreichenden Aufschluss geben.

Rassistische Nachrichten, weil Schwiegersohn kein Christ ist

Zur Erhellung der Tatsachen trug erst die Anhörung der Ehefrau des Angeklagten, der Tochter des vermeintlichen Opfers, bei. Die junge Frau (28) schilderte sachlich, aber dennoch bewegend, welch schwierige Familiengeschichte dem angeklagten Vorfall vorausgegangen war – und ließ mit ihrer Aussage erhebliche Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Mutter aufkommen: „Von Anfang an hat meine Mutter meinen Freund abgelehnt, weil er kein Christ ist. Wir sind mittlerweile seit elf Jahren ein Paar, inzwischen sogar verheiratet, aber sie hat ihn nie akzeptiert.“ Nach Aussage der Tochter habe die Mutter das Paar jahrelang mit rassistischen Nachrichten terrorisiert.

Tochter: „Sie hat da die totale Show abgezogen“

An dem besagten Abend habe ihr Mann die Schwiegermutter des Hauses verwiesen, die Polizei gerufen und sie schließlich an den Schultern packend hinausbugsiert, als diese trotz mehrfacher Aufforderung nicht gehen wollte. „Ich stand hinter meinem Mann in der Wohnung und hatte Angst. Er hat nur versucht, uns zu schützen. Er hat sie weder gewürgt noch getreten. Ihr Geschrei war total übertrieben, sie hat da die totale Show abgezogen.“

Das Gericht stellt alle Verfahren ein

Auch in den weiteren angeklagten Fällen stand Aussage gegen Aussage, so dass die Staatsanwaltschaft schließlich die Einstellung des Verfahrens beantragte. In diesem Fall hat der Angeklagte im Gegensatz zu einem Freispruch selbst die ihm entstandenen Prozesskosten zu tragen, die Staatskasse wird hiermit nicht belastet.

Von der Redaktion

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