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Stadt Wolfsburg Abtreibung, Sex-Frust und Internet-Mythen: Die vielfältige Arbeit der Pro-Familia Wolfsburg
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Abtreibung, Sex-Frust und Internet-Mythen: Die vielfältige Arbeit der Pro-Familia Wolfsburg
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00:16 19.06.2018
Beratungsstelle Pro-Familia: Im Stormhof 2 empfangen Susanne Koch und Uwe Niehus Paare oder ganze Schulklassen. Quelle: Boris Baschin
Stadtmitte

Hinter den Türen des Pro-Familia-Zentrums, das an der lauschigen Ecke von Lönsstraße und Stormhof liegt, fanden im vergangenen Jahr 1489 Beratungsgespräche statt. Am häufigsten sind es Schwangere, die dort Rat suchen. Aber auch Paare mit Beziehungsproblemen kommen vorbei – und ganze Schulklassen.

Mehr Konfliktberatung für Schwangere

Auch die sogenannte Schwangerschaftskonfliktberatung, das gesetzlich vorgeschriebene Beratungsgespräch vor einem Schwangerschaftsabbruch, gehört zur Arbeit der Pro-Familia. In Wolfsburg machten diese Beratungen etwa 20 Prozent der Gesamtarbeit aus, schätzt Stellenleiterin Susanne Koch. Im letzten Jahr sind die Zahlen außerdem gestiegen: 268 solcher Gespräche gab es – 17 mehr als im Vorjahr. Die Diplom-Sozialpädagogin entwarnt aber: „Es gibt 2016 auch eine deutlich erhöhte Geburtenrate deutschlandweit. Da ist es normal, dass auch die Zahl der Abbrüche leicht steigt.“ Die Entscheidung für die Abtreibung sei in den meisten Fällen schon vor der Beratung gefallen, nur jede fünfte Frau käme unentschieden ins Gespräch, schätzt Koch.

Sozialrecht und Fragen zur Sexualität

Diejenigen, die sich dagegen entscheiden, sieht die Sozialpädagogin oft zu einem späteren Zeitpunkt wieder: Denn mit ihren fünf Kollegen hilft Koch auch bei sozialrechtlichen Fragen – oft geht es um Elterngeld, Kindergeld oder Unterhalt. Außerdem kann die Pro-Familia für Schwangere eine Erstausstattung bei der „Bundesstiftung Mutter und Kind“ beantragen. Solche Gespräche fallen unter „Beratungen vor, während und nach einer Schwangerschaft, Sexualaufklärung, Sexualberatung, Familienplanung und Kinderwunsch“. 901 dieser Beratungen gab es 2016. Die Sexualberatung sei dabei das Alleinstellungsmerkmal der Pro-Familia, so Diplom-Psychologe Uwe Niehus. Denn auch Donum Vitae, AWO, Caritas und Diakonie haben in Wolfsburg Beratungsstellen. „Viele Menschen wissen nicht, dass es Paar- und Familienberatung auch ohne kirchliche Träger gibt“, so Niehus.

Stress verdirbt vielen den Spaß am Sex

Heutzutage trügen die Menschen andere Sorgen in die Beratungsräume als noch 1974, als die Beratungsstelle gegründet wurde: „Die Probleme wegen Erektionsstörungen haben durch das heutige Angebot an Medikamenten abgenommen“, weiß Uwe Niehus. „Dafür nimmt die sexuelle Unlust immer mehr zu, auch bei Männern. Ich denke, viele Menschen haben Freizeitstress – für sexuelle Lust braucht es aber Freiraum, Zeit und Entspannung.“ Besonders die Wolfsburger stünden unter hohem Druck, meint Niehus. „Hier ist man stärker konzentriert aufs Materielle.“

Vom Mann mit den zwei Penissen und anderen Märchen

Auch in den Schulklassen, die zu sexualpädagogischen Info-Vormittagen vorbeikommen, ist ein neuer Zeitgeist spürbar. „Man muss viele Mythen geraderücken, die sie im Internet aufgeschnappt haben“, lacht Uwe Niehus. Der Mann mit den zwei Penissen („Ich hab da aber ein Bild von gesehen, ganz echt!“) sei nur eines von vielen Beispielen. Doch während die Schüler oft schon mit zehn Jahren ein Smartphone und Internetzugang hätten, sei gesellschaftlich ein viel bedenklicheren Trend zu beobachten: „Es gibt ein Roll-back“, so Niehus. „Eine Hinwendung zu konservativen Werten: keine Aufklärung für Kinder, kein Sex vor der Ehe, altmodische Rollenbilder.“ Auch Kollegin Susanne Koch sieht das mit Besorgnis: „Es verlagert sich viel nach vorne – die erste Menstruation bekommen viele Mädchen schon mit zehn oder elf Jahren. Frühe Aufklärung ist wichtig, damit die Kinder sich schützen können.“

Von Frederike Müller

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