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Stadt Wolfsburg Absaugen und warnen: Kritik am Umgang mit Giftraupe
Wolfsburg Stadt Wolfsburg Absaugen und warnen: Kritik am Umgang mit Giftraupe
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00:22 21.06.2019
Nest am Hageberg: Der Eichenprozessionsspinner ist mittlerweile im Stadtgebiet weit verbreitet. Quelle: Sebastian Bisch
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Wolfsburg

Der Eichenprozessionsspinner erhitzt weiter die Gemüter in Wolfsburg. Auf Facebook finden sich unter unserem Artikel von Dienstag zahlreiche Kommentare, die mit zum Teil scharfer Kritik auf das Vorgehen der Stadt reagieren und von weiteren von der Raupe befallenen Gebieten berichten.

Am Mittwoch, 19. Juni, soll das Thema nach WAZ-Informationen auch ausführlich im Ausschuss für Bürgerdienste behandelt werden, der ab 16 Uhr im Wolfsburger Rathaus tagt.

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So berichten Eltern etwa von befallenen Eichen auf dem Gelände der direkt am Wald gelegenen Eichelkampschule: „Meinen zweiten Sohn hat es erwischt mit Hautausschlag. Der erste Sohn war vor zwei Jahren ebenfalls sehr stark betroffen. In der Eichelkamp Schule Wob krabbeln Sie, trotz Begehung einer Spezialfirma.“

Auf WAZ-Nachfrage bestätigt Schulleiterin Anja Gläsner-Weitkamp: „Ja, wir haben jedes Jahr kurz vor den Sommerferien Probleme mit dem Spinner.“ Bei Sichtung eines Nestes werde der Bereich abgesperrt und eine Spezialfirma zum Absaugen gerufen. „Aber die Haare fliegen auch aus dem benachbarten Wald hierher“, erzählt sie. Zudem würden die Kinder ausführlich über die Gefahren aufgeklärt und gingen gut damit um. Dennoch sei es auch in diesem Jahr vereinzelt zu allergischen Reaktionen in der Schule gekommen. Eine deutliche Verschlimmerung im Vergleich zum den letzten Jahren könne sie aber nicht feststellen. „Jedes Jahr sind zwei oder drei Kinder von Ausschlägen betroffen“, berichtet Gläsner-Weitkamp.

Absperren, warnen und absaugen: Das ist bislang auch die Strategie der Stadt Wolfsburg im Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner. Für viele Bürger eindeutig zu wenig. „Es ist ein Armutszeugnis für Wolfsburg, dass dort nicht reagiert wird. Wolfsburg wird als grüne Stadt beworben, aber die Wälder sollen nicht mehr betreten werden“, so ein für viele weitere Beiträge exemplarisch stehender Kommentar.

Gerade mit Blick auf den Nachbarlandkreis Gifhorn fordern viele Wolfsburger ein Umdenken und eine Bekämpfung der Raupe. Als Beispiel halten die unmittelbar hinter der Stadtgrenze gelegenen Gemeinden Rühen und Parsau her. Dort hatten die Bürger per Petition eine Bekämpfung des Spinners mit Gift aus der Luft erreicht. Bisher durchaus erfolgreich. Eine genaue Bestandsaufnahme stehe zwar noch aus, die ersten Rückmeldungen der Bürger waren aber positiv, sagt Rühens Bürgermeister Karl Urban auf WAZ-Nachfrage.

Und auch Kerstin Keil bewertet die diesjährige Aktion positiv. „Die Bekämpfung mit Gift war effektiv. Es gibt schon noch Befall, aber deutlich weniger als im letzten Jahr“, erklärt sie. Das sehe man vor allem an dem Unterschied zwischen den Gebieten nahe der Ortslage, an den gesprüht wurde, und denen im Drömling, wo das Gift nicht zum Einsatz kam. Sie schließt aber auch nicht aus, dass das Wetter in diesem Jahr ebenfalls ein positive Rolle spielte.

Wer im Wolfsburger Stadtgebiet weitere Gebiete mit starkem Eichenprozessionsspinner-Befall entdeckt, kann dies gerne der WAZ mitteilen.

Die Entwicklung im Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner

18. Juni 2019: Eichenprozessionsspinner: Gefährliche Raupe macht sich im VW-Bad breit

30. Mai 2019 : Allergien – Gesundheitsamt Wolfsburg warnt vor Eichenprozessionsspinnern

14. Mai 2019: RühenEPS: Auch nach Besprühung keine Entwarnung

13. Mai 2019: Kampf gegen Eichenprozessionsspinner gestartet

11. Mai 2019: EPS-Bekämpfung mit dem Hubschrauber auf 21 Routen

10. Mai 2019 Kostenexplosion und Waldschäden in Wolfsburg - Hiobsbotschaften für den Ortsrat Stadtmitte

10. Mai 2019: Eichenprozessionsspinner-Bekämpfung: Gesundheitsrisiken gering

9. Mai 2019: Wetter bestimmt Zeitpunkt der Helikopter-Einsätze

8. Mai 2019: Helikopter-Einsätze erst am Montag

3. Mai 2019: Bekämpfung aus der Luft startet nächste Woche

30. April 2019: Bekämpfung des Eichenprozessionsspinners beginnt

27. April 2019: Kreis beteiligt sich an Bekämpfungskosten

12. April 2019: So kämpft der Kreis Gifhorn gegen die Raupe

11. April 2019: RühenKleine Raupe sorgt wieder für großen Ärger

29. März 2019: Eichenprozessionsspinner: Petition mit 7000 Unterschriften übergeben

25. Februar 2019: Eichenprozessionsspinner: Landtags-Petition zu den Kosten kann starten

23. Februar 2019: Prozessionsspinner: Noch wenig Bewusstsein für das Raupenproblem

20. Februar 2019: Eichenprozessionsspinner: Grüne im Landkreis Gifhorn für das Absaugen

17. Februar 2019: Eichenprozessionsspinner: Grüne sehen Minister in der Pflicht

14. Februar 2019: Info-Abend – Prozessionsspinner bewegt auch die Wendschotter

10. Februar 2019: Rühener sammeln Unterschriften gegen Eichenprozessionsspinner

8. Februar 2019: Eichen in Parsau dürfen bald gefällt werden

1. Februar 2019: Land zahlt nicht für Kampf gegen Eichenprozessionsspinner

4. Januar 2019: Parsau und Rühen warten jetzt aufs Land

8. November 2018: In FFH-Gebieten keine Bekämpfung aus der Luft

3. September 2018: Rühen bekommt Hilfe im Kampf gegen Raupe

9. August 2018: Pflanzenschutzmittel gegen Eichenprozessionsspinner

25. Juli 2018: Natürliche Feinde sollen gegen Prozessionsspinner helfen

19. Juli 2018: Neuer Antrag auf Bekämpfung aus der Luft

7. Juli 2018: Umweltminister sieht sich Situation in Giebel an

22. Juni 2018: Weyhäuser Weg bei Wolfsburg - Keine Chance für Eichenprozessionsspinner

14. Juni 2018: Wolfsburger Behörden-Wirrwarr – Eichenprozessionsspinner: Zuständigkeits-Wirrwarr bei Stadt

24. Mai 2018: Eichenprozessionsspinner: – Strecke für Volkstriathlon muss verändert werden

2. August 2012: Gefährlicher Prozessionsspinner: Wolfsburger Stadtverwaltung lässt alle Raupen-Nester absaugen!

Von Steffen Schmidt