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Stadt Wolfsburg 4,55 Millionen Euro Minus im Klinikum – Miet-Ärzte sind teuer
Wolfsburg Stadt Wolfsburg 4,55 Millionen Euro Minus im Klinikum – Miet-Ärzte sind teuer
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20:54 28.05.2019
4,55 Millionen Euro mehr als geplant musste das Klinikum ausgeben: Die Nachricht brachten (v.l.) Christiane Bitter, Monika Müller, Prof. Matthias Menzel, Dr. Akhil Chandra und Wilken Köster mit. Quelle: Foto: Sebastian Bisch
Wolfsburg

Den Minus-Rekord von 2012 hat das Klinikum mit seiner Kostenabrechnung 2018 nicht gebrochen – aber viel fehlt nicht. 4,55 Millionen Euro mehr als geplant braucht das Krankenhaus, um sein Defizit auszugleichen. Der Klinikums-Ausschuss verharrte in einer Art Schockstarre. „Damit hatte niemand gerechnet“, sagte Vorsitzende Antina Schulze (SPD).

Agenturen verdienen mit

Ein Grund ist der Fachkräftemangel. Um die Versorgung der Patienten gewährleisten zu können, greifen Kliniken bei Engpässen auf Honorarkräfte zurück. Und Miet-Ärzte sind teuer. Leiharbeiter müssen im medizinischen Bereich zurzeit laut Klinikums-Direktor Wilken Köster nicht um höhere Löhne kämpfen. Statt dessen kämpfen Kliniken darum, dass ihre frisch ausgebildeten Fachärzte nicht zu einer der Vermittlungs-Agenturen wechseln. Die bezahlen offenbar besser und bieten flexiblere Arbeitszeiten an – wer keine Nachtschicht schieben will, muss nicht. Beim Prinzip „Rent a Doc“ zahle die Klinik trotzdem das Dreifache, sagt Köster – inklusive Agentur-Gebühr und Mehrwertsteuer. Prof. Dr. Matthias Menzel, Chefarzt der Intensiv- und Rettungsmedizin, sprach von einer schmerzlichen Entwicklung, und das nicht nur wegen der Kosten. „Es ist eine große Herausforderung, immer wieder neue Kollegen kurzfristig in die Abläufe einzubinden“, sagte er.

Kürzung der Krankenkassen

Weitere Gründe für das hohe Minus: Im zweiten Halbjahr kamen weniger Patienten, die brauchten dafür aber mehr teure Implantate als vorhergesehen. Und die Krankenkassen kürzen laut Köster immer häufiger nachträglich ihre Zahlungen. „Unsere Mediziner entscheiden am Menschen, wann ein Patient entlassen werden kann. Der Medizinische Dienst urteilt nach Aktenlage“, sagte der Klinikumsdirektor. Dann gibt’s nur Geld für drei Tage, obwohl ein Bett vier Tage belegt war.

Gegensteuern

Vorwürfe gab es vom Ausschuss nicht. „Wir sind froh, dass wir noch ein städtisches Klinikum haben. Der Wille zu Reformen ist da und wir hoffen, dass sie erfolgreich umgesetzt werden“, sagte Schulze. Sozialdezernentin Monika Müller erläuterte die Ziele: Kooperationen mit anderen Einrichtungen bei der Nutzung teurer Geräte, Kosten-Kontrolle in den Abteilungen sowie Gespräche mit niedergelassenen Ärzten, damit diese Patienten direkt überweisen. Und: mehr Ärzte weiterbilden. Außerdem will das Klinikum die Liegezeiten weiter reduzieren – nicht auf Kosten der Gesundheit, sondern durch bessere Koordination, wie der Medizinische Direktor Dr. Akhil Chandra betonte.

Kommentar: Luxusgut Gesundheit

Angesichts der Kostensteigerungen im Bereich Personal und Material will das Wolfsburger Klinikum 2019 früher gegensteuern, damit das Minus nicht noch einmal so hoch ausfällt. Das ist löblich. Ich habe allerdings meine Zweifel, ob es gelingt. Denn das Hauptproblem kann nicht in Wolfsburg gelöst werden: Unser Gesundheitssystem ist krank. Wie kann es sein, dass Krankenkassen üppige Überschüsse ausweisen, aber den Krankenhäusern nachträglich vorschreiben, wann ein Patient gefälligst gesund gewesen sein muss? Und was passiert, wenn künftig kein Arzt mehr nachts und schon gar nicht in einer kommunalen Klinik arbeiten will, weil die Privatwirtschaft besser zahlt? Ich habe große Angst, dass Gesundheit bald zum unbezahlbaren Luxus wird.

Von Andrea Müller-Kudelka

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