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Fallersleben Vanessa Seeger, Deutschlands jüngste WM-Schützin
Wolfsburg Fallersleben Vanessa Seeger, Deutschlands jüngste WM-Schützin
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23:59 13.08.2018
Ambitioniert: Vanessa Seeger, 16, ist die jüngste WM-Schützin in der Deutschen Nationalmannschaft. Das Trockentraining zu Hause gehört zur Vorbereitung.
Ambitioniert: Vanessa Seeger, 16, ist die jüngste WM-Schützin in der Deutschen Nationalmannschaft. Das Trockentraining zu Hause gehört zur Vorbereitung. Quelle: Andrea Müller-Kudelka
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Sülfeld

Vanessa Seeger aus Sülfeld ist jetzt Mitglied in der deutschen Schützen-Nationalmannschaft – und qualifizierte sich für die Weltmeisterschaft in Südkorea vom 29. August bis 9. September. Im Alter von elf Jahren zielte sie erstmals mit der Sportpistole auf Zielscheiben. „Ich wollte eigentlich nie Wettkämpfe schießen“, erinnert sich die heute 16-Jährige Gymnasiastin: „Das hat sich ein bisschen geändert.“

Go for Gold

Und zwar ziemlich schnell: 2014 war Vanessa jüngste Deutsche Meisterin mit der Luftpistole in der Schülerklasse. Jetzt ist sie Jüngste im WM-Team. Dabeisein reicht nicht. „Natürlich zielt man immer auf Gold“, sagt sie, „ich möchte zeigen, was ich kann – was dann dabei herauskommt, wird man sehen.“ Zuletzt holte sie Anfang August im Einzelwettkampf und mit der Mannschaft vier Medaillen beim Frankreich-Alpen-Cup.

Trainings-App: Das Handy zählt beim Trockentraining die Sekunden, die beim echten Wettkampf fürs Halten, Zielen und Ziehen des Triggers bleiben. Quelle: Andrea Müller-Kudelka

Sie tritt mit der Luftpistole (Zehn-Meter-Distanz) und der Kleinkaliber-Sportpistole (25 Meter) an. Der Alpen-Cup war Teil der Vorbereitung auf die WM. Und Seegers Training zeigt, dass Schießen Sport ist. Yoga, Laufen und Rumpfkräftigung mit Unterarm- und Seitstütz gehören dazu. Das erinnert ein bisschen an Boxer-Filme mit „Rocky“ Silvester Stallone. „Die Titelmusik gehört tatsächlich zu meiner Playlist für das Training“, sagt sie und grinst. Fitness, Feinmotorik, Atmung, Beweglichkeit und Haltekraft will sie optimieren, hinzu kommt das mentale Training. „Ich schieße viele Wettkämpfe im Kopf, bevor ich sie antrete.“

Maßstabsgerecht verkleinert: An der Türzarge unter dem Poster der Lieblingsband hängt eine Zielscheibe – nicht als Deko, sondern als Übungs-Schießstand. Quelle: Andrea Müller-Kudelka

Die Pistole wird übrigens im Tresor verwahrt, dessen Code nur die Eltern kennen. Für einen Waffenbesitzschein ist die 16-Jährige selbst zu jung. Dreimal pro Woche wird auf dem USK-Schießstand in Fallersleben scharf geschossen, sonst gibt’s Trockentraining im Jugendzimmer – einen Meter entfernt von maßstabsgerecht verkleinerten Zielscheiben, die an den Türzargen kleben.

Wettkampf statt Wochenende

Anfangs war sie für alle nur die Tochter des Sülfelder Olympia-Schützen-Paares Carmen und Frank Seeger. Inzwischen hat sie sich einen eigenen Namen gemacht, das sei schön. Allerdings: „Man opfert mehr, als die meisten denken“, sagt die Schülerin. Wenn andere feiern, fährt sie zum Wettkampf. „Die Freunde, die trotzdem bleiben, sind die richtigen. Und der Spaß gleicht es aus.“

Komplette Montur: Schutzbrille, Gehörschutz, Schuhe mit besonders dicker Sohle und natürlich die Pistole gehören zur Ausstattung. Auf dem Griff der Waffe kleben Prüfsiegel, auf dem Waffenkoffer Erinnerungen an Wettkämpfe. Das Gepäckstück wird an Flughäfen übrigens gern mal etwas länger untersucht. Quelle: Andrea Müller-Kudelka

Nach der WM folgt bald der nächste Höhepunkt. Vom 1. bis 18. Oktober finden die Olympischen Jugendspiele in Buenos Aires statt, bei denen mehr als 3000 Athleten zwischen 15 und 18 Jahren in 185 Wettbewerben um Medaillen kämpfen. Vom 7. bis 12. Oktober sind die Schützen dran. Vanessa Seeger hat sich qualifiziert.

Von Andrea Müller-Kudelka