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Fallersleben Prominenter Gast im Hoffmann-Museum: Ex-DDR-Sportlerin Ines Geipel liest
Wolfsburg Fallersleben Prominenter Gast im Hoffmann-Museum: Ex-DDR-Sportlerin Ines Geipel liest
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14:00 10.01.2020
Kommt nach Fallersleben: Die Schriftstellerin und ehemalige Weltklassesprinterin Ines Geipel liest im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum. Quelle: picture alliance / dpa
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Fallersleben

Prominenter Besuch im Hoffmann-von-Fallersleben-Museum: Die ehemalige DDR-Spitzensportlerin und Stasi-Opfer Ines Geipel liest am Donnerstag, 16. Januar, um 19 Uhr aus ihrem neuen Buch „Umkämpfte Zone. Mein Bruder, der Osten und der Hass".

Die Veranstaltung mit Ines Geipel findet im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung "Confrontier. Mauern 1989 bis 2019. Fotografien von Kai Wiedenhöfer" statt, die an diesem Abend ebenso besucht werden kann. Der Eintritt ist frei.

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Kritische Auseinandersetzung mit der DDR

Die ehemalige DDR-Spitzensportlerin und frühere Vorsitzende des Dopingopfer-Hilfevereins setzt sich als Autorin kritisch mit der DDR und dem Umgang mit deren Erbe in Ost und West auseinander. Ines Geipel, Kind überzeugter Kommunisten, überwand im Sommer 1989 den Eisernen Vorhang und floh über Ungarn in den Westen.

In „Umkämpfte Zone" verbindet sie ihre besondere und für sie doch "symptomatische" Familiengeschichte mit der Geschichte der DDR und zieht den Bogen bis in die Gegenwart: In der Nachwendezeit sei gerade die Verdrängung der nationalsozialistischen Schuldfrage durch Partei und Familien in der DDR selten tiefgründig aufgearbeitet worden, sagt sie. In der Folge fänden deshalb rechte und rechtsextreme Parolen in den ostdeutschen Bundesländern aktuell mehr Akzeptanz.

Großes Schweigen über die NS-Vergangenheit

Ines Geipel, 1960 in Dresden geboren, erlebte in ihrem kommunistischen Elternhaus, wie über die SS-Vergangenheit der Großväter Schweigen herrschte. Der Vater, ein Pionierpalast-Leiter, war zu Hause gegen die eigenen Kinder gewalttätig. Die Autorin sieht zwischen der Täterschaft des Vaters und seiner – und ihr bis 2004 unbekannten – Stasi-Tätigkeit einen Zusammenhang.

Zwischen den Geschwistern bestand eine innige Beziehung. Anders als Ines Geipel erinnerte sich der Bruder als Erwachsener allerdings weniger der erlebten Traumata. Sie dagegen trug sich schon als junge Frau mit Fluchtgedanken. Doch von den Plänen der damaligen DDR-Staffel-Läuferin über 4 mal 100 Meter erfuhr auch die Stasi.

In einen mexikanischen Geher verliebt

Nachdem sie sich 1984 in einem Vorbereitungslager auf die Olympischen Spiele in einen mexikanischen Geher verliebt hatte, wollte sie aus der DDR fliehen. Die Stasi vereitelte jedoch ihre Fluchtpläne und die Sportlerin wurde fortan mit „Zersetzungsmaßnahmen“ belegt, wie die Staatssicherheit ihre Arbeitsweise nannte: Der Speerwerfer und spätere Trainer beim SC Motor Jena, Jürgen Falkenthal, bespitzelte Geipel als Führungs-IM „Ilja Vogelberg“.

Es wurde noch schlimmer: Bei einer Blinddarmoperation 1984 wurde ihr im Stasi-Auftrag der gesamte Bauch samt Muskulatur durchschnitten. Das war das Ende der sportlichen Karriere und Ines Geipel begann ein Germanistikstudium an der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Flucht über Ungarn in den Westen

Aber auch als Studentin eckte Ines Geipel politisch an. Die Flucht in den Westen und der 9. November 1989 bedeuteten für sie ein großes Glückserlebnis. Seither engagiert sie sich unter anderem schreibend gegen das "Vergessen" von systematischem Staatsdoping, der Diktatur- und Gewaltrealität sowie der Angsterfahrungen der DDR-Bürger und gegen Versuche zur Umdeutung der DDR-Geschichte.

Von der Redaktion