Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Fallersleben Fallersleben: „Metropol“ blickt auf 100 Jahre Kino-Geschichte zurück
Wolfsburg Fallersleben

„Metropol“ blickt auf 100 Jahre Kino in Fallersleben zurück

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:00 23.03.2021
100 Jahre Kino in Fallersleben: Das „Metropol“ blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück.
100 Jahre Kino in Fallersleben: Das „Metropol“ blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück. Quelle: Roland Hermstein
Anzeige
Fallersleben

Das ist eine stolze Bilanz: Seit 100 Jahren gibt es Kino in Fallersleben. Die Geschichte beginnt 1921: Elektromeister Hermann Knape, Jahrgang 1901, reiste als Wanderspieler auf seiner Zündapp mit Beiwagen von Ort zu Ort und baute seinen Filmprojektor in verschiedenen Gasthäusern rund um Fallersleben auf.

Damals bestanden die „Kinosäle“ aus einem bestuhlten Raum mit Leinwand. Der Filmvorführer kam mit Projektor und Filmdosen angereist. Die erste Filmvorführung der „Fallersleber-Licht-Bild-Bühne“ war am 20. März 1921 mit dem Film „Die goldene Krone“.

Das 100-jährige Kino-Jubiläum kann wegen Corona nicht gefeiert werden

Es war die Zeit der Stummfilme. „Im besten Fall wurde die Vorführungen von einem Klavierspieler musikalisch begleitet“, weiß Barbara Rücker, Enkelin von Hermann Knape. Sie betreibt heute das „Metropol“-Kino in Fallersleben. Sie hätte das Jubiläum gern gefeiert. Doch wegen Corona geht das leider nicht.

100 Jahre Kino in Fallersleben in Bildern:

Das Metropol-Kino in Fallersleben blickt auf eine lange und bewegte Geschichte zurück.

Filme wie „Der Vagabund und das Kind“ mit Charlie Chaplin begeisterte damals das Publikum. Aber auch “Die Nibelungen“, ein Spielfilm-Zweiteiler von Fritz Lang, beeindruckte wegen seiner Ausstattung und einer legendären Kampfszene zwischen Siegfried und dem Drachen. Ebenso unvergessen: „Metropolis“ von Regisseur Fritz Lang.

Die Filmvorführungen waren das zweite berufliche Standbein von Hermann Knape

Hermann Knape reiste mehrere Jahre durch die Umgebung und baute sich mit den Filmvorführungen neben seiner Arbeit als Elektriker ein zweites berufliches Standbein auf. 1933 kam es bei der Vorführung des Films „Im Westen Nichts Neues“ im ausverkauften Fallersleber Hof (heute Hoffmannhaus) zu einem schlimmen Zwischenfall: Rund 130 Mitglieder der NSDAP stürmten die Vorstellung und zerstörten die Leinwand mit Spaten.

„Erst nach Polizeiaufforderung verließen die Randalierer den Saal“, schrieb die „Aller-Zeitung“ damals. „Zur Vermeidung eines Blutbades“ wurde der Filmabend verboten. „Im Westen nichts Neues“ konnte in Fallersleben nach diesem Vorfall nicht wieder gezeigt werden.

1934 wurden die „Fallersleber Lichtspiele“ an der Ecke Bahnhofstraße/Mühlenkamp eröffnet

Als Hermann Knape 1934 sein erstes Kino „Fallersleber Lichtspiele“ mit 290 Plätzen an der Ecke Bahnhofstraße/Mühlenkamp eröffnete, hatte sich der Tonfilm bereits durchgesetzt. Filme wie „Der blaue Engel“ und “Die Drei von der Tankstelle“ begeisterten das Kinopublikum. Auch während des Zweiten Weltkriegs war das Metropol zum größten Teil geöffnet. „Wie das Kino diese Zeit unbeschadet überstehen konnte, ist heute nicht mehr nachvollziehbar“, so Barbara Rücker.

Bald war klar: Die „Fallersleber Lichtspiele“ sind zu klein und Knape kaufte nicht weit entfernt ein Grundstück an der Bahnhofstraße. Es wurden Pläne gemacht, Bauholz beschafft. Aber dann kam der Zweite Weltkrieg. Knapes Sohn Horst erzählte später, dass das Bauholz tatsächlich noch verwendet wurde. „Aber nicht für das Kino, sondern für den Bau von Baracken.“

Als der Krieg vorbei war, trat Hermann Knape 1950 dem „Wirtschaftsverband der Filmtheater“ bei (heute HDF KINO). Mit der Mitgliedsnummer 0008 gehörte er zu den Gründungsmitglieder des Verbandes, der heute der größte Kinoverband Deutschlands ist. 1954 begann Hermann Knape mit dem Bau des Metropol Theaters, das 450 Besuchern Platz bieten sollte. Ebenfalls im Jahr 1954 machte der Sohn, Horst Knape, den Filmvorführschein um den Familienbetrieb weiter tatkräftig zu unterstützen.

Von der Redaktion