Menü
Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg Wolfsburger Allgemeine / Aller-Zeitung| Ihre Zeitung aus Wolfsburg
Anmelden
Fallersleben 40 Jahre am GyFa: Diese Ereignisse wird Wilfried Nehls nie vergessen
Wolfsburg Fallersleben 40 Jahre am GyFa: Diese Ereignisse wird Wilfried Nehls nie vergessen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:25 24.06.2019
Organisationstalent: Nehls hat nicht nur unterrichtet, sondern unzählige Klassenfahrten und Schul-Events organisiert. Quelle: Britta Schulze
Anzeige
Fallersleben

Ohne ihn kann man sich das Gymnasium Fallersleben beinahe nicht vorstellen, und doch wird man sich an den Gedanken gewöhnen müssen: Studiendirektor Wilfried Nehls (67) wird am 2. Juli in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. In seiner fast 40-jährigen Amtszeit hat er ungezählte Schülerinnen und Schüler zum Abitur und damit zur Hochschulreife geführt. Die WAZ sprach mit Wilfried Nehls.

Herr Nehls, Ihr Ruhestand ist in greifbare Nähe gerückt. Was haben Sie sich vorgenommen für das Mehr an Freizeit?

Anzeige

Einiges muss in Haus und Garten erledigt werden, wozu während der Dienstzeit nur wenig Zeit blieb. Und ich könnte ein paar kleinere Reisen innerhalb Deutschlands unternehmen. In der letzten Zeit habe ich außerdem zunehmend Freude am Schreiben gefunden.

Klassenfahrt zum Mauerfall

An welches Ereignis, welche Episode denken Sie mit besonderer Freude zurück?

In jedem Jahr, genauer seit dem ersten Abitur am Gymnasium Fallersleben im Jahr 1982, stellt die Entlassungsfeier immer den Höhepunkt dar. Die Verabschiedung der 177 Abiturientinnen und Abiturienten des sogenannten Doppeljahrgangs im Jahr 2011 in der Neuen Halle war eine logistische Herausforderung. Unvergessen bleiben mir auch die Jahrgangsfahrten mit jeweils allen 11. Klassen nach Berlin und die Fahrten zur politischen Bildung mit den angehenden Abiturientinnen und Abiturienten. Die Fahrt im Januar 1990, die ich lange vor dem Fall der Mauer geplant hatte, war außergewöhnlich: Schüler und Schülerinnen der 11. Klassen betätigten sich als Mauerspechte, unmittelbar nach Öffnung der Mauer am Brandenburger Tor ging es nach Ostberlin.

Klassentreffen des Abijahrgangs 1989: Wer so lange dabei ist wie Wilfried Nehls, erlebt viele Ehemaligenfeiern Quelle: Tim Hondke

Und was hat Sie besonders geärgert?

Nach einer Klassenfahrt im Jahr 1982 hatte ein Vater eines Achtklässlers im Gespräch kein Verständnis dafür, dass ich seinen Sohn nachts massiv gerügt hatte, als ich ihn nachts auf der Jungentoilette mit einem Mädchen angetroffen hatte. Er meinte, das sei normal auf einer Klassenfahrt.

Persönliche Begegnungen mit dem ,wahren’ Leben

Wir kennen Sie über ihre pädagogische Tätigkeit hinaus als Organisator und Mitgestalter großer schulischer Veranstaltungen. Erst kürzlich war auf Ihre Einladung Niedersachsen Ministerpräsident Stefan Weil zu Gast. Was ist Ihnen da an weiteren Höhepunkten in Erinnerung?

Mir war in allen Jahren neben dem Unterricht als Fachlehrer in den Fächern Mathematik und Physik immer wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler Einblicke in wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Zusammenhänge bekommen. Besuche sogenannter außerschulischer Lernorte und persönliche Begegnungen mit den dort handelnden Personen vermitteln anschaulich und überzeugend Wissen, das dann auch nachhaltig haften bleibt. Auch die Vorträge von Einzelpersonen zu besonderen Anlässen in der Außenstelle gehören dazu. In diesem Zusammenhang bleiben mir auch die Kontakte zu Einrichtungen und Betrieben in der Region als Leiter des Arbeitskreises Schule – Wirtschaft in den Jahren 1999 bis 2012 in guter Erinnerung. Einige der besuchten Betriebe gibt es inzwischen in dieser Form nicht mehr, zum Beispiel Hertie in der Porschestraße oder Tyssen-Krupp im Gewerbegebiet Vogelsang. Das zeigt, welche Dynamik in der wirtschaftlichen Entwicklung im Raum Wolfsburg vorhanden ist.

Mit Niedersachsens Ministerpräsident Stefan Weil: Um den Schülern Einblicke in gesellschaftliche Zusammenhänge zu geben, lud Nehls immer wieder spannende Gesprächspartner in die Schule ein. Quelle: Britta Schulze

Manche ihrer Berufskollegen gehen vorzeitig in den Ruhestand, weil sie sich den aktuellen Anforderungen nicht mehr gewachsen fühlen. Im Gegensatz dazu haben Sie Ihre Amtszeit sogar um zwei Jahre verlängert. Haben Sie diesen Schritt eigentlich manchmal bereut?

Keineswegs! Das Unterrichten, die Erledigung der vielfältigen Aufgaben innerhalb der Schulleitung und das Planen und Organisieren von zusätzlichen Aktivitäten für die Schulgemeinschaft habe ich täglich als interessante Herausforderung angesehen und niemals als Belastung empfunden.

„Pädagogik sollte an erster Stelle stehen“

Am 3. Juli ist für Sie quasi der letzte Schultag. Was wünschen Sie dem Gymnasium für die Zukunft?

Ich wünsche dem Gymnasium Fallersleben weiterhin eine interessierte und motivierte Schülerschaft und ein Kollegium, das sich auch in Zukunft stets als Einheit sieht, sowie eine erfolgreiche Weiterentwicklung der vorhandenen vielfältigen Konzepte unter Einbeziehung der aktuellen Entwicklungen. Dabei sollte immer die Pädagogik an erster Stelle stehen.

Zur Person

Studiendirektor Wilfried Nehls, stellvertretender Leiter des Gymnasiums Fallersleben, ist in Hannover geboren, besuchte hier die Universität. 1977 war er als angestellter Lehrer am Gymnasium Lehrte tätig, es folgte 1978 ein Referendariat am Studienseminar Wolfsburg mit der Ausbildung am Gymnasium Kreuzheide (jetzt Phoenix-Gymnasium). Seit dem 1. Februar 1980 unterrichtet Nehls am Gymnasium Fallersleben, ist seit 2010 ständiger Vertreter des Schulleiters und seit September 2013 Leiter der Außenstelle in Westhagen. Wilfried Nehls wohnt in Lehrte.

Von Burkhard Heuer